WAZblog Waz man seinen Lesern eigentlich nicht zumuten sollte …

31. Juli 2009

Erbitterte Optimisten verhageln Start in den Wahlkampf

Filed under: Allgemeines — Xanadu @ 20:12

Wer ist erbittert? Gegner, zum Beispiel. Oder Rivalen. Die kämpfen dann auch schon mal erbittert. Aber was nun wirklich überhaupt gar nicht mit „erbittert“ zusammenpasst, finden wir heute im Seite-2-Kommentar: „Wunder werden auch erbitterte Optimisten unter den Sozialdemokraten von dem ‚Team Steinmeier‘ nicht erwarten.“

Noch ein bisschen schlimmer wird’s im nebenstehenden Artikel: „Vor einem Jahr an einem anderen brandenburgischen Gewässer präsentierte Frank-Walter Steinmeier sich selbst als Kanzlerkandidat …“ Wann endlich wird man bei der WAZ anfangen, sich mit deutscher Deklination anzufreunden? Steinmeier präsentiert sich als wen? Als den Kandidaten, zum Teufel!
Und dass im nächsten Absatz „die Angelegenheit den Start in den Wahlkampf verhagelt“, will mir auch nicht recht einleuchten, da dies laut Redensart einzig der Petersilie vorbehalten ist. „Was hat dir denn die Petersilie verhagelt?“ fragt man, wenn man jemandem mit offensichtlich schlechter Laune begegnet. „Nein, nicht die Petersilie“, würde Steinmeier antworten, „mir ist nur ein Start verhagelt!“ Und man könnte antworten: „Mach dir nix draus, du kannst immer noch Kommentator bei der WAZ werden!“

Auf der Rhein-Ruhr-Seite „thronte Mark Spitz wie eine Gebirge der Selbstherrlichkeit auf seiner Leistung und verlor nie den Glauben an sich.“ Was nicht nur ein falsches grammatikalisches Geschlecht beinhaltet, sondern auch als Sprachbild äußerst gewagt ist.

Im Essener Lokalteil finden wir dann noch „die Textil-Warenkette ‚C&A'“, die ja eigentlich eine Warenhauskette ist, aber da wir erbitterte Optimisten sind, glauben wir fest daran, dass uns das nicht die Lektüre unserer Tageszeitung verhagelt und wir auch fürderhin wie ein Gebirge der … äh … Selbst … äh … herrlichkeit auf … äh … irgendwas sitzen werden. Jawoll!

30. Juli 2009

Ein Jahr WAZblog und Ulla Schmidt im Fuhrpark

Filed under: Allgemeines — Xanadu @ 18:26

Heute begehen wir ein kleines Jubiläum: Ein Jahr WAZblog. Am 30. Juli 2008 war es, als wir mit einem Artikel starteten, der sich über eine „Bewährungsstrafe … mit 5 Jahre“ lustig machte.

Und wie begeht die WAZ diesen Tag? Zum Beispiel mit einem Kommentar des Chefredakteurs, in dem wir solch blumige Sätze finden wie diesen hier: „Dass nun aber unentschlossene Wähler scharenweise loslaufen, um an den noch vergitterten Türen der Wahllokale zu rütteln, ist kaum zu erwarten.“ Hier ist nun einiges durcheinander geraten: Nur, weil Gerhard Schröder seinerzeit am Gitter des Kanzleramts gerüttelt hat, muss nun nicht jeder Wahlwillige ebenfalls an Gittern rütteln. Außerdem sind unsere Wahllokale gar nicht vergittert. Und die Türen schon gar nicht. Und selbst wenn: Warum „noch“? Werden die Gitter am Wahltag abgebaut? Und unentschlossene Wähler sind, wie der Name schon sagt: unentschlossen. Warum die loslaufen sollten, und gar scharenweise, um an Gittern zu rütteln, wüsste vermutlich nicht einmal der SPD-Kanzlerkandidat.
Da muss man doch davon ausgehen, dass sich der Chefschreiber anlässlich dieses Tages schon mindestens ein Gläschen gegönnt hat, oder?

Und wie der Herr, so’s Gescherr. Und schon geschehen (laut Politik-Seite) merkwürdige Dinge mit unserer Gesundheitsministerin: „Irgendwann in den nächsten Tagen wird der Wagen wohl wieder im Fuhrpark des Gesundheitsministeriums stehen. Zweifel, ob dies auch für Ulla Schmidt gelten würde, lösten sich erst am Abend auf.“ Demnach steht also Frau Schmidt im Fuhrpark, oder?

