Rettungsschirm auf Platz 8

Die schlechte Nachricht zuerst: Der „Rettungsschirm“ hat es beim „Wort des Jahres“ unter die ersten Zehn geschafft und ist immerhin auf Platz 8 gelandet! Wie konnte das nur passieren? Die Gesellschaft für deutsche Sprache begründet das folgendermaßen: „Rettungsschirm ist wie ‚Rettungspaket‘ die bildhafte Bezeichnung der staatlichen Finanzhilfen für in der Krise befindliche Banken und Unternehmen.“ Das hilft uns aber nicht besonders weiter, wissen wir doch immer noch nicht, wofür dieses Bild stehen soll. Unter einem Rettungspaket kann man sich noch irgend etwas vorstellen, auch unter einem Schutzschirm. Aber diese vermaledeite Mischung aus beidem, die nur dem verwirrten Hirn eines aufgeregten Reporters entsprungen sein kann, funktioniert weder sprach- noch bildlich: Wie rettet ein Rettungsschirm? Die nahe liegende Assoziation ist ein Fallschirm, den man ergreift, wenn man aus einem Flugzeug springen muss, genauso, wie man einen Rettungsring ergreift (oder zu den Rettungsbooten eilt), wenn das Schiff untergeht. Aber die Banken sollen sich ja drunter stellen. Manchmal erwägt man gar, sie darunter zu zwingen. Demzufolge wird er aufgespannt. Manchmal enthält er Milliarden Euro, ist also eine Art Tüte. Und manchmal hat er einen Konstruktionsfehler und versagt. Was ist das also für ein Monster?
Und dass diese sprachliche Entgleisung nun auch noch offiziell Eingang in die deutsche Sprache findet, (um es einmal mit Hanns-Dieter Hüsch zu sagen:) „da kann ich mich kriminal drüber ärgern“. Aber es ist offenbar nicht mehr zu ändern.

Dagegen sind die sprachlichen Entgleisungen in der heutigen WAZ geradezu harmlos. Auf der Sport-Seite „antworten chinesische Freunde auf die Frage nach den Nachwirkungen der Spiele: ‚Ich kenne niemand, der nicht stolz darauf ist …“, und das auch noch „einhellig“. Nun gut, das sind Chinesen, wie sollen die auch wissen, dass sie allenfalls niemanden kennen? (Nur der deutsche Autor hätte es wissen können…)

Auf der Kultur-Seite werden uns die Intendanten im Ruhrgebiet mit den Worten beschrieben: „Auf Gerard Mortier, den intellektuell Leuchtenden, und Jürgen Flimm, den emphatisch Starken, folgt Willy Decker, ein klug leise und sehr tief Fragender.“ Und das ist ja nicht falsch, nur reichlich verschwurbelt.

Und im Essener Lokalteil verabschiedet sich der Lokalchef in seiner „Lupus“-Kolumne in den Ruhestand. Er benutzt dabei so schöne Sprachbilder wie dieses: „… Begegnungen sind das Salz für Journalisten in den alltäglichen oft doch hektischen Abläufen.“
Und er mahnt: „Mit Gutsherrenart und einem betonköpfigen ‚Durch-die-Wand-Wollen‘ ist kein Erfolg zu verbuchen“.
Schließlich gelingt es ihm sogar noch, die aktuelle wirtschaftliche Situation mit seinen Überlegungen zu verknüpfen: „Die Probleme des Haushalts der Stadt haben nichts mit dem Boom der Wirtschaft zu tun, der immer noch anhält, sich aber aufgrund der Finanzkrise auch in Essen auswirkt – für depressives Lamentieren sollte aber die Zeit zu schade sein.“ Finde ich auch, zumal ein Boom eine Hochkonjunktur bedeutet und somit der Rest des Satzes schlicht unverständlich wird. Aber solche Formulierungen waren für mich immer irgendwie … äh … das Salz in … äh … meinen täglichen hektischen Abläufen.
Lupus wird mir fehlen.

Datenfahrräder zu Lasten des Service, selten

Ein bisschen rätselhaft, nicht wahr? Das dachte ich auch, als ich den folgenden Satz auf der „Ratgeber Computer“-Seite lesen musste: „Zwei der drei Testkunden wurde an der Hotline in Aussicht gestellt, selten.“ Da hat vermutlich der Autor die Empfehlung des Chefredakteurs mit der Wein-Nacht zu ernst genommen.
Und wie soll man da noch genügend Ernst für den Genitiv übrig behalten? Also schreibt man (in der Headline und im Text): „Preiskampf geht zu Lasten des Service.“ Und hängt sich damit an einen Trend, der den Genitiv bei allen Wörtern ignoriert, die irgendwie auf „s“ (bzw. den entsprechenden Laut) enden, was dann zu Lasten des Services geht.
Und all‘ das auch noch unter der Überschrift: „Fahrrad auf der Datenautobahn“. Und in der zugehörigen Bildunterschrift heißt es ebenfalls: „Wie Fahrradfahrer auf der Datenautobahn kamen sich die Tester der DSL-Anschlüsse manchmal vor.“ Wie muss man sich das nun vorstellen? Vermutlich hatten sie Datenfahrräder…

Alles fliegt in den Schoß

Auf der „Menschen“-Seite menschelt es heute wieder recht heftig: „Eigentlich heißt er ja Hans, dieser märchenhafte Glückspilz, dem alles in den Schoß fliegt.“ Stimmt nicht ganz: Wenn einem etwas in den Schoß fällt, dann bekommt man es, ohne viel Mühe aufzuwenden. Es gibt auch Leute, die sich beim Lernen nicht anstrengen müssen, weil ihnen das alles zur so zufliegt. Dass dem Hans alles in den Schoß fliegt, ist daher eher ein doppelter Wazberger.
„Dieser Glückspilz, von dem hier die Rede ist, heißt Josef und musste für sein Glück hart arbeiten. Manchmal allerdings auch nicht.“ Das ist logisch.
„Jupp geht in die Schule, Jupp lernt Schreiner und dann verliebt sich der Jupp. Ja, auch in Mädchen, denn sein Lächeln, seine blonden Haare, die sind so ganz im Stil der Zeit.“ Also nach dem Schreinerlernen verliebt sich der Jupp. Sogar in Mädchen. Interessant.
Und dann passiert etwas ganz Komisches: „Jupp kommt in den Genuss der oft zitierten Gnade der späten Geburt und wird nicht als Flieger für den untergehenden Nazi-Wahn verheizt.“
Weil das aber nicht reicht, „… muss Traum Nummer zwei herhalten: Die Lokomotive. Der kleine Jupp wird Lokomotivführer. Fehlanzeige. Kein Glück gehabt, denn der Jupp fährt als Heizer auf einer Dampflok Schutt und Asche des zerbombten Ruhrgebietes durch die Gegend.“
Das ist aber noch längst nicht alles: „Jupp wollte Spaß, wollte Sport und hatte Glück. In zweierlei Hinsicht: Als Boxer wurde er schnell so etwas wie ein Lokalmatador und hat in der ausverkauften Westfalenhalle gegen einen Italiener geboxt und gewonnen. Einmal im Ring und einmal in der Liebe, denn seine Gertrud verliebte sich in diesen smarten Kerl mit dem Hardy-Krüger-Lächeln.“ Da hat der Italiener sicher dumm aus der Wäsche geguckt!
Und das hat sicher dazu geführt, dass er „den Schreinerkittel gegen die Krawatte getauscht“ hat. Muss aber komisch ausgesehen haben, denn so eine Krawatte taugt nur begrenzt zur Körperbedeckung.
All das macht dem Jupp aber nix aus: „Hat seine Wurzeln nie vergessen. In denen kann er sich jetzt festkrallen und neu anfangen. Die Freunde helfen ihm. Jupp hat Glück. Im Unglück.“ Jawoll! In den nie vergessenen Wurzeln festkrallen!
Und nun „wird (er) Medienberater und sein strampeln im Milcheimer hilft. Aus Milch wird Quark, aus Quark wird Butter.“ Wir erfahren nicht, wo nun plötzlich der Milcheimer hergekommen ist, in dem der Jupp mit dem Strampeln beginnt, auf jeden Fall kommt er nun in den Quark (und nicht aus den Pötten) und somit ist dann ja auch alles in Butter!

