WAZblog Waz man seinen Lesern eigentlich nicht zumuten sollte …

29. November 2008

Der vor seinem Chef eigentliche Arbeiterführer und die Treiberin

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:37

Eine schöne Wortkombination hat sich der Chefredakteur heute für den Kommentar auf Seite 2 ausgedacht und damit die Kategorie „Arbeiterführer“ um eine weitere Sparte bereichert: „Und ganz bestimmt werden nicht alle in der Union jubeln über Laumann, den noch vor seinem Chef Jürgen Rüttgers eigentlichen Arbeiterführer…“ Demnach gibt es also Arbeiterführer, eigentliche Arbeiterführer und dann auch noch vor jemandem eigentliche Arbeiterführer. Vielleicht finden wir dann morgen den neben dem noch vor jemandem eigentlichen Arbeiterführer und übermorgen den über dem neben dem noch vor jemandem eigentlichen Arbeiterführer.
Im letzten Absatz eine weitere interessante Formulierung: „Angela Merkel wirkt in diesen Tagen nicht wie eine Treiberin, sondern wie eine Getriebene.“ Was ist eine Treiberin oder ein Treiber? (Bleiben wir mal, um die Dinge nicht noch mehr zu verkomplizieren, bei der männlichen Form:) Einen Treiber kennt man z.B. von der Jagd. Da scheucht er das Wild auf, welches der Jäger dann abschießt. Eine modernere Bedeutung des Wortes hat mit der Computerwelt zu tun: Hier ist ein Treiber ein kleines Programm, das ein Peripherie-Gerät (z.B. den Drucker) für den Rechner „ansprechbar“ macht. Beides kann hier nicht gemeint sein. Was ist hingegen eine Getriebene oder ein Getriebener? Das ist jemand, der von einer Aufgabe oder Idee beseelt oder mehr noch: geradezu besessen ist. Ich z.B. bin ein Getriebener, was die Verteidigung der deutschen Sprache angeht. Und daher würde ich solche Autoren gerne vertreiben oder sie zumindest antreiben, damit sie besser schreiben lernen. Darum bin ich aber noch lange kein Treiber!

28. November 2008

Während man sich mit Schnellbooten anschleicht, haben Wurzeln Fuß gefasst (oder so)