29. Juli 2009

Deutsch-Banker schlagen ins Kontor

Filed under: Allgemeines — Xanadu @ 20:15

Was sind Deutsch-Banker? Gibt es auch Englisch- oder Französisch-Banker? Kommt mir irgendwie spanisch vor. Vielleicht sollten wir den heutigen Aufmacher einmal lesen, dessen Headline lautet: „Deutsch-Banker können sich auf höheren Bonus freuen“. Und schon stellen wir fest, dass es sich da um Angestellte der Deutschen Bank handelt. Jetzt kann man ja der Deutschen Bank eine Menge vorwerfen, aber dass ihre Mitarbeiter „Deutsch-Banker“ sein sollen, das geht nun doch ein bisschen zu weit.

Mit allzu viel Genitiv kann man sich schon mal verheddern. Wie hier auf der Rhein-Ruhr-Seite: „Schon die Effektivität der normalen Grippe-Impfung sei medizinisch umstritten, zudem rufe sie schwere Nebenwirkungen bei unter Asthma oder Multipler Sklerose leidender Patienten hervor …“ So gehören wir zu den unter falschen Deklinationen leidenden Lesern.

Und der Konjunktiv ist auch nicht mehr, was er mal war: „Für sie ständen nicht der Preis, sondern der ‚Frischeaspekt‘ … im Vordergrund“, kann man auf der Seite „Wirtschaft & Verbraucher“ lesen. Und für uns Leser stünde die korrekte Form im Vordergrund.

Im Artikel am Fuß der Seite finden wir dann noch Folgendes: „Die norddeutsche Variante – zubereitet mit Majonäse oder Salatcreme – schlägt deutlicher ins Kontor.“ Wohin bitte schlägt die? Man kennt einen „Schlag ins Kontor“, das ist eine unangenehme Überraschung, aber dass Majonäse da irgendwo reinschlagen könnte, und dann auch noch deutlicher, ist ein bisher unbekanntes Phänomen.

28. Juli 2009

Aufstehen und das Ruder an sich reißen!

Filed under: Allgemeines — Xanadu @ 15:25

Im Seite-2-Kommentar schlägt der Chefredakteur wieder einmal zu und schreibt in Bezug auf Ulla Schmidts Dienstwagengeschichte, „dass fast alles, was schiefgeht, sowieso herauskommt“. Was ist das denn für eine Lebensweisheit? Dass alles schiefgeht, was schiefgehen kann, ist eines von Murphys Gesetzen. Dass es dann auch noch „herauskommt“, ist eine neue Ableitung.
Auch, dass „das Lebensgefühl mäandert zwischen Urlaub und Schweinegrippe“, wie man im nächsten Absatz lesen kann, ist eine eher überraschende Erkenntnis.

Zur Dienstwagenaffaire hat die Politik-Seite ebenfalls etwas beizusteuern. Hier erfahren wir, wie es zu dem Diebstahl kommen konnte: “ Weil es so heiß war, ließ der Fahrer eine Wohnungstür aufstehen.“ Die muss also vorher gelegen oder gesessen haben, ansonsten hätte er sie offen stehen lassen müssen.

Schön ist auch die heutige Kulturseite, wo „powackelnd einschlägige Verkehre simuliert“ werden und nicht zuletzt die Seite „Hören und Sehen“, wo „Kommunisten den Plan haben, das Ruder an sich zu reißen“.
Vermutlich wollten sie ans Ruder kommen, was ein bildlicher Ausdruck für „die Macht übernehmen“ ist, und wahrscheinlich hat aber vorher jemand das Ruder herumgerissen, um die diese Entwicklung zu stoppen.
Und das „trotz des Versuchs, alle
‚Jugendtrends sozialistische zu kanalisieren'“, wie es ein paar Zeilen später heißt.