Strapazierfähiger Leidensdruck

Auf der Titelseite (und später noch einmal auf der Politik-Seite) gibt der Landesfinanzminister eine äußerst bedeutsame Äußerung von sich: „Viele Instrumente, die der Bund zur Belebung der Konjunktur beschließt, müssen zu großen Teilen von den Ländern bezahlt werden. Da ist unser Leidensdruck nur begrenzt strapazierfähig.“
Ich bin sicher, er wollte damit auch etwas äußerst Bedeutsames ausdrücken, die Frage ist nur: Was?
Wenn man versucht, aus dieser Aneinanderreihung mehr oder weniger bedeutungstragender Laute so etwas wie Sinn heraus zu filtern, erhält man Folgendes: Wir leiden. Mehr noch: Wir haben Leidensdruck. Allerdings ist der strapazierfähig. Jedoch nicht unbegrenzt.
Mein Leiden ist, gerade angesichts solcher Sprachkonstruktionen, recht groß. Dadurch verspüre ich einen Leidensdruck. Als der schließlich zu groß wurde, musste ich mich mit diesem Blog outen. Doch kann man diesen Leidensdruck strapazieren? Und wenn, wie? Und was passiert dann?
Ich verheddere mich, tut mir leid. Aber ich wollte ja nur herausfinden, was unser Finanzminister eigentlich Bedeutsames sagen wollte. Ähem, vielleicht das hier: Unser Land leidet schon genug, mehr ist nicht drin. Aber warum erzählt er dann was von strapazierfähigem Leidensdruck? Das werden wir wohl nie herausfinden, fürchte ich.

Auch, was wir heute wieder aus Bangladesh bzw. von der Spendenaktion erfahren, ist schwer verständlich. „Morgens steigt Gisele ihrem eigenen Haus aufs Dach“, steht da, und man weiß nicht, ob es in Kenntnis oder Unkenntnis der Redensart geschrieben wurde, die soviel bedeutet wie: jemanden unter Druck setzen, zurechtweisen. Im ersten Fall wäre es reichlich daneben, im zweiten schlicht beknackt.
Und im nächsten Absatz kommt dann eine Reihung, die mich verwirrt: „650 neue Quadratmeter werden die behinderten Kinder von Recife dann haben, für Physiotherapie, Speisesaal, Unterricht.“ Und im Nachbarhaus gibt es Fläche für Radiohören, Toilette, Beten. Oder wie?
Aber die merkwürdigen Verbindungen gibt es auch an anderer Stelle: „Und überhaupt, Gisele: Vor 21 Jahren gab ihre Geburt den Anlass, die Hilfsorganisation zu gründen … Heute ist sie Vize-Präsidentin des Projekts, seine „Vorzeige-Frau” und im Frühjahr eingeladen zum Jubiläum der Kindernothilfe nach Deutschland.“ Und ich bin Kritiker und im Winter eingeladen zur Weihnachtsfeier. Das druck ich mir auf die Visitenkarte!
Dafür ist eins „kaum zu glauben, aber in diesen Tagen haben sie im Kindergarten … schon zum zweiten Mal Weihnachten gefeiert.“ Wirklich! Denn wir haben in diesen Tagen nur einmal Weihnachten gefeiert. Wie machen die das?
Wahrscheinlich so: „Sie legen hier immer viel Wert auf solche Feste, auch jeder Geburtstag wird mit viel Liebe begangen, und das Pfannkuchenfest.“ Das leuchtet ein! Bei uns wird auch jede Party mit Musik begangen, und das Bierzelt! Wenn das Deutsch ist, lebe ich offenbar in einem anderen Land.
Und überhaupt: Ich. Ich habe da noch ein Problem mit der Formulierung im nächsten Absatz: „Das Virus … wird im Gesundheitspass vermerkt, Kindergärten nehmen die Kleinen damit nicht auf, selbst Schulen schließen lieber ihre Tore.“ Weil ich davon ausgehe, dass Fabriken, Institutionen u.ä. , die ihre Tore schließen, ihren Betrieb einstellen, dicht machen, ja sogar pleite sind. So zumindest unterstellt es die entsprechende Redensart.
Am Ende des Artikels haben wir dann noch einen Satz, den ich nicht mehr kommentieren möchte: „Die 100 000 Euro sind noch nicht ganz geschafft – aber für das neue Haus, das auch diese halben Kinder, die ungewollt geschwängert wurden, sich so dringend wünschen, brauchen wir noch viel mehr.“
Denn dann könnte ich der WAZ-Autorin aufs Dach steigen und die Tore schließen. Zumal mein Leidensdruck nur begrenzt strapazierfähig ist.

Zu Weihnachten eine fehlerfreie WAZ!

Pustekuchen! Wie sollte das auch klappen, wenn der Chefredakteur höchtselbst zur Feder greift? Da fragt er im Kommentar auf Seite 2: „Ist Weihnachten, wie der Rest der Welt, in der Krise, mindestens bei Jungen?“ Was ist mit den Mädchen, fragt man sich unwillkürlich. Aber er meinte die jungen Leute. Mindestens. Und bei denen ist Weihnachten in der Krise? Mindestens. Was will er uns damit sagen, bzw. fragen?
Eigentlich gar nichts, stattdessen will er uns was ganz anderes mitteilen: „Die These von der Entchristlichung der Weihnacht ist so alt wie falsch … Weihnachten war nie nur eine ganz herausragende Gelegenheit zur Besinnung, feierlichen Einkehr, Spurensuche nach Christlichkeit in dieser Nacht, in der ein ganz besonderes Kind geboren wurde.“ Was ist das denn jetzt? Spurensuche ist eine Suche nach Spuren, die jemand oder etwas hinterlassen hat, Suche nach Christlichkeit ist zwar reichlich abstrakt, könnte man aber gerade noch durchgehen lassen, doch die Kombination? Und dann noch in dieser Nacht mit dem ganz besonderen Kind …
Das kann man eigentlich nur lesen (und vor allem schreiben), wenn man das Folgende wörtlich nimmt: „Weihnachten war, für manche gerade deswegen, immer auch ein Fest, und zwar durchaus im rauschenden Sinn des Wortes: als Wein-Nacht.“

Und da ist mir der Chefredakteur um einiges voraus. Komme nach! Prost!