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:24

Schleicherei ohne Ende! Sind wir gestern noch schleichend gelaufen, verlegen wir heute unsere entsprechenden Aktivitäten auf das Meer: „Inzwischen scheint aber klar, dass die Terroristen sich im Schutz der Nacht mit Schnellbooten angeschlichen haben.“ (Kommentar Seite 2). Vermutlich haben sie die Boote auf dem Rücken getragen, als sie sich angeschlichen haben, oder wie soll man sich das vorstellen?
Doch schon vor den schleichenden Schnellbooten geschieht Wundersames, denn „diese Gewalttaten haben die politischen Landschaft der größten Demokratie der Welt umgekrempelt„. Das würde ich zu gern einmal sehen, wie eine Landschaft umgekrempelt wird (allerdings: nachdem letzte Woche Arme aufgekrempelt wurden, warum eine Landschaft nicht um?)
Das alles war noch relativ harmlos und man könnte es als Ausrutscher eines gestressten Redakteurs abtun. Nun aber gerät der Artikel mehr und mehr aus der Kurve und ich frage mich, wie viel Alkohol ein durchschnittlicher WAZ-Kommentator so zu sich nimmt, während er einen solchen Artikel verfasst:
„Die hindunationalistische Bharatiya Janata Party will Sicherheitsprobleme und Terrorismus zum zentralen Punkt ihrer Kritik an der Kongress-Regierung machen – frei nach dem Motto: Nicht alle Moslems sind Terroristen, aber alle Terroristen sind Moslems.“ Das ist schon reichlich schwer verständlich, der Anschluss hingegen ist dann gar nicht mehr zu verstehen: „Die Geschichte Indiens beweist das Gegenteil.“ Das Gegenteil? Das hieße dann etwa so: Nicht alle Terroristen sind Moslems, aber alle Moslems sind Terroristen.
Der folgende Satz macht das Ganze nicht besser: „Dennoch“ (Wieso dennoch?) „wird die blutige Attacke von Bombay das ohnehin spröde Geflecht der Gesellschaft zum Zerreißen spannen.
Warum musste es jetzt ausgerechnet ein sprödes Geflecht sein? Spröde bedeutet nämlich soviel wie „unbiegsam, brüchig, unelastisch, zerbrechlich“, was erstens für ein Geflecht und zweitens zum Spannen außerordentlich ungeeignet sein dürfte. Aber auch sonst fällt es schwer, diesem Satz überhaupt irgendeinen Sinn abzugewinnen. Übrigens genauso wie dem nächsten, der offenbar als Erläuterung gedacht war, diesem Zweck aber leider nicht nahe kommt: „Das Land hat sich längst in eine nationalistisch gesinnte hinduistische Mittelklasse und Unterklasse auf der einen Seite und Minderheiten auf der anderen Seite gespalten.“ Auf der einen Seite haben wir also zwei Klassen, auf der anderen Minderheiten. Und alles zusammen bildet ein sprödes Geflecht, das zum Zerreißen gespannt ist, oder wie? Ich frag ja nur…
„Die Moslems“, erfahren wir weiter, „rund 130 Millionen von eine Milliarde Einwohner…“ sind aber 130 Millionen von einer Milliarde Einwohner, wenn wir es mit dem Dativ ein bisschen genauer nehmen wollen.
Und nun folgt der Satz, der meinen Verdacht erhärtet hat, dass manche Artikel unter Alkoholeinfluss geschrieben werden: „Es war deshalb wie ein Schock, als während des vergangenen Jahres deutlich wurde, dass der Extremismus längst Wurzeln in den eigenen Megametropolen Fuß gefasst hatte.“ Also: Wer hat da jetzt Fuß gefasst, die Wurzeln oder der Extremismus? Oder hat der Extremismus Wurzeln gefasst?
Jetzt könnten wir es mit diesem Kommentar gut sein lassen, leider gibt es in der Online-Ausgabe dann noch einen Aufmerksamkeit erheischenden Satz: „Der indischen Marine, die vor Somalia einen von Piraten gekaperten thailändischen Fischkutter mit Mann und Geiseln versenkte und sich nicht einmal die Mühe gab, nach Überlebenden zu suchen, erwartet schon gar nicht, dass sie zu allem entschlossene Terroristen in kleinen, schnellen Booten aufspüren kann.“ Wenn man den Satz auf das Wesentliche reduziert, steht da: „Der indischen Marine erwartet schon gar nicht, dass sie Terroristen in kleinen, schnellen Booten aufspüren kann.“ Hauchen Sie mich mal an, Herr Kommentator!

