WAZblog Waz man seinen Lesern eigentlich nicht zumuten sollte …

31. Oktober 2008

Blinder Aktionismusplan für taumelnde KfZ-Händler

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:13

Wow, geht das los im Seite-2-Kommentar: „Nach dem Auspuffrohrkrepierer Rußfilterförderung und der hinter dem Ereignishorizont Bundestagswahl verschwundenen CO2-Besteuerung versenkt das Kabinett jetzt ein Milliardensümmchen für den blinden Aktionismusplan einer Steuerbefreiung für Neuwagen.“
Da zu fällt mir jetzt Piet Klocke ein: „Das müssen Sie sich mal auf der Zunge vorstellen!“
Ja, wirklich: Nicht nur der „Auspuffrohrkrepierer“ (haha!), sondern auch noch ein Ereignishorizont, hinter dem die CO2-Besteuerung verschwindet. Normalerweise liegt ja etwas hinter dem Horizont, was wir noch nicht kennen, und wenn es dahinter nicht weiter geht, dann mag vielleicht ja auch etwas dort verschwinden. Aber der Ereignishorizont hat damit überhaupt gar nichts zu tun. Das ficht aber einen WAZ-Schreiber nicht an, weil es erstens das Ereignis enthält, das man so schön mit der Bundestagswahl in Verbindung bringen könnte und zweitens den Horizont, hinter dem was verschwindet. Also vermuddeln wir das alles schön mit einander und hoffen, dass niemand die komplette Sinnlosigkeit des Konstruktes bemerkt.
Mit dem Aktionsmusplan ist es nicht viel anders. Zugegeben: es gibt blinden Aktionismus. Und es gibt vielleicht auch Pläne, die auf blindem Aktionismus beruhen. Aber deswegen gibt es noch lange keine blinden Aktionismuspläne. Es gibt schon keine Aktionismuspläne. Wie sollen die dann auch noch blind sein?

30. Oktober 2008

Kreditklemme der Finanzkrise widergeben

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:03

Wirtschaftliche Zusammenhänge zu begreifen, ist schon schwer genug. Warum macht es uns die WAZ noch schwerer? Z.B. im Kommentar auf Seite 2 mit Formulierungen wie dieser: „Das Kuriositäten-Kabinett aus dem Reich der Finanzen ist um eine schillernde Facette reicher.“ Ein Kabinett mit Facetten? Naja. Oder dieser: „Der staunende Zuschauer auf den Rängen fragt sich völlig zu Recht, wie eine an sich seriöse und sinnvolle Einrichtung derart verkommen kann und ohne Schiedsrichter Exzessen freien Lauf lässt.“ Da hätt ich nicht nur die Frage, auf wie vielen Rängen der staunende Zuschauer denn so sitzt, oder ob er immer hin- und her springt, und ob man Exzessen lieber mit Schiedsrichter freien Lauf lässt oder ohne keinen. Aber ich frage natürlich nicht, seit wann die Börse eine „an sich seriöse und sinnvolle Einrichtung“ ist …
Aber wie das hier funktioniert, wüsste ich schon gern: „Volkswagen machte zeitweise mehr als ein Viertel des Wertes im gesamten Dax aus, was wiederum zu einem Automatismus führt.“ Wieso wiederum? Wieso Automatismus? Man versteht es einfach nicht, und das liegt nicht an uns Leserinnen und Lesern.
Doch den Spitzenreiter an Unverständlichkeit erleben wir mit folgendem Absatz. „Voodoo, mögen manche rufen und die sofortige Schließung aller Börsen fordern. Dabei ist es sinnvoll, wenn sich Unternehmen nicht nur bei Banken Geld borgen, sondern bei anderen Kapitalgebern welches besorgen können – was die drohende Kreditklemme der Finanzkrise deutlich macht.“
Versteht das jemand? Manche mögen „Vodoo“ rufen und dann alle Börsen schließen. Hm. Dabei ist es irgendwie sinnvoll, wenn Unternehmen bei anderen (also nicht bei Banken) Geld besorgen können. Also dann über die Börsen, scheint gemeint zu sein. Gut, das ist noch nachvollziehbar. Aber wieso macht das die Kreditklemme deutlich? Und warum ist es die der Finanzkrise? Äh, und was ist eigentlich eine Kreditklemme?
Aber selbst, wenn wir die Kreditklemme jetzt mal überwunden haben, dann ist „der Dax … nicht nur irgendeine Kurve im Auf und Ab, sondern er gibt im Idealfall die Entwicklung des Wertes der Top-30-Unternehmens wider.“ Da er sie aber nicht widerspiegelt, sondern nur wiedergibt, hilft das alles nicht wirklich weiter. Und der kreative Genitiv-Plural mag mich auch nicht überzeugen, denn da hätte mir bei die Unternehmens deutlich besser gefallen – das ist wenigstens echte Ruhrsprache, die einer Dr. Antonia Cerwinski-Querenburg würdig gewesen wäre. Vielleicht hätte sie dann sogar ein paar neue Ruhr-Formulierungen wider gegeben …

29. Oktober 2008

Auswüchse stattlich abfedern

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:55

Auf der Titelseite gibt es schon gleich mal wieder Probleme mit dem Satzbau: „Das ramponierte Image der Banken hält viele Geldhäuser nicht davon ab, auch mitten in der schwersten Finanzkrise weiter für Vermögensanlagen zu werben, die auf den ersten Blick nicht transparent sind.
Das wäre ja einfach für den Anleger. Schon nach dem ersten Blick erkennt er, das die Sachen nicht transparent sind und kann sie ablehnen. Ich vermute aber, dass etwas völlig anderes gemeint war. Dass es um Anlagen geht, die nicht auf den ersten Blick transparent sind, sondern z.B. völlig undurchsichtig. Und das ist etwas völlig anders.