Lungentranplantation mit drei Kinder

Der Chefredakteur hat wieder zugeschlagen. Im Kommentar auf Seite 2 philosophiert er über die deutschen Kanzler Adenauer und Schmidt und sondert dabei Sätze ab wie die folgenden: „Cool, weil er wie jugendbewegt rücksichtslos sagt und tut, was er will (öffentlich rauchen). Ein Uralter, der den Jahren trotzt – und seinen Stock bei Auftritten in die Ecke wirft.“ Versuchen wir das mal zu interpretieren: Schmidt ist cool, weil er rücksichtslos sagt und tut … Das kann ich noch verstehen. Aber was ist „jugendbewegt“ rücksichtslos? Es gibt eine Jugend. Und es gab (und es gibt sie vielleicht noch) eine Jugendbewegung. Darunter verstand (oder versteht) man Jugendliche, die für ihre Rechte eintreten. Aber sind sie deshalb rücksichtslos? Und was ist „wie jugendbewegt“ rücksichtslos? Das muss doch eine besondere Art von Rücksichtslosigkeit sein. Nur welche, werden wir nie erfahren.
Nicht viel besser ergeht es uns mit dem in der Ecke geworfenen Stock. Ist das eine Redensart? Ich kenne sie nicht. Man kann seinen Hut in den Ring werfen. Oder die Flinte ins Korn. Ja, sogar Perlen vor die Säue. Aber den Stock in die Ecke? Was soll das bedeuten?
Warum schreibt man sowas? Nur, um uns in Verzweiflung zu stürzen?
Wo wir gerade beim Stürzen sind: „Adenauer musste sich über seine CDU nicht beschweren, Schmidt sich von seiner SPD hingegen stürzen lassen (es half die FDP).“
Das ist mir ganz anders in Erinnerung: Demnach hat damals die FDP die Koalition mit der SPD gebrochen und dann mit der CDU ein konstruktives Misstrauensvotum erwirkt, woraufhin der SPD-Kanzler gestürzt und der neue CDU-Kanzler Kohl gewählt wurde. Dass dabei die SPD in irgendeiner Form mitgeholfen hätte, wäre mir völlig neu. Und das verunsichert mich. Denn ich bin doch, nun ja, irgendwie, quasi und gewissermaßen – Zeitzeuge. Und wenn ich mich jetzt so falsch erinnere und die SPD damals Kohl zum Kanzler wählte (es half die FDP), wir also 13 Jahre lang von einer SPD/CDU/FDP-Koalition unter Kanzler Kohl regiert wurden, dann war ich entweder 13 lange Jahre in einer Parallelwelt mit einer schwarz-gelben Koalition oder … (Schauder!) Was ist mit mir? Bitte helfen Sie mir! Kommentieren Sie diesen Artikel und sagen Sie mir, dass ich nicht schon komplett meschugge bin! Bitte!!

Denn man kann ja auch meschugge werden, wenn man täglich die WAZ liest. Und dabei Sätze findet, wie den folgenden auf der Rhein-Ruhr-Seite: „‚Die Welle hat mein Haus gefressen‘, sagt Parvin, die Kühe, die Ziegen und allen Reis, den sie gelagert hatte für ihre vier Kinder.“ Parvin, die Kühe? Oder hat sie was damit gemacht? Gelagert und all den Reis für ihre vier Kinder. Aber letztendlich war es doch die Welle. Da soll man nicht meschugge werden?
Oder beim nächsten Satz: „Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen und den der Flüsse, die sich wie Rinnsale nach einem großen Regen durch die Landschaft schlängeln.“ Rinnsale sind kleinste fließende Gewässer, noch kleiner als Bäche! (In einem Rinnsal rinnt Wasser oder eine Flüssigkeit in einen schmalen Streifen, Wikipedia) Aber es war doch vom steigenden Wasserspiegel die Rede, gar von dramatisch steigendem! Und nun ein Rinnsal! Wer soll das verstehen?
Oder das hier: „Die Bauern graben jetzt Löcher in ihre Reisfelder, um auf dem Aushub ihre Hütten zu bauen; sie werden immer höher.“ Die Bauern?
Oder so etwas: „Als der Zyklon das Meer das letzte Mal schickte, hat es ein Loch in den schwachen Deich gerissen, es hat all die ärmlichen Hütten vor ihm verschluckt, sogar das Haus des Imams und Fatema, die Enkeltochter der Lotufa, die auf der Flucht in einem Dornenbusch hängen blieb mit ihrem schönen schwarzen Haar.“ Welche Hütten hat das Meer verschluckt? Drei an der Zahl: Die ärmlichen, die des Imams und Fatema. Aber was war jetzt mit Lotufa? War die auch eine Hütte? Oder wer blieb da jetzt mit dem Haar hängen, Fatema oder Lotufa? Wenn Fatema eine Hütte war, konnte sie nicht mit dem Haar hängen bleiben. Aber Lotufa, die ist doch die Oma, und die hatte das schöne schwarze Haar? Ich werd wirklich langsam meschugge!

Vielleicht sollte ich ein Schlückchen Lebertran zu mir nehmen. Doch es gibt ja was Besseres, wie ich auf der „Welt“-Seite lesen darf: „Lungentran“! Hoppla, da hab ich was falsch gelesen: „Michael Jackson ist schwer erkrankt und dringend auf eine Lungentranplantation angewiesen.“

Zum Nachtisch Quark mit Früchte. Nein, das stand nicht in der WAZ, das musste ich früher häufig in der Mensa lesen. Aber die Mädels, die das auf eine Papptafel schrieben, waren ja auch keine Sprachprofis, sondern Hilfskräfte. Und sie wussten es nicht besser (trotzdem taten mir die Ohren weh; ich lese immer laut). Die WAZ würde dergleichen nie veröffentlichen. Sie schreibt (auf der „Menschen“-Seite) über die schwedische Königin: „Nachdem sie die Nation mit drei Kinder beglückte …“

Da könnte ich doch glatt meinen Stock in die Ecke werfen oder wie ein Rinnsal Hütten verschlucken!

Erst auf den Magen schlagen, dann um die Ohren hauen

„Bio und Öko ist gut“, erfahren wir in einer Buchbesprechung auf der Seite „Media-Tipps“. O.k., beides ist gut, aber beide zusammen sind gut.
„Daher fühlen sie (die Autoren, d. Verf.) sich befleißigt, ihrem Leser zu erklären, dass ihr Buch keinesfalls eine Abrechnung oder sensationsgierige Entlarvung sei.“
Man kann sich genötigt fühlen, etwas zu tun. Oder sich befleißigen. Z.B. eines besseren Sprach- oder Schreibstils. Hätte das auch der Autor dieses Artikels getan, wäre uns so manches erspart geblieben. Auch die sensationsgierige Entlarvung.
Oder der folgende Satz: „Faktenreich und flott lesbar werden Öko-Freaks und Bio-Essern auf den Magen schlagende Fakten um die Ohren gehauen.“ Da fragt man sich, wo die faktenreichen Fakten zuerst hin schlagen, auf den Magen oder um die Ohren…
Es scheint wirklich so zu sein, dass jeder Unsinn, den ein WAZ-Autor schreibt, dankbar von einem anderen aufgegriffen wird: „Maxeiner und Miersch unterfüttern ihre Aussagen durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.“ Warum belegen sie ihren Aussagen nicht einfach? Am 1. Dezember stand dieses unsägliche “Unterfüttern” im Sportkommentar. Es wird nicht besser dadurch, dass man es wiederholt.

Asymmetrische Gefahren

Tja, was sind “asymmetrische Gefahren”, von denen wir im Kommentar auf Seite 2 lesen müssen? Wohl das Gegenteil von symmetrischen. Aber werden wir dadurch schlauer? Also: Symmetrische Gefahren kommen vermutlich von beiden Seiten, also symmetrisch. Demzufolge die asymmetrischen nur von einer. Und sind sie dann schlimmer? Kann eigentlich nicht sein…
Vielleicht werden wir klüger, wenn wir uns das Ganze mal im Zusammengang anschauen: „Gerade die Piraterie am Golf von Aden … führt deutlich vor Augen, welche asymmetrische Gefahren die Welt bedrohen.“ Es wird nicht klarer, denn jetzt müssen wir auch noch die Piraterie damit vermuddeln, die uns das alles vor Augen führt. Und auch noch deutlich. Tut mir leid, aber mir wird hier nichts deutlich. Und erst recht nicht vor Augen geführt.
Dabei schien ein paar Zeilen zuvor alles noch so einfach, denn „gegen den Einsatz … lassen sich im Grundsatz keine Argumente einwenden.“ Obwohl ich hier auch wieder meckern muss. Denn (mal abgesehen vom „im Grundsatz“:) wenn man Argumente hat, dann lassen sie sich auch einwenden. Nur wenn man keine hat, kann man nichts einwenden. Also ist es entweder so, dass sich nichts einwenden lässt oder aber, dass sich keine Argumente finden lassen.
Und all das „strapaziert das Selbstverständnis vieler Deutscher in schwer erträglicher Weise“. Das ist schlimm! Warum konnte es nicht in leicht erträglicher Weise strapaziert werden?