27. November 2008

Schleichend läuft der Frosch auf der Herdplatte

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:18

Konnten wir uns gestern noch über die Höhe einer Senkung wundern, so müssen wir heute ähnlich Widersprüchliches zur Kenntnis nehmen. Denn im Kommentar auf der Seite 2 „läuft die Krise jetzt schleichend durch die Realwirtschaft.“ Wie muss man sich das vorstellen? Läuft sie oder schleicht sie? Ich find’s schon komisch, mir eine durch die Realwirtschaft schleichende Krise vorzustellen, aber diese hier läuft auch noch beim Schleichen … oder schleicht beim Laufen.
Zwei Absätze davor wird es auch noch richtig gefährlich, „wenn Tag für Tag neue Krisen-Meldungen einschlagen“.
Ja, und dann der Frosch. Eigentlich ein witziges Bild: „Die Politik reagiert wie der Frosch auf der heißen Herdplatte.“ Jetzt denkt man, der hüpft herum. Tut er aber gar nicht: „Beim langsamen Erhitzen bleibt er sitzen, wirft man ihn in heißes Wasser, springt er heraus.“ Aber warum erhitzt man eine heiße Herdplatte, auf der ein Frosch sitzt, und wirft ihn dann in heißes Wasser? Und was hat das mit der Politik zu tun? Ich vermute, man wollte uns Folgendes sagen: Wenn man einen Frosch auf eine (zunächst kalte) Herdplatte setzt und diese dann langsam erhitzt, dann bleibt er sitzen, weil er die zunehmende Hitze nicht bemerkt. Wenn man ihn aber direkt auf eine heiße Platte setzt, springt er weg. Oder auch so, wenn einem das Wasser lieber ist: Werfen wir einen Frosch in kaltes Wasser und erhitzen es langsam, bleibt er drin. Werfen wir ihn direkt in heißes Wasser, springt er heraus. Und die Politiker verhalten sich ähnlich, weil sie sich nur dann bewegen, wenn plötzlich etwas Schlimmes passiert. War das jetzt so schwer? Musste man dazu den armen Frosch erst auf die heiße Platte setzen, diese dann noch erhitzen und ihn anschließend in heißes Wasser werfen, nur, um so ein völlig unbrauchbares Bild zu produzieren?

26. November 2008

Die Höhe der Senkung leidet Schaden

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:46

Wie hoch ist eigentlich eine Senkung? Gute Frage, nicht wahr? Die WAZ beantwortet sie heute auf der Titelseite mal wieder auf eigene Weise: „Zur Höhe der Preissenkung sagte Reutersberg nichts …“ Mein Freund Wilfried sagte heute dazu: „Dann lass uns doch mal das Tal erklimmen oder zum Gipfel hinabsteigen!“ Recht hat er!

Auf der Seite 2 wird gelitten. Für mich eigentlich nichts Neues, denn das tu ich ja schon sowieso schon, wenn ich das alles lese … Heute haben wir es aber mit besonderem Leiden zu tun: „Die SPD leidet Schaden, weil …“ Und dann folgt es Schlag auf Schlag, Leiden auf Leiden: „Franz Müntefering leidet Schaden …“, „Wolfgang Clement leidet Schaden …“, „Darum erleidet am meisten Schaden die Richtung, für die Clement steht“ und schließlich: „Darum leidet die SPD insgesamt Schaden.“ Nun kann man an etwas leiden (Krankheiten zum Beispiel) und auch unter etwas (Wirtschaftskrise, die wird ja gerade jetzt immer wieder gern genommen). Aber kann man Schaden leiden? Also: ich kann ihn gar nicht leiden. Vor allem aber nicht diesen merkwürdigen Gebrauch des Wortes „leiden“ durch den Chefredakteur. Und komischerweise schreibt er ja auch ein einziges Mal und richtigerweise: „darum erleidet am meisten Schaden …“ Das hätte ihm eigentlich zu denken geben müssen. Hat es aber nicht, darum leidet hier die deutsche Sprache – und vielleicht erleidet sie sogar Schaden.

Auf derselben Seite gibt es dann – im Interview mit Dortmunds Ex-OB – einen heutzutage leider sehr üblichen, aber nichtsdestotrotz falschen Konjunktiv: „Ich würde mich freuen, wenn er es sich noch einmal überlegt„. Nun gut, das war gesprochene Sprache und die hält sich nicht immer sklavisch an die Grammatik, trotzdem tut das in meinen Ohren weh und ich würde mich viel mehr freuen, wenn er es sich überlegte, oder zumindest überlegen würde. Und ich würde mich noch mehr freuen, wenn man den Konjunktiv nicht so oft unter den Tisch fallen ließe oder manchmal sogar gänzlich vergäße, sondern ihm hin und wieder eine Chance gäbe.

