WAZblog Waz man seinen Lesern eigentlich nicht zumuten sollte …

30. September 2009

Auf mehreren Schultern verteilen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:31

Aber zunächst wird im Titelseitenkommentar „geklärt, wer den Hut auf hat.“ Das klingt ja recht sprichwörtlich und schön volksnah, ist es aber nicht. Man kann zwar seinen Hut nehmen, wenn man z.B. zurücktreten muss. Oder man kann jemandem eins auf den Hut geben, wenn man ihn zurechtweist. Auch kann einem der Hut hochgehen, man kann ihn vor jemandem ziehen, sich etwas an ihn stecken oder ihn gar in den Ring werfen. Aber wer den Hut auf hat, das kann uns ganz schön egal sein. Weil es nichts aussagt und nur eine schief gelaufene Redewendung ist. Nur wenn wir Pech haben, dann geht sie bald in den Sprachgebrauch der WAZ-Redakteure über.
Im nächsten Satz steht dafür etwas Richtiges: „Man verteilt die Führung auf mehrere Schultern …

Zurück zur Seite 2, wo ebenfalls eine falsche Ortsangabe zu finden ist. Im Leitartikel heißt es: „Wer im SED-Willkürsystem verstrickt war …“ Derjenige befand sich also irgendwo innerhalb des Systems und hat sich dann in irgendwas verstrickt. Sollte gemeint sein, dass er zuviel mit dem Willkürsystem zu tun hatte, dann war in dasselbe verstrickt. Was allerdings ein kleines semantisches Problem bereitet, weshalb sich der Autor dann wohl auch schnell „im“ Willkürsystem verstrickte. Vielleicht hätte er die so von ihm Gebrandmarkten sich lieber in die Willkürmaßnahmen des Willkürsystems verstricken lassen. So hat er sich leider hoffnungslos in der Sprache … äh … verstrickt.

Aber nur, um es weiter hinten (auf der Politik-Seite) wieder falsch zu machen. Dort lesen wir über FRank-Walter Steinmeier: „Es sei sein Vorschlag, ‚das wir die Neuordnung der Partei auf mehreren Schultern verteilen.“ Egal, wer es nun verbockt hat, der SPD-Kanzlerkandidat oder die WAZ: Nach dieser Formulierung steht oder sitzt jemand auf mehreren Schultern, während er etwas verteilt. Will er die Aufgabe jedoch mit anderen teilen, dann sollte er zusehen, dass er sie auf mehrere Schultern verteilt.

Noch ein Letztes von der „Menschen“-Seite. Hier steht in einem Kasten über den Komiker Oliver Pocher: „Schon damals arbeitete er nebenbei für mehrere Radiosendern …“

29. September 2009

Mentalität – heute gratis

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:36

Wenn ein Gratis-Spiel ein Spiel ist, das man umsonst bekommt und Gratis-Musik eine, für die man nicht bezahlen muss, was ist dann das hier: „Denn die klassenkämpfende Linke in NRW ist mit ihrer Gratis-Mentalität von Regierungsfähigkeit noch meilenweit entfernt“? Doch hat offenbar der Kommentator von der heutigen Titelseite etwas anderes im Sinn gehabt, vielleicht so etwas wie die Mentalität von Leuten, die alles kostenlos haben wollen. Man kann es also beschreiben. Wenn man will.

Bereits gestern hatten wir darauf hingewiesen, dass Journalisten nach Wahlen wohl besonders gern blumig schreiben. Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, stehen in der heutigen „Wahl-Spezial“-Beilage Formulierungen wie: „Dazu kommt eine CSU, die nach der Wahlnacht wie ein mit Betäubungspatronen angeschossener Löwe im Käfig liegt.“ Wussten wir noch gar nicht, dass die CSU im Käfig liegt. Und dazu noch wie ein angeschossener Löwe! Welcher, wenn man den zahlreichen Abenteuerfilmen glauben darf, nicht liegt, sondern dann besonders gefährlich ist. Es sei wohl denn, er ist mit Betäubungspatronen angeschossen. Dann wirken diese zwar nicht (weil der König der Tiere ja nicht effektiv getroffen, sondern nur angeschossen wurde), scheinen ihn aber dennoch in den Tiefschlaf zu schicken. Wie eine CSU im Käfig. Alles klar!