Das lässt einem irgendwie die Augen und den Mund aufstehen …

27. Juli 2009

Tonart und Fehltritt

Filed under: Allgemeines — Xanadu @ 20:10

Immer mal wieder trifft man auf Formulierungen in der WAZ, die bei ersten Lesen nicht besonders auffallen. Aber dann merkt man, das da irgendwas nicht stimmt. Wie dies hier auf der 2: „Die in Umfragen stabil katastrophal zurückliegenden Sozialdemokraten wollen in Hannover auf einem Treffen mit allen Bundestagskandidaten und ab Mittwoch bei einer zweitägigen Klausurtagung bei Potsdam die Tonart für die heiße Wahlkampfphase anstimmen.“
Moment! Was wird hier angestimmt? Eine Tonart? Wie soll das gehen? Und plötzlich wird klar, das ist Quatsch. Eine Tonart kann man gar nicht anstimmen. Aber was macht man denn damit? Es gibt eine Redensart, wonach man doch, bitte schön, eine andere Tonart anschlagen möge. Und es gibt eine andere, wonach es keinen Sinn hat, Klagelieder anzustimmen. Nun kann man natürlich beides zusammen schmeißen und schon hat man mal wieder einen wunderschönen doppelten WAZberger, der eine Tonart anstimmt.

Eine Seite weiter begegnen wir einem weiteren Fehltritt. Normalerweise versteht man darunter zumindest einen Fauxpas, zumeist aber Fremdgehen. Nur ist das hier ausnahmsweise gar nicht gemeint: „Als Luca Toni vom Platz muss wegen wichtiger Termine und der Kaiser nach einem Fehltritt beim Aufwärmen humpelt …“
Und es gibt noch weitere Fehltritte sprachlicher Art: „Er sagte das auf Schalke, wo er außerdem erwähnte, dass der Fußball sonst ‚komplett humorfrei‘ sei, Samstag aber Spaß.“
Oder dies hier: „Und jetzt ist sie da gegen Oliver Pocher und seine Sportfreunde auf’m Platz, für van Gaal wohl weder wichtig noch witzig, der kennt ja nicht mal Elton!“ Toll, nicht? Sternstunden der deutschen Sprache!
Es geht noch besser: „Mario Basler im verzweifelten Bemühen, die Sache allein zu retten, der kleine Häßler, und Komödiant Cantz, der kann’s.“ Mario Basler ist also der kleine Häßler? Und Cantz, der kann’s! Haha!
Da möchte man doch eher die Tonart für die Fehltritte anstimmen!

25. Juli 2009

Zweimal Jenseits und zurück

Filed under: Allgemeines — Xanadu @ 19:11

Dass sich das Jenseits in der WAZ steigender Beliebtheit erfreut, durften wir schon mehrfach dokumentieren.
Heute haben wir es gleich doppelt, in beiden Kommentaren auf der Seite 2. Im oberen steht: „Doch jenseits des üblichen, reflexhaften politischen Gezänks um Rücktrittsforderungen …“
Und in dem darunter: „Prägend ist ein Menschenschlag, dem schon beim Aufstieg in den Parteigremien das Denken und Handeln jenseits des Mittelmaßes ausgetrieben wurde.“ Jenseits des Gezänks und jenseits des Mittelmaßes – wo mag das bloß sein?

Ein weiterer Ausdruck, der in letzter Zeit immer wieder gerne genommen wird, ist die „geordnete Insolvenz“. Die haben wir heute gleich dreimal. Einmal im Bericht über unseren smarten Wirtschaftsminister auf der Politik-Seite und dann noch zweimal auf der Wirtschaftsseite, in der Unterzeile und im Artikel: „FDP-Mann Pfeil für eine geordnete Insolvenz“. Leider hat uns noch keiner gesagt, was man sich darunter vorstellen darf und ob es vielleicht auch irgendwo die ungeordnete Insolvenz gibt. Möglicherweise im Jenseits.

24. Juli 2009

Auf der Erfolgspur (mit Schafkäse) extra verlieren

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:43

Extra. Das bedeutet in erster Linie: „besonders, außergewöhnlich, außerhalb“ und dergleichen. Was soll uns dann diese Headline von der Titelseite sagen: „Carstensen verliert extra“? Ok, ok, „extra“ kann auch die Bedeutung von „absichtlich“ annehmen, was hieße, dass er absichtlich verlor. Das allerdings funktioniert auch nicht, da man eine Wahl eben nicht absichtlich verlieren kann (sonst könnte man sie ja auch absichtlich gewinnen, das würde der SPD momentan ganz gut in den Kram passen). Auch dann nicht, wenn Journalisten nicht müde werden, das immer wieder zu behaupten, wie dann auch später auf der Politik-Seite: „Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) hat im Landtag gestern wunschgemäß per absichtlich verlorener Vertrauensfrage (37 Nein, 1 Ja, 28 Enthaltungen) die Voraussetzungen herbeistimmen lassen, um das Parlament aufzulösen.“ Jetzt sogar wunschgemäß per Absicht!