25. November 2008

Die Fortsetzung der fortführenden Tortur kann einem teuer zu stehen kommen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:47

Tja, die Pleonasmen! Wie sollte man je ohne sie redundante Informationen vermitteln? Wie die schöne Neuigkeit verbreiten, dass etwas neu renoviert oder eröffnet sei? Oder wie könnte die WAZ sonst im heutigen Titelseitenkommentar formulieren: „… und doch bedeutet die Freilassung für diese Hinterbliebenen die Fortsetzung einer fortwährenden Tortur“?

Auf der „Rhein-Ruhr“-Seite „brodelt die Gerüchteküche“ laut der fetten Headline, obwohl keine Küche brodeln kann, sondern es höchstens in ihr, aber da bei uns ja auch der Pott kocht – was er auch nicht kann, sondern nur sein Inhalt – wollen wir einmal darüber hinwegbrodeln.

Die Politik-Seite hält ebenfalls interessante Aspekte für uns bereit: „Jeder kenne in der Familie und im Freundeskreis Menschen, die aus ihrem sozialen Netz gefallen seien“. Tut mir leid, ab ich kenne keine Menschen, denen dergleichen passiert ist. Wohl aber viele, die durch das soziale Netz gefallen sind, und das ist schlimm genug! (nebenbei: ich bin fast froh, dass sie nicht aus dem sozialen Nest gefallen sind, das hätte ja nahe gelegen!)

Die Wirtschaftsseite hat dann auch noch schlimme Nachrichten für uns: „Angst vor weiteren Bankbilanzbomben …“ Welche Bomben? Was ist das denn? Noch gar nix gegen die im Artikel folgende Sprachbombe: „Der Citigroup kommt die Rettung jedoch teuer zu stehen“. Wem kommt was teuer zu stehen? Na klar! Die Citigroup! Oder warum nicht so: Der Citigroup ihre Rettung kommt ihr teuer zu stehen.

22. November 2008

Die Arme aufkrempeln

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:23

Heute habe ich Geburtstag, und die WAZ beschenkt mich mit derartig vielen sprachlichen Ausrutschern, dass ich kaum nachkomme…

Beginnen wir auf der Titelseite. Neben einigermaßen harmlosen Sachen wie: „der Sturm schaukelte den liegenden Anhänger so weit auf, dass es schien, er würde von der Brücke geschoben“, oder „… in Ruhrgebietsstädten mussten Weihnachstmärkte schließen, weil der Wind die Buden zerzauste“, finden wir im Kommentar eine Aussage, die als eine Art sprachlicher Spätzünder daherkommt. Das sind Formulierungen, deren tieferer Nicht-Sinn (oder Unsinn) sich erst nach zwei- oder dreimaligem Lesen erschließt, weil sie so haarscharf daneben sind, dass man sie beim ersten Lesen für richtig halten könnte: „Häme ist hier nicht am Platz“, ist der Kommentar überschrieben und im Text steht es dann ein bisschen verschärft noch einmal: „Häme ist hier aber nicht am Platz“.
Moment, was ist mit der Häme? Irgendwas stimmt doch hier nicht. Wieso ist die Häme nicht am Platz? Wo ist sie dann? Grübel, grübel. Aber es gibt doch eine Redensart mit „Platz“! Genau: „Häme wäre hier fehl am Platz“. Nur: Knapp vorbei ist auch daneben!
Und zwar mindestens genauso wie die Formulierung ein paar Zeilen zuvor: „Aber die Katastrophe ist handgestrickt.“ Als handgestrickt bezeichnet man mehr oder weniger schlecht gelungene Arbeiten, eine Katastrophe zählt selten dazu. Gemeint war hier wohl auch eher, dass das Trauerspiel in Essen hausgemacht war … Aber Stricken ist doch auch eine Handarbeit, also hausgestrickt hin und handgemacht her, da sind wir bei Deutschlands größter Regionalzeitung nicht kleinlich!