Ein paar Seiten weiter geht es um die SPD. Und hier lesen wir über den Vorsitzenden: „Seine Gelassenheit ist nicht aufgesetzt. Im Auge des Orkans ist es am ruhigsten.“ Was man durchaus bezweifeln kann, denn der Orkan hat kein Auge. Er ist nur ein besonders starker Sturm. Ein Auge haben nur Wirbelstürme, also z.B. ein Hurrikan.

28. September 2009

Unüberhörbares Grummeln vorläufig herunterschlucken

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:38

… und anschließend wieder hochwürgen? Nach überstandenen Wahlen scheinen Journalisten immer gern besonders blumig zu schreiben. Das beginnt heute schon auf der Titelseite. Allerdings erst nach einem kleinen Rechtschreibfehler incl. Deppenleerzeichen: „‚Ein Weiter so kann es nicht geben‘ hieß es in der Parteizentrale.“ Demnach kann es so ein Weiter nicht geben. Wenn ein „Weiter-So“ gemeint gewesen wäre, hätte man es auch so schreiben müssen.
Gegen Ende des Artikels erfahren wir dann, dass Grüne und Linke „nach ersten Analysen massiv in die sozialdemokratische Wählerschaft eingebrochen“ sind. Aber mit dem Einbrechen ist das so eine Sache. Denn auch, wenn z.B. die deutschen Exporte wegen der Krise eingebrochen sind oder die Aktienkurse im DAX, muss das für die Wählerschaft nicht unbedingt stimmen. Und selbst, wenn wir das verzeihen wollten, so ist ja laut WAZ nicht die Wählerschaft eingebrochen, sondern die Grünen und die Linken, und zwar in dieselbe. Und das ist ein noch größerer Blödsinn.

Doch ist das erst der Anfang. Nach dem Umblättern ist es den Linken „offenkundig gelungen, von links nachhaltig in die sozialdemokratische Stammwählerschaft einzubrechen, während von rechts eine sozialpolitisch zuletzt sehr moderate Union nagt.“ Auch nicht schlecht.

Auf der Politik-Seite geht indes „das Ergebnis wie eine gewaltige Welle auf die Wartenden in der CDU-Zentrale nieder“, was normalerweise einem Gewitter vorbehalten bleibt, während eine Welle eher bricht.
Soll man das kritisieren? Nein, man macht es besser wie diese hier: „Potenzielle Herausforderer und Kritiker schlucken ihr unüberhörbares Grummeln über den erneuten Aderlass der Union vorläufig herunter …“ Das ist fein.

Im Artikel darunter lesen wir vom Aufstieg des Parlamentarischen Geschäftsführers der Unionsfraktion zum Kanzleramtsminister: „Der 44-Jährige würde dort den Faden von Thomas de Maizière aufnehmen …“ den er dort verloren hat? Oder welcher Faden ist gemeint? Vielleicht der, mit dem man den Pullover de Maizières aufribbeln kann? Nein, jetzt ist es klar: Den der rollenden Köpfe vom 9. September!

26. September 2009

Wer den Oppositionsführer abgibt, dem kann die Kritik vor die Füße fallen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:05

Klingt wie ein Sprichwort, ist aber keins. Der erste Teile steht auf der Politik-Seite und ist ganz anders gemeint als geschrieben: „Will er (gemeint ist Steinmeier – WAZblog) den Oppositionsführer abgeben?“ Wer jetzt annimmt, dass Steinmeier kein Oppositionsführer werden will, ist auf dem Holzweg, denn das Gegenteil ist gemeint. Man hätte schreiben können, dass Steinmeier einen guten Oppositionsführer abgeben könnte. Hat man aber nicht. Man hätte auch schreiben können, dass er den Oppositionsführer gibt. Hat man aber auch nicht. Stattdessen hat man Unsinn geschrieben.
Und zusätzlich noch einen Zeichenfehler in der Headline-Unterzeile platziert: „Je nach Ergebnis der Wahl, (Komma falsch) könnte die Partei binnen einiger Wochen eine komplett andere Strategie einschlagen“.