Nicht-wunschgemäß und eher unabsichtlich dürften jedoch die folgenden Missgeschicke auf der Rhein-Ruhr-Seite passiert sein. Im ersten Satz gibt es einen Kommafehler: „Nach dem Großbrand in einem Iserlohner Chemiewerk, (Komma falsch) sind die Flammen auf dem Unglücksgelände gestern erneut ausgebrochen.“
Danach einen Trennfehler: „… die Feuerwehrleute im Märk- (Trennung)
ischen Kreis …“
Ja, und dann folgt etwas, von dem man nicht weiß, ob es nur ein Tippfehler ist oder ob der Satz komplett in die Hose gegangen ist: „Das Gewerbegebiet im großräumig abgesperrt und teilweise evakuiert.“ Aber eigentlich will ich es gar nicht wissen.

Dafür wüsste ich gern, warum das „S“ immer mehr aus der Mode kommt. Hat es uns was getan? Ist es als Laut zu zischig? Gerade der Genitiv leidet darunter, insbesondere, wenn da schon irgendwo ein „S“ oder ähnlicher Zischlaut im Spiel ist: „Der Vorsitzende des Haushaltsauschuss“ wird z.B. gern gesagt und geschrieben, oder es heißt in einer idiotischen Werbung für ein Hygieneprodukt, es „begünstigt die Auflösung des Ohrenschmalz“. Ahrggg! In der Werbung gehen die Schafsköpfe – pardon: Schafköpfe – noch einen Schritt weiter und reden von „Schafkäse“ und „Schafmilch“. Kein Wunder, dass man heute auf der Wirtschaftsseite in einer Subline lesen muss: „Der Sauerländer brachte Porsche in die Erfolgspur.“ Wobei man sich außerdem noch darüber streiten könnte, ob er Porsche nicht eher auf die Erfolgsspur gebracht hat.

Ein doppelter Genitiv galt schon immer als schlechter Stil. Insofern haben wir dann auf der „Menschen“-Seite einen dreifachen Rittberger, der jeder DDR-Nachrichtensendung („Vorsitzender des Zentralkomitees der Soundso-Partei der DDR“) alle Ehre gemacht hätte: „… stellvertretender Leiter der IT-Abteilung der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Münster“, so wird auf der „Menschen“-Seite der Vorsitzende der Piratenpartei vorgestellt.

23. Juli 2009

Erneuter Gefechtsnebel, diesmal umfeuert

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:10

Und weil es so schön war, gleich noch einmal: Der Gefechtsnebel ist wieder da. Heute legt er sich auf einen Bericht zum Koalitionsbruch im Norden (Seite 2): „Von Kritik derart umfeuert, bewegen sich Carstensens Hoffnungen auf eine schwarz-gelbe Mehrheit nach Neuwahlen momentan in dichtem Gefechtsnebel.“ Supiee! Was für eine klare und informative Aussage: Da sind zunächst die von Kritik umfeuerten Hoffnungen. Umfeuert? Was soll das denn sein? Aber selbige bewegen sich auch noch im Gefechtsnebel. Selbst, wenn keiner weiß, was das ist. Naja, es bleibt halt ein bisschen nebulös!

Im Kommentar nebenan wird darüber nachgedacht, „wie Obama dieses heiße Eisen managt …“ Verständlich, da heiße Eisen allenfalls angepackt werden, wenn es nach der Redensart geht. Doch vielleicht ist das ja nicht innovativ genug für eine moderne Tageszeitung. Also: Wir müssen die heißen Eisen endlich … hm … managen!

Auf der Rhein-Ruhr-Seite „sind 9000 in Kurzarbeit“, auf der Sportseite ist ein Komma zu viel: „Nach dem Fischzug bei den Olympischen Spielen in Peking, (Komma falsch) wirft sie das Netz in Rom aus …“