Und das sind wir auch nicht auf der „Welt“-Seite. Denn hier, im Artikel über Susanne Klatten, geht es um „die zentrale Frage jeglicher Zwischenmenschlichkeit„. Eine Formulierung von wahrhafter Größe!

Dahinter kann sich die Kulturseite nur verstecken: „Er hat sich auch bei wichtigen Förderern aus der Wirtschaft (…) für das Vorgehen der Stadt entschuldigte.“ Also damit kann man nun wirklich keine Furore machen und auch nicht hiermit: „Besonders im Blick auf den neuen Intendanten streckte Kaufmann die Hand aus“. Wie kommt er nun in den Blick auf den neuen Intendanten rein? Vielleicht war ja auch mit Blick auf jenen gemeint.
Mit Blicken klappt’s in dem Artikel eh nicht besonders gut: „Man wolle gemeinsam in die Zukunft blicken„. Mit einer Kristallkugel vielleicht? Ich vermute, sie wollen gemeinsam nach vorn schauen, aber sicher kann man sich da natürlich nicht sein, zumal „die unangenehme Rolle des neuen TuP-Geschäftsführers … von der Stadt bisher nicht kommentiert wurde.“ Der hat vielleicht eine undurchsichtige Rolle gespielt, wie unangenehm er auch immer aufgefallen ist.

Die schönsten Sachen stehen heute aber ohne Zweifel im Essener Lokalteil. Das beginnt noch recht zurückhaltend mit einem zurück gehaltenen Wort: „Als die beiden Frauen die Wohnung des betraten, …“ Wessen Wohnung auch immer.

Ähnlich zurückhaltend dann der Artikel über die Zeche Carl: „Damit meint er die zuletzt so verkrusteten Strukturen des soziokulturellen Zentrums, das sich zuerst als unregierbar und zuletzt als unbezahlbar erwiesen.“ Punkt.
Leider wird nun aber die Zurückhaltung aufgegeben zugunsten einer missglückten Metapher: „Der ‚Kümmerer‘ lässt beim Gang von Bord ein Schiff in deutlich ruhigerem Fahrwasser zurück als beim Dienstantritt im September.“ Das ist aber auch vertrackt mit diesem unruhigen Gewässer, das aber nichts mit einem Fahrwasser zu tun hat, in dem man sich befindet, wenn man jemandem kritiklos folgt.
Und danach wird es noch schlimmer, denn „die Lotsen … haben das Schiff über Wasser gehalten“. Vermutlich über dem Fahrwasser.
Und damit in dem vielen Wasser niemand ertrinkt, wird im zugehörigen Kommentar mit einem „kleinen Team“ gearbeitet, „um gruppendynamische Prozesse im Ansatz zu ersticken“. Leider wird das nicht funktionieren, da in einer Gruppe immer entsprechende Prozesse stattfinden, ob man sie nun im Ansatz ersticken oder im Fahrwasser ertränken will.

Das kann dem Vorstandsvorsitzenden der Essener Nationalbank nicht passieren. „In die Stimmung mischt sich immer Mehltau“, zitiert ihn die WAZ an prominenter Stelle, direkt unter der Headline. Ohne uns allerdings zu sagen, was damit gemeint ist und auch ohne diese Äußerung im eigentlichen Artikel wieder aufzunehmen. So werden wir wohl nie erfahren, wie und warum sich Mehltau (übrigens eine durch Pilze verursachte Pflanzenkrankheit) in eine Stimmung mischen kann, und dazu auch noch immer.

Den Vogel abgeschossen hat aber heute „Lupus“ (das ist eine Art feststehender Kommentar im Lokalteil), der unter der Überschrift „Schlappe für die Kulturpolitik“ fordert: „Nun müssen aber die Arme aufgekrempelt werden, denn in einem Jahr ist 2010.“
Da mischt sich jetzt sofort Mehltau in meine Stimmung und ich könnte direkt meine Ärmel aufkrempeln, wenn mir nicht schlagartig klar geworden wäre: Hier ist Häme am Platz!