Der zweite Teil des Sprichwortes befindet sich auf einer anderen Politik-Seite. Nachdem dort zunächst vom „Wählerpotenziell der CDU“ die Rede war, lesen wir zwei Absätze weiter über die Kanzlerin: „Dann könnte ihr die Kritik vor die Füße fallen …“

Das wollen wir doch nicht hoffen, „weil das Virus sozusagen zurückgehalten werden“, wie wir wiederum auf der Rhein-Ruhr-Seite erfahren.

25. September 2009

Mit einem halben Ei bei der Sache

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:46

Sachen gibt’s! Aber es ist eine Äußerung von Dieter Bohlen auf der Seite „Hören und Sehen“, und dem darf man ja eigentlich nichts vorwerfen, denn der kann ja nix dafür … Trotzdem wollen wir ihn einmal zur Gänze zitieren, vielleicht hat ja irgend jemand eine Idee, welche Redensart das sein könnte: „Es hilft Daniel auch nicht, wenn ich nur mit einem halben Ei bei der Sache bin“. Möglicherweise haben wir es hier mit Bohlens Eingeständnis zu tun, mit den Eiern zu denken, aber warum er dann nur ein halbes Ei für seinen Superstar zur Verfügung hat, erschließt sich sofort. Es sei denn, dass ihm insgesamt nur ein Ei … aber lassen wir das!

Wenden wir uns lieber der nebenstehenden Filmkritik zu, wo „200 Menschen sterben, als sich in 3200 Meter Höhe ein eingeschlossener Schmelzwasser-See Tsunami-mäßig seinen Weg ins Tal bahnt“.

Oder der Titelseite, wo Eon „die bereits ruhenden Arbeiten am Kesselhaus, Rauchgaslager und Siloanlagen nicht weiterführen“ darf.
Und so verwundert uns auch der Einleitungssatz nicht länger: „Für den Energiekonzern Eon wird ein Fiasko beim Bau seines 1,5 Milliarden Euro teuren Steinkohlekraftwerks in Datteln immer konkreter.“

Denn irgendwie müssen wir ja nun wirklich echt mal konkret werden, sonst sind wir nur mit einem halben Ei bei der Sache!

24. September 2009

Ein Leben im Jenseits

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:17

Die Frohe Kunde ereilt uns im Aufmacher des Chefredakteurs: „Darin macht Laschet sich stark für eine ‚kluge Steuerung der Zuwanderung‘ mit Hilfe eines Punktesystems, in dem Qualifikation und die Aussicht, ein selbstbestimmtes Leben jenseits der deutschen Sozialsysteme führen zu können, Maßstab werden für die Einwanderungserlaubnis.“ Damit ist nach den vielen jenseitigen Vorkommnissen endlich klar: Es gibt auch ein Leben im Jenseits!

Und es gibt noch mehr Überraschungen, nämlich „diejenigen, die in Zuwanderer-Stadtteilen wirklich leben, statt aus sicherer Entfernung ihren Theorien nachzuhängen“, wie man nach dem Umblättern im Leitartikel lesen kann. Ich stelle mir das insgesamt etwas schwierig vor, das Nachhängen aus sicherer Entfernung, selbst wenn es nur bei Theorien ist.