Auf der Wirtschaftsseite haben wir’s wieder mit den Schirmen: „Über 50 Milliarden in WestLB-Schirm“, heißt es in einer Headline. Ein völlig neuer Artikel in der Produktpalette, dieser WestLB-Schirm, weil hier sogar Milliarden hineinpassen! Andererseits scheint er nur eine Weiterentwicklung zu sein, denn er ist „der zweite Risikoschirm für die WestLB“. Und damit „ähnlich wie beim ersten Rettungsschirm“, wie wir ein paar Zeilen später erfahren.
Bin echt gespannt, welche Schirme im Rahmen der Finanzkrise noch erfunden werden. Bisher hatten wir zunächst den Sicherheitsschirm, aus dem wurde der Rettungsschirm (nebst Banken-Rettungsschirm und WestLB-Schirm), nun gibt es schon den Risikoschirm, nur die von mir vorgeschlagenen Panik– und Klimaschirme hat noch keiner erfunden.
Dafür erfährt man aber endlich, wozu diese Dinger gut sind: „So sagte Andreas Pinkwart (FDP), die Abschirmung dieser Papiere sei Sache des … Bundes“. Allerdings ging es bei dieser Äußerung darum, bestimmte Papiere abzusichern, abschirmen ist leider wieder etwas ganz anderes: Personen z.B. kann man abschirmen, damit keiner an sie herankommt. Wer wollte also Papiere abschirmen? (Außer einem Pinkwart, vielleicht.)

Jede Menge Schirme

„Neue Milliarden für WestLB-Risikoschirm“ verkündet eine Headline auf der Titelseite. Und im Wirtschaftsteil noch fetter: „Neuer Risikoschirm für WestLB“. In der Unterzeile wird er dann noch genauer beschrieben: „Der Chef der angeschlagenen Landesbank hält einen Risikoschirm II für alternativlos“. Auch im laufenden Text ist noch mehrfach vom „zweiten Risikoschirm“ die Rede. Das ist erstaunlich, denn ich kannte nicht mal den ersten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, was das jetzt wieder für ein merkwürdiges Teil sein soll: Ist es ein Schirm, bei dem ein Risiko besteht, ob er sich öffnet oder nicht? (Das kenne ich von meinem Automatik-Regenschirm, der öffnet sich manchmal und manchmal nicht, das ist in der Tat ein Risiko: Manchmal stehe ich im Regen.)
Allerdings sieht der WestLB-Chef darin „eine grundsätzliche Lösung … eines Konstruktionsfehlers des Rettungsschirms der Bundesregierung“. Schon jener ist ja nicht ganz einfach vorstellbar (ich habe mich bereits einige Male damit auseinander setzen müssen), und wie man da noch einen Konstruktionsfehler einbauen kann, bleibt unklar. Noch schwerer verständlich ist allerdings, wieso der Risikoschirm die grundsätzliche Lösung eines Fehlers darstellt (zumal Fehler nicht gelöst, sondern allenfalls berichtigt werden – sie sind da anders als Probleme, welche man durchaus lösen kann).
Wo war ich stehen geblieben? Ach, ja: „In dieser Situation versage der Rettungsschirm …“, er öffnet sich also nicht, und so steht man im Regen. Oder man fällt auf den Boden, wenn er doch eher so eine Art Fallschirm sein sollte. Insofern also ist der Rettungsschirm bereits ein Schirm mit einem enormen Risiko, wird aber dennoch durch einen Extra-Risikoschirm abgelöst.

Wenn dann allerdings im Interview auf der Folgeseite die Frage gestellt wird: „Hat der staatliche Banken-Rettungsschirm versagt?“ frage ich mich wirklich, wann die Inflation der Musspritzen denn mal ein Ende nimmt.

Verlorener Rufer hat ein Persilschein

Wie verliert man eigentlich einen Rufer? Ganz einfach: „… wer selbst auf die Absurdität hinwies … , war ein verlorener Rufer in der Wüste.“ Nun handelt die besagte Redensart zwar lediglich vom Rufer in der Wüste, aber seit wann muss sich eine Autor Deutschlands größter Regionalzeitung um solche Kleinigkeiten kümmern? Und wenn der Rufer allein nicht einsam genug ist, dann machen wir eben einen verlorenen daraus.

Im Artikel daneben setzt man sich großzügig über solche Kleinigkeiten wie Grammatik und Deklination hinweg: „… andererseits lehnen die Funktionäre, etwa der NPD, deren offenen Gewaltausbrüche ab.“
Und gegen Ende des Artikels steht der Satz: „Dies würde dann für die NPD ‚ein Persilschein‘ bedeuten.“ Ja, der Akkusativ ist eben nicht jedermanns Sache. Und so könnte es einen Anschein bedeuten, dass man bei der WAZ ebenfalls Probleme damit hat.

Gerüchte-Verteilung auf dem prominentesten roten Teppich

O Mann, ist das viel heute! Aber ich kann nichts dazu: Ich schreibe nur auf, was ich finde. Und das ist heute eben wieder eine ganze Menge:

Schon im Kommentar auf der Titelseite springt uns ein gleichermaßen unverständlicher wie bemerkenswerter Satz ins Auge: „Bei der Gerüchte-Verteilung spielt jeder sein eigenes Spiel, die gebotene Pflicht zur sofortigen Beweisführung gilt offenbar nicht mehr.“ Gerüchte-Verteilung! Was muss man sich darunter vorstellen? Eine Art Essensausgabe bei der Gerüchteküche? Heute werden hier 1a-Gerüchte verteilt! Aber nur, wenn wir dabei noch ein eigenes Spiel spielen dürfen! Und so gilt dann auch die gebotene Pflicht nicht mehr. Nur noch die ungebotene.

Im Artikel direkt daneben lesen wir, dass Betriebe, die Finanzinvestoren gehörten, „mangels Eigenkapital schnell in Zahlungsschwierigkeiten… “ gerieten. Wieder einmal wird der Dativ gerettet, wo er gar nicht hingehört. Aber es gibt ja immer eine Gelegenheit, ihm anzuwenden, manchmal auch mangels grammatikalischen Eigenkapitals. Oder wie die WAZ schreiben würde: „mangels grammatikalischem Eigenkapital“. Tut das weh!

Und die Schmerzen nehmen noch lange kein Ende. Im Kommentar auf Seite 2 z.B. „füllen so viele Vorschläge den öffentlichen Raum“, dass man sich fragt, wie der das aushalten soll. Zumal der öffentliche Raum der ebenerdige Teil einer Gemeindefläche ist, was schon im Artikel vom 12.12. schief gelaufen ist und weshalb an dieser Stelle die Frage erlaubt sein muss, ob wirklich jeglicher Unsinn, den ein WAZ-Autor schreibt, auch zwangsläufig von den anderen WAZ-Autoren abgeschrieben werden muss.

Da kann man nur hoffen, das das Folgende aus dem nebenstehenden Artikel keine Nachahmer findet: „Solch eine Gesprächsbitte über die Verwendung von Zuwendungen sei allerdings ungewöhnlich…“ Dies ist ein ganz besonderes Beispiel über den Gebrauch der Universalpräposition: Eine Bitte über– und sei es auch eine Gesprächsbitte – ist leider komplett unmöglich. Ein Gespräch über geht schon, aber was machen wir mit der Bitte, bitte?