21. November 2008

Ein Lied wird trompetet, ein Preis verteuert und ein Scherbenhaufen aufgetürmt

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:12

Kann man ein Lied trompeten? Man kann! Auch wenn Sie und Wikipedia vielleicht der Meinung sein sollten, dass Lieder gesungen werden: „Ausgerechnet die Regierung, die das Lied vom zukünftigen Spitzenreiter NRW trompetet, hat den Abstieg zu verantworten“, posaunt die Grünen-Fraktionschefin laut WAZ auf Seite 2.

Auf derselben Seite wieder mal ein unmöglicher Komparativ, also ein Wazarativ: „Ungleicher kann das Kräfteverhältnis kaum ausfallen.“ Das möchte man meinen, denn ungleich ist ungleich und ungleicher kann etwas genauso wenig sein wie gleicher; Letzteres funktioniert allenfalls in der „Animal Farm“. (Moment – das hatten wir doch schon mal?)

Auf der Politik-Seite hadern wir dann mal wieder mit der Deklination. So müssen wir in der Unterzeile des Aufmachers lesen: „Zwei Arbeitslose wollen Hartz-4-Bezieher in einem Ratgeber erklären, wie man sich auch mit wenig Geld … ernähren kann“. Wem wollen sie das erklären, wenn überhaupt? Den Beziehern! Das erläutere ich jetzt sofort die Autoren bei der WAZ!

Kommen wir zur Wirtschaft. Hier wird mal wieder „das Öl verknappt und der Preis verteuert.“ Geht aber nicht. Das Öl wird teurer und entsprechend wird der Preis erhöht! Ein Preis kann nicht teurer werden, weil niemand einen Preis kaufen will! Aus demselben Grund kann er auch nicht billiger werden, und wenn uns das die Diskounter noch so oft einreden wollen.

Kommen wir nun zu dem Scherbenhaufen, den man gestern noch zusammenkehren wollte. Heute liest sich das auf der Kulturseite wie folgt: „Der Scherbenhaufen, den die Kulturpolitik in unserer Stadt aufgetürmt hat, hätte … vermieden werden können.“
Finde ich auch, zumal er viel ungleicher ist als der von Gestern.