Beides will ich nicht weiter kommentieren, denn ein Satz im Wirtschaftsseiten-Kommentar bringt mich ins Grübeln: „Der Einwand aus Union und FDP, jede Steuererhöhung sei Gift, ist eine denkbar reflexhafte Plattitüde.“ Nun frage ich mich: Was ist diese Plattitüde? Denkbar reflexhaft, im Sinne von: „denkbar schlecht“? Also: Reflexhafter geht es nicht? Aber dann: Was ist reflexhaft und was ist die Steigerung davon, die man nicht erreichen kann? Wenn man einem Reflex folgt, kann es noch reflexhaftere Reaktionen geben? Also denkbar reflexhaftere?
Oder war es nur ein Tippfehler und es ist eine denkbare reflexhafte Plattitüde? Aber wieso dann reflexhaft? Und gibt es noch andere reflexhafte Plattitüden, wenn das eine davon ist? Welche könnten das sein?
„Meine Sorgen möcht’ ich haben“, hat schon Tucholsky gesagt. Ich eigentlich nicht, damit sich meine umfeuerten Hoffnungen nicht im Gefechtsnebel bewegen, bevor alle heißen Eisen gemanagt sind.

22. Juli 2009

Gefechtsnebel ist nur eine Option

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 18:41

Undurchsichtiges heute im Seite-2-Kommentar: „Wenn der Gefechtsnebel sich legt, der den Bruch der Koalition und die Entlassung der SPD-Minister umhüllt …“
Hier ist mal wieder einiges durcheinander geraten: Normalerweise umhüllt Nebel nicht, sondern er verhüllt. Außerdem lichtet er sich später und legt sich nicht. Was sich wiederum gerne legt, das ist der Pulverdampf, der in diesem Fall als Sprachbild auch angebracht gewesen wäre, denn was Gefechtsnebel ist, weiß sowieso niemand. „Gefechtslärm“ hätten wir da noch anzubieten und die Tatsache, das möglicherweise etwas vernebelt werden soll. Nun gut, wenn man das alles zusammen mixt, dann kann daraus vielleicht ein sich legender Gefechtsnebel werden.

Im Kommentar zur Rentendiskussion müssen wir Formulierungen hinnehmen wie: „Die Zukunft der gesetzlichen Rente gehört eindeutig nicht zum Kerngeschäft der Bundesbank.“ Ich wüsste nicht, dass die die Zukunft von irgendwas je zum Kern- oder auch sonstigen Geschäft von irgend jemandem gehört hätte.
Oder solche: „Dennoch trägt die einhellige Empörung von Politik, Gewerkschaften und Verbänden Züge von Heuchelei“ Wie soll das gehen? Was sind Züge von Heuchelei und wie kann die Empörung derlei tragen?
Auch „dass den Jungen Überforderungen drohen“, mag man in diesem Zusammenhang nicht recht glauben, da solche selten etwas mit finanziellen Forderungen zu tun haben. Ich bin z.B. oft überfordert, wenn ich angesichts solcher Schreibereien ruhig bleiben soll.
So geht es mir dann auch, wenn Peer Steinbrück „… die Rentengarantie seines Ministerkollegen Olaf Scholz als ‚grenzwertig‘ bezeichnet“.
Was ist heutzutage nicht alles „grenzwertig“! Und was soll das eigentlich sein? Für die Luft oder Nahrungsmittel werden für bestimmte Giftstoffe Grenzwerte bestimmt. Was über diesen Werten liegt, gilt als gefährlich. Und was knapp darunter ist, ist dann grenzwertig? „Wir haben eine ganz schön grenzwertige Luft heute“, sagt der Umweltschützer, wenn er die Staubbelastung gemessen hat. Oder wie?
Was der Duden dazu sagt: „… gerade noch im Bereich des Positiven, Erträglichen o. Ä. liegend“, klingt recht einleuchtend, macht es aber nicht besser. Für mich bleibt der Gebrauch dieses Wortes weiterhin … äh … grenzwertig!
Nach diesem ganzen Zeugs tut der kleine Rechtschreibfehler am Ende des Artikels fast schon gut: „Die Angst der Politik hat etwas würdeloses …“, was man hätte groß schreiben müssen, da es sich um eine Substantivierung handelt.

Fast etwas Würdevolles hat dagegen der Opel-Interessent RHJ, der laut Wirtschaftsseite „garantiert, dass keine Rückkaufoption mit GM vereinbart ist, sondern dies nur eine Option sei.“ Janee, iss klar!

Und schließlich versucht man noch auf der Politik-Seite, „Worms’ Zurückhaltung und Bescheidenheit ins richtige Licht zu rücken.“ Nur geht das leider nicht, da es auch kein falsches Licht gibt. Man versucht, jemanden oder etwas ins rechte Licht zu rücken, damit es besser dargestellt und gesehen werden kann.
Oder damit es nicht im Gefechtsnebel umhüllt und damit zur grenzwertigen Option wird.