Auf der Seite „Rhein-Ruhr“ finden wir auch wieder eine Menge schräger Formulierungen. Überhaupt ist die Serie „Spendenaktion für Bangladesh“ eine Fundgrube (ich habe schon mehrfach daraus zitiert). Es beginnt mit: „Wie sollten die einfachen Leute, in diesem Land am Golf von Bengalen, weit weg von Deutschland und Europa, fern von Bildung und überhaupt einer Idee von internationalen Beziehungen.“ Wie sollten die was?
Rätselhaft ist dann auch die Formulierung im nächsten Absatz, in dem von einem Besuch Christina Raus die Rede ist: „Und wenn die 52-Jährige, die selbst zwei Töchter und einen Sohn großgezogen hat, ein Kind auf den Arm nimmt oder in den Arm, dann, weil sie es meint. Und sie tut das oft.“ Was tut sie oft? Ein Kind auf den Arm nehmen? Oder oft etwas meinen?
Egal, denn sie „ist eine, die sich im Wohnheim der ungewollt schwangeren Mädchen zu den Müttern auf die Erde setzt und ihre Babys streichelt.“ Sind das die Mütter der Mädchen oder die der Babys?
Scheint nicht wichtig zu sein, „weil sich den Leuten das Gefühl vermittelt: Dieser fremden Frau kann ich vertrauen.“ Das wusste ich noch gar nicht: Ein Gefühl ist nichts, was man fühlt, nein, es vermittelt sich einem.

Auf der zweiten „Rhein-Ruhr“-Seite wird dann ein „Schlüsselwerk deutscher Literatur … aus der Taufe gehoben“, gemeint ist die Filmpremiere von Buddenbrooks. Und hier finden wir auch den „roten Teppich – übrigens einer der längsten und prominentesten, den Essen seit langem erlebte“. Wie erlebt man einen roten Teppich? Außerdem hab ich ihn mir angeschaut: Er war recht unscheinbar, und prominent waren allenfalls die Schauspieler, die darauf herum liefen…

Auf der Politik-Seite wird gefragt: „Kann Europa Wohltaten verteilen?“ Ich glaube nicht, denn Taten kann man eigentlich nur … äh… tun, wie sollte man sie verteilen?

Im Artikel darunter „… entwickelten sich nach der letzten Kommunalwahl 2004 Ratssitzungen zu Marathon-Veranstaltungen mit zweifelhaftem Wirkungsgrad, weil zehn Fraktionen, Gruppen und Einzelkämpfer um das Wort ringen.“ Das stelle ich mir schön vor, wie Fraktionen, Gruppen usw. mit zweifelhaften Wirkungsgrad, nach Worten ringend, auch noch mit einander ringen…

Auf der Kulturseite (ausgerechnet!) steht die Headline: „Maurice Jarre erhält Berliner Ehrenbär“, wären wir im zugehörigen Artikel erfahren, dass er „im kommenden Jahr mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet“ wird. Warum nicht gleich so?

Auf der „Welt“-Seite ist der „Terrorschreck mitten im Pariser Weihnachtstrubel…“, und da „Terror“ zu deutsch „Schrecken“ heißt, haben wir es also mit einem Schreckenschreck zu tun. Vielleicht ist das sowas wie der FIlmfilm von Sat1?

Einen (Artikel) hab ich noch: Auf der Seite „Hören und Sehen“ ist zunächst die Rede von einer Heilerin, die durch dörfliches Handauflegen mehr bewirkt als die Chemo…“, was ich hier mal unkommentiert stehen lassen will, und dann von „Menschen, die auch gern mal Elmar Gunsch als Weihnachtsmann sehen würden oder Iris Berben als Osterhase“, während ich sie viel lieber als Osterhasen gesehen hätte.
Und dann haben wir in dem Artikel noch eine Schlussbemerkung, die ich gar nicht verstehe: „Die Zeit sagt man, heilt alle Wunden. Die Heilerin, sagen wir, lässt einen sich wundern, wohin die GEZ zeitverbrennende Mittel fließen lässt.“ Um so etwas zu schreiben, muss man doch schon ein bisschen zeitverbrannt sein, oder?
Aber vielleicht reicht ja auch ein Terrorschreck aus, damit eine Gesprächsbitte über den Ehrenbär nach Worten ringt und sich mir das Gefühl vermittelt, bei der Gerüchte-Verteilung im öffentlichen Raum die gebotene Pflicht… äh… Tut mir leid, den Satz kriege ich nicht mehr zu Ende. Vielleicht sollte ich bei der WAZ anfangen.

Neuer Besen in alten Schläuchen mit Doppelname

Von gestern bis heute nix gelernt! War es gestern der Bär, ist es heute der Name. Fette Headline auf der Titelseite: „Nobody mit Doppelname„.

Die Rede war vom SPD-Kandidaten in Hessen, der mitsamt seinem Doppelnamen auf der „Politik-Extra“-Seite wie folgt charakterisiert wird: „in Gestalt eines neuen Besens, der ein altes Programm unter die Wähler zu kehren hatte, welche er durch eine Brille des Schreckens hindurch schräg anblinzelte“. Das mit der Brille des Schreckens kann man gerade noch durchgehen lassen, aber das mit dem Besen… Neue Besen kehren bekanntlich gut, so das Sprichwort, doch der Rest bleibt leider dem alten Wein vorbehalten, der normalerweise in neuen Schläuchen verkauft wird. Bin gespannt, wann ich etwas über einen Politiker lesen muss, der in Gestalt eines neuen Schlauches daherkommt, um den Wählern seinen Besen schmackhaft zu machen, während er den Wein des Schreckens durch seine Brille trinkt.

Viele Grüsse vom Bär

Na gut, mit dem „ß“ geht es in letzter Zeit etwas durcheinander. Viele glauben sogar, es sei komplett abgeschafft worden und man müsse es stets in „ss“ auflösen. Das stimmt aber nicht. Und im Grunde ist es sogar ganz einfach, seit der neuen Rechtschreibung: Wird der Vokal vor dem (früheren) „ß“ kurz gesprochen, so wird es durch „ss“ ersetzt, wird es lang (oder auch als Diphthong wie in „heißt“) ausgesprochen, bleibt es.
Preisfrage: Wie lang oder wie kurz spricht man „Grüße“ aus? Wenn es nach der WAZ geht, dann offensichtlich kurz. Im Artikel über den Mordversuch der Rechtsradikalen auf Seite 2 wird einer der Täter mit den Worten zitiert: „Viele Grüsse vom nationalen Widerstand…“ Um an dieser Stelle nicht falsch verstanden zu werden: Die „Grüße“ machen die Sache zwar besser lesbar, aber nicht besser.

Nicht besser sind übrigens auch die Formulierungen im Kommentar auf derselben Seite: „Als Bürger sollte man davon ausgehen dürfen, dass die Kommunikation zwischen den Welten Politik, Wirtschaft und Finanzen auf unterschiedlichen Fachebenen längst in eine Permanenzphase eingetreten ist.“ Eine Phase ist ein Abschnitt einer Entwicklung und als solche geradezu das Gegenteil von Permanenz, welche Dauerhaftigkeit bedeutet; es befindet sich etwas also entweder in einer Phase oder aber in Permanenz, und daher kann man als Bürger keinesfalls von Permanenzphasen ausgehen, auch nicht ausgehen dürfen.
Weiter geht’s: „Man kann zwar Medien vorwerfen, dass sie eine Erwartungshaltung sowie eine riskante Fallhöhe erzeugen, aber das weiß die Gastgeberin – und lädt trotzdem ein, eben weil sie mediale Präsenz erreichen möchte.“ Ich habe ja den Medien – und insbesondere der WAZ – schon eine Menge vorgeworfen, das mit der riskanten Fallhöhe jedoch noch nie. Gleichwohl würde mich brennend interessieren, wie die das hinkriegen sollten!

Auf der „Rhein-Ruhr“-Seite haben wir es mal wieder mit den Deklinationsproblemen der WAZ zu tun. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um „Nachrichten für Kinder“ handelt, die sollen es ja erst noch lernen und müssen dann so etwas lesen: „Dem kleinen Bär in Stuttgart geht es gut.“ Liebe Kinder, schreibt nicht alles nach, was Ihr in den Medien findet! Es heißt: „Dem kleinen Bären„!!! Also guckt lieber TV, bis Eure Augen viereckig werden, denn Lesen schadet der Grammatik!