23. September 2009

Vertrauen in die kalte Schulter setzen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:04

Ja, Beziehungen sind nicht immer ganz einfach. Ob im wirklichen Leben oder in der Sprache. So lesen wir heute im Seite-1-Kommentar: „Der Wähler, so sieht es aus, zeigt einer Politik die kalte Schulter, in die er immer weniger Vertrauen setzt.“

Einen ähnlichen Beziehungsfehler finden wir nach dem Umblättern im Kommentar: „Ob aufstrebende Schwellenländer wie China oder Indien Wachstumsgrenzen akzeptieren, auch wenn es andere sind, die auf Kosten der Umwelt wirtschafteten …“

Kein Beziehungsfehler, dafür einfacher Unsinn steht auf der Politik-Seite in einer kleinen Meldung: „Die SPD erzielt laut Umfrage Prozent (+1,5%), die Grünen kommen auf elf Prozent (-1) ab. Die Linkspartei erreicht auf 11,5 Prozent (-0,5).“

Und auf der Gesellschaftsseite schließlich, in einer ebenso kleinen Meldung, geht’s dann mal wieder mit der Deklination schief: „Die 39 Jahre alte Frau hatte … sich mit zwei ihrer Kinder verschanzt.“ Denn mit wem hatte sie sich verschanzt? Aber Zahlwörter deklinieren? Dann müsste sich die Frau ja mit zweien ihrer Kinder verschanzen …

22. September 2009

Ist Langarbeit die Verlängerung der Kurzarbeit?

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:58

Die Frage muss bis morgen offen bleiben (ansonsten geht’s aber schon voran).

21. September 2009

Gepaarte Polizisten, ein Wattebäuschchenteppich und das Beiboot für einen absaufenden Öltanker

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:25

Wie paart man eigentlich Polizisten? Ganz einfach: „Aber mehr Polizisten, gepaart mit beherzter Zivilcourage der Bürger, könnten unser Leben sicherer machen“, belehrt uns der Titelseitenkommentar. Wobei man sich außerdem fragt, was eine beherzte von einer unbeherzten Zivilcourage unterscheidet.
Wir haben aber noch mehr offenen Fragen, denn „Deeskalation hat sich als Haltung wie ein Wattebäuschchenteppich über die gesamte Gesellschaft gelegt“, wie am Ende des Artikels zu lesen ist, und da fragt man sich nicht nur, was das für ein merkwürdiger Teppich ist, sondern auch, wie er über der Gesellschaft zu liegen kommt.

Da ist es ja fast noch einfacher, die Grünen bzw. ihre Parteichefin zu verstehen, die sich auf der Politik-Seite wie folgt äußert: „Jamaika bleibt in der Karibik. Wir sind kein Beiboot für einen Tanker, der ohne uns absaufen würde.“ Versteht das jemand? warum ist ausgerechnet von einem Tanker die Rede? Über welche Beiboote verfügt ein solcher? Und warum säuft er ohne Beiboot ab? Selbst ein normales Schiff kann man durch ein Beiboot nicht vorm Absaufen schützen, da hinein retten sich nur die Passagiere, die aber auf einem Tanker kaum vorhanden sind. Und dann ist es kein Beiboot, sondern ein Rettungsboot. Was will uns also Claudia Roth mit ihrem etwas angestrengten Bild sagen? Tanker, Beiboot, absaufen. Vielleicht will sie einfach nur diese Vokabeln platzieren.
Ihr Kollege Özdemir befürchtet indes, dass Frau Merkel dabei ist, „eine Brücke bis zum Bau neuer Atomkraftwerke zu bauen“, was als Bild nicht weniger anstrengend ist. Denn eine Brücke zum Bau von etwas zu bauen, wer mag sich das vorstellen?

Zum Abschluss haben wir noch etwas aus den Essener Stadtteilen. Hier war offenbar jemand am Werk, der eilig fort musste, und so hat er nur folgende Bildunterschriften hinterlassen können: „Ein buntes, neues Gesicht wünschen sich viele Kinder. Entsrpechend umlagern sie den Schminkstand …“ Und: „Auf dem Kinderflohmarkt haben Julius und Ayman, beide neun Jahre jung, ein Siel mit Fangkörben erstanden.“

19. September 2009

Gezielt geplant

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 18:46

Kleine Meldung auf der Titelseite: „Der 19-jährige Amokläufer von Ansbach hatte seine Tat offensichtlich gezielt geplant.“ Das ist verwunderlich, wir kannten bisher nur Täter, die ihre Planungen völlig ungezielt vornehmen. Oder nur geplant zielen.

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