21. Juli 2009

Jetzt können wir auch Bären

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:11

Wenn irgendein WAZ-Autor Unsinn verzapft, kann man sicher sein, dass es ihm bald darauf ein anderer nachtun wird. So war es auch nur eine Frage der Zeit, dass diese merkwürdige Ausrufungszeichen-Komma-Kombination, die wir nun schon mehrfach in Reportagen erleiden mussten, nun auch anderswo auftaucht. So steht heute im Seite-2-Kommentar: „Peter Harry Carstensen macht es wie Gerhard Schröder 2005. Er stellt im Parlament eine Vertrauensfrage. Und hofft, Achtung!, sie zu verlieren.“ Anstatt dass mal jemand die Kollegin von der Reportage darauf angesprochen hätte, auf diese schräge Interpunktion zu verzichten, wird ’s auch noch nachgemacht. Nach dem Motto: „Wenn wir’s schon mal so gedruckt haben, dann wird es schon richtig sein!
Es folgt eine „Hintertürchen-Masche im parlamentarischen Räderwerk“, und das ist eine Formulierung, bei der zwar nichts zusammenpasst, die wir aber demnächst vermutlich auch wieder an anderer Stelle werden lesen müssen.

Auf der Rhein-Ruhr-Seite wurde eine „Infektion … positiv bestätigt“, und das ist natürlich besser, als wenn sie negativ bestätigt worden wäre. Anschließend noch ein kleiner Komma-Fehler: „Sechs Wittener … haben sich vermutlich in Lloret de Mar an der Costa Brava, (Komma überflüssig) angesteckt.“

Nach dem Umblättern zur Politik-Seite kann man den bemerkenswerten Satz lesen: „Dass eine so ehrbare Tradition immer wieder mit Störmanövern überzogen wird, ist absurd und so nur in Deutschland möglich, wo die gleichgültige bis moralinsaure Distanz zur Armee tief verwurzelt ist.“ Tja, es ist ja wirklich nicht ganz einfach, eine Tradition mit Störmanövern zu überziehen. Eher wäre denkbar, dass eine Traditionsveranstaltung von Störmanövern begleitet wird, aber hier will ich dem Autor nicht reinreden. Dafür möchte ich aber wissen, was eine gleichgültige Distanz von einer normalen Distanz unterscheidet, von der moralinsauren ganz zu schweigen.

Die Krone – im wahrsten Sinn des Wortes – setzt dem Ganzen heute aber ein Zahnarzt auf, über den auf der Gesellschaftsseite berichtet wird: „Denn der Dentist hat ja eigentlich Menschen gelernt …“ Mann-O-Mann, wo soll diese Art des Schreibens noch hinführen? Geradewegs hierhin: „… riesige Fangzähne im aufgerissenen Löwenmaul und hinten noch mehr Hauer, mit denen die Raubkatze ‚Gulasch macht‘, sagt Loose. Der mittlerweile auch Bären kann.“ Und ich kann Journalisten. Und zwar hassen oder am liebsten mit dem Setzkasten erschlagen, wenn sie einen derartigen Stuss schreiben. Ist es nicht schlimm genug, dass jemand „nur Qualität kann“? Oder gar „Kanzler“? Das hier ist noch einen Umdrehung mehr. Der Arzt kann mittlerweile auch Bären behandeln! Was ist so toll daran, ein Hilfsverb zum Verb hoch zu stilisieren?
Am Ende des Artikels dann das totale Chaos: „Kaputte Zähne hat er gesehen, von Zuckerwasser ausgetrocknet, das Tanzbären tranken, hat ganze Löcher im Kiefer plastisch verfüllt, von Eisenringen gerissen. In Afrika behandelte er eine Löwin mit spitzen Eckzähnen: abgefressen vom Hunger bis fast auf den Nerv.“ Was ist dem armen Doktor demnach so alles passiert: Erst wurde er vom Zuckerwasser ausgetrocknet, dann wurde er von Eisenringen gerissen und zu guter Letzt noch abgefressen bis auf den Nerv.
Da möchte man wirklich kein Zahnarzt sein, der Menschen gelernt hat und nun auch Bären kann. Da sehe ich zu, dass ich eine moralinsauere Distanz dazu kriege und suche mir eine Hintertürchen-Masche im Räderwerk aus. Und hoffe, dass ich nicht von Störmanövern überzogen werde.

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