Kein Grund zur Panikmache

„Es gibt aber keinen Grund zur Panikmache.“ Mit dieser beruhigenden Feststellung begrüßt uns die WAZ heute im Kommentar auf Seite 2. Für mich stellt sich allerdings sofort die Frage, was denn überhaupt ein Grund zur Panikmache ist, und ob denn nicht das Wesen der Panikmache daran besteht, Panik zu machen, auch wenn kein Grund zur Panik besteht.
Im übernächsten Absatz „könnte ein Aus von GM aber eine Pleitewelle ungeahnten Ausmaßes anstoßen“, was nicht so ganz einfach ist, da Wellen ausgelöst und beispielsweise (Domino-)Steine angestoßen werden.

Auf der Rhein-Ruhr-Seite werden hingegen „Neider in anderen Regionen Deutschlands geweckt“. Ich weiß nicht, ob und warum Neider in anderen Regionen Deutschlands schlafen, gehe aber davon aus, dass hier nur der Neid von bestimmten Personen geweckt oder aber Neider plötzlich aufgetaucht sind.

Drohungen im öffentlichen Raum und der Klimakredit

Was macht man mit einem Fazit? Man zieht es. Jedenfalls normalerweise. Nicht so bei der WAZ. Im Kommentar auf der Titelseite wird folgendermaßen damit umgegangen: „Die soziale Herkunft ist entscheidend, lautet das Fazit, das über all diese Pisa-Vera-Iglu-Studien gelegt werden kann.“ Von jetzt ab also wird ein Fazit nicht mehr gezogen, sondern drüber gelegt.

Und was machen wir mit Geschichten? Wir lesen sie oder lassen sie uns erzählen. Was machen Geschichten mit uns? Sie beeindrucken uns, lassen uns kalt, rühren uns an, ergreifen uns und dergleichen. Die WAZ findet im Kommentar eine ganz neue Variante: „In den Augen des Zuschauers wird das Schicksal Ewerts zur Geschichte. Die mag einen aus Betroffenheit angehen oder abstoßen.“ Das müsste ich eigentlich in meinen aktiven Sprachschatz übernehmen: „Ey, deine Geschichte geht mich jetzt echt an. Aus Betroffenheit oder so.“ Aber glücklicherweise geht mich das nichts an.
Um so mehr das Folgende: „Es laufen jeden Tag barbarischere Bilder im Fernsehen: Spektakulär inszenierte Tode in Spielfilmen, die zu Nachahmungen anregen könnten.“ Wer weiß, nachher werde ich noch von Toden zur Nachahmung angeregt. Oder von Spielfilmen.

Auf der Seite 2 spricht aber auch der Bundesumweltminister, und hoffentlich regt er nicht zur Nachahmung an: „Wer mit faulen Krediten handelt, verliert am Ende Billionen Euro und Dollar. Und der faulste Kredit, mit dem wir weltweit handeln, ist der Klimakredit.” Toll, Gabriel! Super den Bogen geschlagen von der Finanzkrise zum Klimawandel! Ich wüsste da noch ein paar schöne Wörter, die man zusammenpappen kann, um nichtvorhandene Zusammenhänge herzustellen: Wie wäre es denn mit „Finanzwandel“, „Krediterwärmung“, oder – ja, jetzt hab ich’s! – das wird Furore machen: Der Klimaschirm!

Wo wir gerade bei Politikern sind: Der Seehofer kann laut WAZ (Politik-Seite) auch was Tolles: „Danach stellte er die Drohung in den öffentlichen Raum…“ Das muss ihm erst mal einer nachmachen, denn der öffentliche Raum ist eine ziemlich klar definierte Gegend in Städten und Gemeinden. Da hinein Drohungen zu stellen, ist gar nicht so einfach. Aber vielleicht stellte er seine Drohungen auch einfach nur in den Raum, wie es die Redensart empfehlen würde, selbst dann, wenn er es öffentlich tat.
Doch Seehofer kann noch mehr: „Zeitgleich biss der CSU-Chef in einem Zeitungsinterview zu, in dem er die Kanzlerin zu einem größeren Konjunkturpaket zu nötigen suchte…“ Neben den vielen „zus“ interessiert mich dabei, ob er zubiss, indem er zu nötigen suchte, oder ob er in dem Interview zubiss.

Aber auch andere Politiker können was. Unser Ministerpräsident zum Beispiel: „Rüttgers könnte auch Bundeskanzler“, verrät uns eine fette Headline. Nach meinem Dafürhalten fehlt jetzt noch ein Verb. „Sein“ fiele mir da ein, oder auch „spielen“. Ja, selbst „beißen“ oder „anmalen“ würde ich billigend in Kauf nehmen, ginge doch bloß der Satz sinnvoll zu Ende. Aber nichts dergleichen. Selbst im laufenden Text gibt es keine Aufklärung: „Er könnte auch Bundespräsident oder Bundeskanzler.“ Ja, sagt man denn so was heutzutage? Dann könnte ich glatt Journalist!

Die Kanzlerin sägt an Klimazielen, die Gefährten sind nicht auszuweiden und der Rettungsschirm hält nicht, was man sich erwartet hat

Wahrhaft merkwürdige Dinge geschehen heute! Auf der Seite 2 bereits, in einer fetten Überschrift, „sägt die Kanzlerin an jenen Klimazielen…“ Nun kann man ja an vielem sägen, und in solchen Fällen zumeist an dem Ast, auf dem man sitzt, aber wie sägt man an Zielen?

Auch im nebenstehenden Kommentar gibt es wieder schräge Formulierungen. So „würde die Kanzlerin mindestens seltsam neutral auf Frauen wirken.“ Wie wirkt man neutral auf Frauen? Wie seltsam neutral? Und wie mindestens seltsam neutral? Und warum muss ich mir solche Fragen stellen?
Aber trösten wir uns: „Positionen werden nicht deshalb falsch, weil ihr Inhaber betroffen ist. Auch Westerwelles Position ist nicht deshalb falsch, weil er mit einem Mann zusammenlebt, sondern weil er vielleicht kein hervorragender Außenminister wäre.“ Also, meine Position ist nicht falsch, weil ich betroffen bin. Und ich bin ziemlich betroffen. Und Westerwelle hat auch Glück: Seine Position ist nur falsch, weil er vielleicht kein hervorragender Außenminister wäre. Wenn er einer wäre. Da er aber keiner ist, auch nicht vielleicht nicht hervorragend, ist jetzt seine Position …? Das ist mir zu kompliziert!
Vielleicht erfahren wir im nächsten Satz mehr. Tun wir nicht, denn der lautet: „Als Oppositionsführer profiliert Westerwelle sich derart scharf konturiert gegen die Große Koalition, dass man manchmal den Eindruck hat, er male im nächsten Moment die Innenwände des Bundestages schwarz und weiß an.“ Irgendwie leuchtet mir das nicht ein: Warum sollte er Wände anmalen, wenn er sich profiliert? Und warum im nächsten Moment? Zugegeben: Auf irgend eine Weise hat das mit dem scharf konturierten Profilieren etwas mit schwarz und weiß zu tun, aber was? Das erfahren wir nicht.
Stattdessen das Folgende: „Auch eine wertegebundene Außenpolitik kann nur dann funktionieren, wenn man Zugang zu den Ländern behält, denen man Werte vermitteln will.“ Was ist das für eine Politik, die da funktionieren soll? Ich hab im Duden nachgeschaut: „wertegebunden“ existiert nicht. Aber weil hier viel von „Werten“ die Rede ist, sollte man vermuten, es sei eine Politik, die sich bestimmten Werten verpflichtet fühlt.
Da sind dann die „mit Geld unterlegten Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei“ schon fast verständlicher.
Aber auch der amtierende Außenminister hat es nicht leicht: „Frank-Walter Steinmeier suchte das Gespräch über Tibet und Menschenrechte hinter verschlossenen Türen.“ Vielleicht hätte er es gefunden, wenn er es hinter offenen Türen oder geschlossenen Fenstern gesucht hätte.
Ein paar Zeilen später erfahren wir, was wichtiger ist als wichtig: „zwei weltwichtige Regierungen“.
Und am Ende es Kommentars erfahren wir endlich, warum Guido Wände anmalt: „Allerdings steht auch ein Oppositionsführer in der Pflicht, Bürgern graue Positionen dort zu erklären, wo Schwarz und Weiß eine gefährliche Illusion sind.“ Das neue Rätsel ist jetzt nur, was graue Positionen sind.