20. November 2008

Schlagschatten flackert auf dem Beichtstuhl auf

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:18

Mit Schlagschatten haben wir es bei der WAZ in letzter Zeit häufig zu tun, heute gibt es da eine ganz besonders interessante Variante im Kommentar auf der Titelseite: „Gleichwohl dürfte angesichts der engen Verflechtungen mit GM der Vorstoß von Solarworld nicht mehr sein als ein Schlagschatten in Zeiten der Wirtschaftskrise.“
Wie sollen wir diesen Schatten denn jetzt verstehen? Ein Schlagschatten entsteht, wenn ein Objekt plötzlich grell beleuchtet wird und vor einem hellen Hintergrund steht. Er ist daher besonders scharf und intensiv.
Welchen Schatten wirft jetzt der Vorstoß von Solarworld worauf? Irgendwie keinen auf nichts …Vielleicht war ja auch eher ein Schlaglicht gemeint? Da das aber auch nicht passt, vielleicht sonst irgendein Licht? Ein Blitzlicht? Immerhin könnte das wenigstens einen Schlagschatten erzeugen … Wie man es auch dreht und wendet: Es gibt einfach keinen Sinn, was da geschrieben steht. Auch nicht in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Auf Seite 2 ein interessanter Kommentar: „Der Wahlkampf flackert bereits“. Geht er aus? Und wenn, wohin? Egal, zumindest flackern Kerzen, wenn sie kurz vorm Verlöschen sind. Also verlischt der Wahlkampf? Mitnichten: „In der Finanzkrise, die Zug um Zug auf die Realwirtschaft übergreift, bilden Angela Merkel und Peer Steinbrück eine Große Koalition, die den Namen verdient. Um sie herum aber flackert Wahlkampf auf“. Das hätte man wissen müssen! Denn dann hätte man zwar nicht gewusst, wie eine Finanzkrise Zug um Zug übergreift, aber man hätte wenigstens … äh … immer noch keine Ahnung gehabt, wie ein Wahlkampf „um sie herum“ aufflackern kann. Und das ist doch schonmal was, oder?
Ein paar Zeilen weiter wird ein „gewisser Unterhaltungswert erzeugt„, was wir mal unkommentiert stehen lassen wollen, aber direkt danach „fühlt sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier“ – Achtung! – „unterbeachtet“. Was ist das denn? Das Wort gab es bisher nicht, ist also ein Neologismus, oder besser: ein Wazologismus, denn es ist ein Wort, das die Welt nicht braucht. Denn man hätte einfach so etwas in der Art schreiben können: „Er fühlt sich nicht genug beachtet.“
Im nächsten Absatz wollen dann CDU-Ministerpräsidenten „einen Schutzschirm spannen.“ Das kann ja spannend werden, auch wenn nichts aufgespannt wird, zumal die CDU „mit Merkel über eine gute Projektionsfläche verfügt“ und wir völlig darüber im Unklaren gelassen werden, wer da was projiziert und warum.
Dafür erfahren wir dann auch über den Koalitionspartner so gut wie nichts: „Mangelnde Abstimmung des Führungspersonals ist eine der Ursachen, die die Sozialdemokraten von Krise zu Krise begleitet haben.“ Demnach scheint es mehrere Ursachen zu geben. Fragt sich nur wofür (vielleicht war ja die Krise gemeint; der Satzkonstruktion lässt sich das jedenfalls nicht entnehmen).

Auf der Seite „Rhein-Ruhr“ überrascht uns die WAZ heute mit einem neuen Beruf: „Wenn eine Auto-Messe … die Reifenbäcker nicht mehr anzieht…“ Was, bitte, ist ein Reifenbäcker?

Auf der Kulturseite wird inzwischen versucht, „den Scherbenhaufen so rasch wie möglich zusammenzukehren“. Was ein bisschen schwierig sein dürfte, da einen Haufen auszeichnet, dass er bereits zusammengekehrt ist. Insofern gibt es eben auch entweder den Scherbenhaufen, den irgend jemand hinterlässt, oder die Scherben, die jemand anders zusammenkehren muss.

Eine echte Innovation haben wir dann bei den Hochschulen in Essen. Auf dieser Seite gibt es einen Bericht über die Prorektorin für für Diversity-Management. Und was macht sie da? „An der Universität Duisburg-Essen hat sie nun die Unterschiedlichkeiten der Menschen im Blick“, verrät uns die Subline. Offenbar ist Diversity-Management derartig innovativ, dass man sich mit einfacher Verschiedenheit nicht mehr zufrieden geben kann und zum Wazologismus Unterschiedlichkeit greifen muss.

Bleibt für heute dann noch der beliebte Bankchef Ackermann, der ja schon vieles erdulden musste. Heute könnte ihm laut WAZ („Menschen-Seite“) auch noch Folgendes blühen: „Wird man einen Manager erleben, der sich auf den Beichtstuhl begibt?“ Okay, okay, im Mittelalter konnte man sich vielleicht noch auf Beichtstühle setzen, heutzutage sind das aber derartig sperrige Dinger, dass man sich in sie hinein begibt und nicht einmal Ackermann möchte man darauf sitzen haben. Am Ende wirft er noch einen flackernden Schlagschatten auf die Unterschiedlichkeiten der Reifenbäcker!