Kommen wir zur „Rhein-Ruhr“-Seite und damit zum „Rinnstein der Gesellschaft“, wie uns die Headline in mindestens 60 Punkt verkündet. Was das allerdings sein soll, erfahren wir nicht, stattdessen ist im Artikel von den „Absteigen im Rinnstein der Haupstadt„, was aber auch nicht verständlicher ist, zumal es wenigstens die Hauptstadt sein sollte. Wo und inwiefern man dort im Rinnstein Absteigen findet, wird leider nicht weiter ausgeführt, sondern das Folgende: „wo die wohnen, die noch ärmer sind als die Armen und noch ärmer dran.“
Um so etwas zu schreiben, muss man ja total arm dran sein, sozusagen Arm ab (haha!).
Es geht aber noch schlimmer weiter: „Das hier sei ’schlimmer als alles‘, hieß es eben noch, aber was ist nun schlimmer: eine armselige Hütte oder gar keine?“ Ich glaube, am schlimmsten ist dieser Sprachstil, der Sprache zerhackt, zerstückelt und dann die Einzelteile zu neuen Sprachgebilden recycelt.
Und nun folgen Zeilen sinnfreien Gefasels, und ich kann nun wirklich nicht mehr auf alles eingehen: „Die Straßen der Städte sind verstopft, die Flüsse nicht minder, beide mit Gefährten, die nicht einmal mehr auszuweiden wären auf dem Schrott, und dann: überall Leute, überall Lärm. Schon jetzt beschäftigen sich die Gerichte zu 80 Prozent mit Streitigkeiten um Grund und Boden. Um Grund, der feucht ist, salzig und wenig Ernte bringt. Um ein Stück trockenen Lehms oder eine Pfütze, über denen der saure Geruch verrottenden Abfalls liegt. Über Flecken wie dem, auf dem Parveen wohnt, die Feuerholz verkauft, Ashma, die 17-Jährige, die ihrem Vater hilft, einem Scherenmacher, und Piyara, die stolz ist auf ihr ‚Transportunternehmen‘: Sie besitzt einen brüchigen Handkarren.“ Entschuldigung, hier stimmt einfach nichts mehr: Weder die Semantik, noch der Satzbau, noch die Aussage; hier geht alles komplett schief.
Ich würde mich jetzt noch gern über die Gefährten aufregen, die nicht auszuweiden wären, aber eigentlich bin ich nur noch müde…
Aber es gibt noch mehr Unsinn: „Sie geben sich gegenseitig winzige Kredite, für Mehl, um daraus Kuchen zu verkaufen…“ Aus Mehl Kuchen verkaufen!
Und dann wieder zeilenweise Gefasel: „Gerade sitzen die Frauen wieder zusammen und diskutieren: ‚Unsere Brüder haben immer das bessere Essen gekriegt.‘ – ‚Mädchen bringen einer Familie nichts ein.‘ Es ist viel, dass sie das sagen können: Vor wenigen Monaten noch hätten sie es nicht einmal zu denken gewusst. Und jetzt erleben sie, dass die paar gesparten Taka, über die sie penibel Buch führen in rosa Kassenheftchen, die Familie ernähren.“ Das ist doch kein Deutsch, das ist schlicht unerträglich! Und das Schlimmste: Bei der WAZ scheint man zu glauben, dass man so eine Reportage schreiben muss! (Egon Erwin würde sich im Grabe umdrehen!)

Und nun muss ich mich auch noch mit dem Rettungsschirm beschäftigen. Den finden wir heute mal wieder auf der Wirtschafts-Seite. „Rettet den Rettungsschirm“, heißt da die Headline über dem Kommentar, und ich vermag mich dieser Forderung ganz und gar nicht anzuschließen. Denn eigentlich gibt es dieses Ding gar nicht. Der Duden zumindest kennt es nicht und ich wüsste auch nicht, jemals so etwas gesehen zu haben. Es tritt ja auch erst seit der Finanzkrise auf, und seitdem vermehrt. Allerdings gab es ursprünglich einen Schutzschirm und ein Rettungspaket – und ich vermute, dass irgendein aufgeregter Reporter daraus einen Rettungsschirm gebastelt hat. Nur: Warum alle das ohne Überlegung nachplappern, ist mir unerklärlich. Nun gut, die WAZ ist halt für jeden Blödsinn zu haben, selbst für die folgende Aussage: „Ganz offensichtlich hält das vor sechs Wochen allseits gefeierte Rettungspaket nicht, was man sich erwartet hat.“ Vielleicht wollte der Autor ursprünglich schreiben: „… was man sich darunter vorgestellt hat“ und ist im letzten Moment auf „erwartet“ umgestiegen, wir werden es nie erfahren…

Zum Abschluss noch ein paar Politiker-Zitate von der Politik-Seite, um die WAZ-Autoren ein bisschen zu entlasten. Alle drei aus einem Artikel. Zuerst die SPD. Sie spricht von einer „faustdicken Panne“, während man höchstens die faustdicke Lüge kennt. Sodann die Grünen, die nicht verstehen, „dass ein Richter keine Klarheit über Fristen hat“. Ich verstehe daran vor allem den Gebrauch der Präposition „über“ und die merkwürdige Satzkonstruktion nicht. Und schließlich die CDU, bzw. ihre Justizministerin, die meint, es sei nichts passiert, „was auch nur entfernt an einen Skandal erinnern könnte“. An welchen Skandal sollen wir uns da erinnern?
Solange die Politiker soviel Unsinn reden, muss man bei der WAZ nicht fürchten, dass „Deutsch als Sprache“ ins Grundgesetz geschrieben werden kann.

Die Kanzerlin klettert aus dem Wrack, der Staat nimmt Schulden auf und überall kommt noch eine Dunkelzifferhinzu

Es scheint eine neue Funktion in unserem Staat zu geben, denn im Seite-1-Kommentar steht: „Da rauscht die Große Koalition in Sachen Pendlerpauschale mit Ansage und Vollgas gegen die Wand, woraufhin die Kanzerlin fidel aus dem Wrack klettert und das Konjunkturprogramm beklatscht, welches die Reparatur auslösen könnte.“ Warum auch nicht? Wir hatten einen Kanzler, jetzt haben wir halt die Kanzerlin. Welche aus einem Wrack klettert. Dabei beklatscht sie ein Konjunkturprogramm. Soweit, so unverständlich. Aber wie löst ein Programm eine Reparatur aus? Und was eigentlich wird da repariert? Die Koalition? Das Wrack? Kann man Wracks überhaupt reparieren?
Die Frage muss offen bleiben, es gibt Schlimmeres: „Jetzt so zu tun, als sei kein Schaden entstanden, ist nicht nur gegenüber den Steuerbürgern eine Frechheit, denen zeitweise Geld zu unrecht entzogen worden ist.“ Zumal es Steuerbürger gar nicht gibt, und wenn es sie gäbe, wäre ihnen das Geld zu Unrecht entzogen worden.

Vielleicht muss der Bund auch deshalb „neue Schulden aufnehmen“, wie man in der nebenstehenden Headline lesen kann. Ich nehme allerdings eher an, dass der Bund neue Schulden macht, indem er Kredite aufnimmt, aber mich fragt ja keiner …

Dafür erfahren wir auf der Rhein-Ruhr-Seite (im Artikel über Waffen und Waffenbesitzer) mal echt Überraschendes: „Auch das weit verbreitete Altern spielt eine Rolle“. Wer hätte das gedacht! Altern ist weit verbreitet!
Und der Artikel endet mit ähnlich überraschenden Erkenntnissen: „Allein in Essen sind 9000 Waffen registriert. Falls sie das für viel halten: In Duisburg sind es mehr als 23 000. Überall kommt noch eine Dunkelzifferhinzu, die man aber überhaupt nicht abschätzen kann, sonst wäre sie ja keine Dunkelziffer.“ Neben der Kleinschreibung der Anrede und der kreativen Zusammenschreibung von „Dunkelziffer“ und „hinzu“ besticht hier die klare Analyse und die scharfsinnige Beweisführung: Eine Dunkelziffer ist deswegen eine Dunkelziffer, weil man sie nicht abschätzen kann, sonst wäre sie keine. Grandios!

Nach Gutsherrenart auf den Boden des Alltags steigen

Es könnte glatt ein doppelter WAZberger sein, ist aber nur ein Zitat. Der Bochumer Staatsanwalt äußert sich über einen Angeklagten auf der „Rhein-Ruhr“-Seite wie folgt: „Er hat an einem System mitgewirkt, in dem öffentliche Fördergelder nach Gutsherrenart zweckentfremdet wurden.“ Warum nur müssen immer zwei Dinge gleichzeitig ausgesagt werden? Haben wir denn alle keine Zeit mehr, eines nach dem anderen von uns zu geben? Im konkreten Fall: Er hat Geld nach Gutsherrenart verteilt (was bedeutet, dass er große Summen mit herablassender Großzügigkeit unter die Leute gebracht hat). Und er hat Fördergelder zweckentfremdet. Aber er hat sie eben nicht nach Gutsherrenart zweckentfremdet, weil man Gutsherren zwar viel nachsagen kann, nicht jedoch, das einer je öffentliche Gelder zweckentfremdet hätte.

Nun gut, das war nur ein Staatsanwalt, kein Sprach-Profi, wie es WAZ-Redakteure sein sollten. Und was schreiben die? Z.B. auf der Politik-Seite Folgendes: „Politiker können ein verbales Duell an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten austragen. In Stuttgart hielt Kanzlerin Angela Merkel vor einer Woche eine Rede auf dem CDU-Parteitag. In Berlin fordert Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sie am Montag beim Europa-Parteitag der SPD heraus. Nachträglich. Das verschafft ihm einen Vorteil bei der Zielgenauigkeit, weshalb er im direkten Vergleich der beiden Montagsreden besser abschneidet.“ Mal ehrlich: Ist das besser? Versteht man das? Natürlich können Politiker ein verbales Duell wann-und-wo-auch-immer austragen. Gemeint war aber, dass sie dazu nicht zur selben Zeit am selben Ort sein müssen. Aber auch diese Aussage ist eher trivial. Und was dann kommt, ist einfach nur noch schräg: Der Kanzlerkandidat fordert die Kanzlerin heraus. Und zwar nachträglich, wie es nachgeklappt daherkommt, was ihm einen Vorteil bei der Zielgenauigkeit verschafft. Hä? Und deshalb schneidet er beim direkten Vergleich besser ab. Doppel-Hä. Das ist einfach nur unverständlich.
Und im weiteren Verlauf des Artikels wird es auch nicht besser, denn: „Allmählich heiser werdend steigt der einst von vielen als Bürokrat empfundene Steinmeier auf den Boden des Alltags, auf dem er sein persönliches Konjunkturpaket II vorstellt…“ Er steigt also auf den Boden, das ist ähnlich, als wolle er ein Tal erklimmen (hatten wir kürzlich), aber nicht auf irgendeinen, sondern auf den des Alltags, um ein Paket vorzustellen und wird dabei heiser. Das ist logisch: Ich werde auch allmählich heiser, wenn ich auf irgendeinen Boden hinaufsteige. Und sei es der des Alltags.

Wer wem was lernt

Tja, mit Singular und Plural kann man schon mal durcheinander geraten. So steht heute auf der Seite 2: „Die Strom- und Wasserversorgung in dem einst blühenden afrikanischen Staat sind zusammengebrochen…“ Zugegeben: Es sind zwei Elemente, deren Versorgung zusammengebrochen ist. Trotzdem sind es keine Versorgungen, sondern es bleibt bei einer einzigen Versorgung, und weil es nur eine ist, steht diese im Singular.
Zwei Absätze weiter folgt eine grammatikalische Konstruktion, die immer wieder gerne genommen wird: „Man braucht keine Kampfjets, um dem simbabwischen Präsidenten das Fürchten zu lehren…“ Wat lernt uns dat? Also:Mir lehrt es das Fürchten vor dem Dativ in WAZ-Artikeln.

Der Forellen-Tartar

Schon auf der Titelseite „zeichnet sich ein neues mögliches Erregungsthema ab“, und wenn man im Kommentar noch ein paar Zeilen weiterliest, dann erfährt man, dass der VRR „seine Geschäftsbeziehungen mit der DB Regio … drastisch gekürzt hatte…“ Dennoch bleibt eine Frage offen: Wie kürzt man eigentlich Beziehungen?

Auf der Kulturseite erleben wir „die Geschichte eines Verfalls“, womit die Buddenbrooks-Verfilmung gemeint ist und nicht die deutsche Sprache, auch wenn man beim Lesen der WAZ genau auf diese Idee kommen könnte. Denn „plötzlich fällt ein Schaffen auf diese Routine.“
Und noch bevor wir uns von diesem ungewöhnlichen Ereignis erholt haben, müssen wir lesen, dass die Filmemacher nicht versucht haben, „die über vier Erzähl-Jahrzehnte spannende Handlung …auch nur halbwegs vollständig widerzugeben.“ Das könnte ich widerlegen, muss mich aber darauf beschränken, die über mehrere Seiten scheiternde WAZ-Sprache halbwegs unvollständig wieder zu geben.
Und abgesehen davon verwirrt mich ein Geschichtsdatum, das ich ein paar Zeilen weiter lesen muss: „die Revolution von 1948″. Nicht nur, dass dadurch die spannende Handlung auf etwa 140 Jahre ausgedehnt wird; ich wusste auch bisher nichts von der 1948er Revolution in Deutschland, oder sollte ich im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst haben?

Auch die „Fernsehen am Samstag“-Seite überrascht mit ungewohnten Einsichten: „Eher möchte man sich die gertige Brünette als Loreley denken.“ Mal abgesehen davon, dass die Loreley die berühmteste Blondine Deutschlands ist – was, bitteschön, ist gertig?
Und da macht uns auch der nächste Satz nicht schlauer: „Geschaffen, die Männer mit den weißen Schürzen zu verwirren und erst recht Hobbyköche an den Felsen gehobener Kulinarik kentern zu lassen, bis sie den Löffel abgeben.“ Da frage ich mich, wann denn hier die Männer mit den weißen Jacken kommen, um Hobbyschreibern, die an den Felsen gehobener Sprachakrobatik gescheitert sind, die Tropfen in die Krone zu schlagen.

Das Highlight der heutigen Ausgabe finden wir allerdings im Lokalteil Essen. Und es geht sogar um Essen. In einer Bildunterschrift steht: „Der Tartar von Forelle und Lachs wird in Form gebracht.“ Der Tatar ist Angehöriger der wilden Horde Dschingis Khans, und er schreibt sich ohne „r“ in der ersten Silbe, schließlich heißt ja auch Banane und Barnarne. Der jedoch wurde mitnichten in Form gebracht, sondern das Tatar, was wiederum gehacktes Fleisch oder in dem Falle gehackter Fisch ist.
Aber vermutlich ist hier auch wieder nur ein Felsen gehobener Kulinarik im Weg gewesen…