19. November 2008

Geldstrafen für Sprachfehler

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:47

Zugegeben: diese Überschrift auf der „Welt“-Seite ist reichlich verunglückt. Denn als Sprachfehler bezeichnet man normalerweise fehlerhafte Aussprache wie Lispeln, Stottern oder „Klick“ in der Stimme.
(Es sei sei denn, hier verfügte jemand über besonders schrägen Humor, aber das sollte mich bei der WAZ schwer wundern.)
Gemeint sind hier aber ganz andere Fehler: „Die Slowakei will die Reinheit ihrer Sprache mit drastischen Mitteln schützen. Bis zu 5000 Euro sollen künftig Sprachsündern drohen, die gegen die Regeln ihrer Muttersprache verstoßen.“
Da hat mich der Artikel geradezu elektrisiert. Das wäre doch mal was für uns! Da würde sich die WAZ dumm und dusselig zahlen.

Allein in dieser Ausgabe wieder: „Abgeordnete fordern schärfere Strafen“ steht auf der Politik-Seite, wo es doch härtere Strafen bei schärferen gesetzlichen Regelungen sind.

Und auf der „Rhein-Ruhr“-Seite wurden „dem Konzern … schwere Sicherheitsmängel vorgeworfen, die Thyssen-Krupp jedoch stets von sich gewiesen hat.“ Dabei wurden die Vorwürfe zurückgewiesen, nicht die Sicherheitsmängel!
Und ein paar Zeilen weiter lässt man einen italienischen Angeordneten zu Wort kommen, der gesagt haben soll: „man kann nicht Topmanager in Kriminelle verwandeln.“ Selbst, wenn mir der Originaltext nicht vorliegt und ich eh kein Italienisch kann, vermute ich, dass er gesagt hat, man solle die Topmanager nicht wie Kriminelle behandeln, denn das mit dem Verwandeln bleibt Hexen oder Zauberern vorbehalten, zumindest im Deutschen.
„Der Konzern zahlte … Entschädigung an die Familien der Stahlarbeiter, im Ausgleich verzichten diese auf Zivilklage im Prozess„, lesen wir im nächsten Absatz. Und fragen uns direkt, warum sie nicht einfach nur auf die Zivilklage verzichten, und zwar zum Ausgleich.
Tja, das wären jetzt etwa 25.000 Euro an verschärften Strafen, und wenn die bis Morgen auf meinem Konto eingehen, dann verzichte ich im Ausgleich auf eine Anzeige dieser Sprachfehler im Prozess.

18. November 2008

Dativ immer noch chancenlos, während letzte Hände Klischees brechen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:56

„Der fünftreichste Deutsche habe durch den rasanten Anstieg der VW-Aktie bis zu eine Milliarde Euro verloren“, steht in einer kleinen Meldung auf der Titelseite. Ehrlich gesagt kann ich wenig Mitleid für den armen Reichen aufbringen, der arme Dativ indes, finde ich, hätte doch mal endlich eine Chance verdient, und dann hätte der Herr auch nur bis zu einer Milliarde verloren…

Wunderliches geschieht zwischenzeitlich im Essener Lokalteil: „Letzte Hände am Weihnachtsmarkt“ verkündet uns dort eine dicke Headline. Wie müssen wir das verstehen: Sind die Hände auf dem Markt nun fast ausverkauft und man muss sich beeilen, um noch die letzten zu erwerben? Aber warum sollte man Hände kaufen wollen? Oder haben sie etwas mit dem berühmten letzten Willen zu tun? Aber was hat der auf dem Markt zu suchen? Es bleibt unverständlich. Hätte man uns stattdessen lieber nur erzählt, dass vielfach letzte Hand angelegt wird, wäre uns einiges erspart geblieben.

Nicht jedoch die folgende Headline auf der „Hören und Sehen“-Seite: „Quer denken, Klischees brechen„. Ich hab nichts dagegen, wenn mit Gewohnheiten gebrochen wird oder Klischees vermieden werden, bei dieser Überschrift fürchte ich jedoch, dass hier irgendwer seine letzten Hände im Spiel hatte.

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