Da ist dann unser Ministerpräsident viel transparenter: „Die soziale Marktwirtschaft habe in der Demokratie den Vorteil, wirtschaftliche Auswüchse sozial abzufedern.“ Grandios! Und zwar nicht nur, dass die Marktwirtschaft in der Demokratie einen Vorteil hat, den sie – so steht zu vermuten – in einer Diktatur nicht hätte … (Sorry, da muss ich schon stutzen: hat er das wirklich so gesagt und auch gemeint?), sondern auch noch sozial abfedert. Und zwar wirtschaftliche Auswüchse. Auswüchse, auch noch wirtschaftliche, werden abgefedert. Tut mir leid, ich stelle mir so etwas immer bildlich vor: Ein Auswuchs, der auf Federn ruht. Geiles Bild.

Alles nichts gegen die Transparenz im Kommentar auf der Wirtschaftsseite, denn dort: … muss die jetzt so viel beschworene Transparenz eben durch stattliche Vorgaben geschaffen werden.“ Das finde ich auch! Weg mit den staatlichen Vorgaben! Stattliche sind einfach viel … hm … stattlicher!

28. Oktober 2008

Anziehung entfalten

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:34

„Ob solche Namen im Ausland eine gewisse Anziehung entfalten, muss sich sowieso noch zeigen.“ Ich fürchte, das wird sich nicht zeigen. Eine Anziehung wird nun mal in erster Linie ausgeübt, mit Entfalten wird sie sich eher schwer tun …

27. Oktober 2008

Schon wieder klare Kante

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:48

Wer hat eigentlich diese unsägliche Redensart in die Welt gesetzt? Alle zeigen neuerdings klare Kante. Müntefering vorweg, aber laut WAZ auch kürzlich erst die Polizei Duisburgs, und heute (im Kommentar auf der Titelseite) sind es Köln und Bochum, die das gegenüber den Rechtsextremisten tun.
Ein klare Linie, die kenne ich. Aber die ist vermutlich nicht kantig genug. Die Kante klingt so schön … äh … kantig. Und dazu muss sie natürlich auch klar sein. Wer will schon eine unklare Kante? Ist doch alles irgendwie totaler Blödsinn, oder?

Um nicht falsch verstanden zu werden: Zeigt den Rechtsextremisten alles mögliche, am besten, wo der Ausgang ist, aber lasst doch bitte endlich diese dämliche klare Kante!

25. Oktober 2008

Führende Chefvolkswirte leichthändig verspottet

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:56

Es geht schon wieder auf der Titelseite los mit der Zweiten Stadt im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms, die sich „in 1000 Meter Tiefe“ befindet.
Soll ich es aufgeben? Ist es schon richtig, nur weil es dauernd falsch gesprochen und geschrieben wird? (Das ist eben der Nachteil an normativer Sprachbetrachtung: Machen es nur genug Leute falsch, ist es plötzlich richtig, und dann stehste da mit deinen schönen Regeln!) Dennoch bleibt diese „Zweite Stadt“ für mich bis auf Weiteres: in 1000 Metern Tiefe!
Dann noch eine schöne Trennung: „Halte- (nächste Zeile) rner Stausee“.

Und im Artikel am Fuß der Seite: „Eine Minister-“ (na, was kommt jetzt wohl?) „iumssprecherin versicherte …“

Die „führenden Chefvolkswirte“ finden wir auf der Wirtschaftsseite, vermutlich, weil man einfachen Volkswirten die dreimalige Gewinnwarnung in dem Artikel nicht abgenommen hätte: „die Angst vor einer Rezession, Gewinnwarnungen großer Konzerne und Panikverkäufen„, (da kann man sich höchstens damit rausreden, dass die Angst auch vor Panikverkäufen gemeint sei, das haut aber nicht wirklich hin) „eine Welle von Gewinnwarnungen großer Konzerne“ und schließlich „die Gewinnwarnung von Sony“.

Dafür wird auf der Politik-Seite „Angela Merkel … inzwischen leichthändig verspottet“. Wie macht man das? Wie verspottet man leichthändig? Nun habe ich vom Verspotten ja durchaus einiges weg, und die WAZ macht es mir ja auch einfach, aber ich habe es bisher noch nicht einmal leichtfüßig versucht.

Ja, und dann haben wir noch einen recht eigenwilligen Satzbau auf der Sportseite: „Denn Pfleger versteht es, die Geheimnisse des Spiels so einfach und doch so anschaulich offenzulegen, dass auch Hobbyspieler die Gedankengänge der Stars verstehen zu glauben.“ Es wäre ein so schöner Satz geworden, wenn man bis zum Schluss konzentriert geblieben wäre. Dann hätte es aber geheißen: „… dass auch Hobbyspieler die Gedankengänge der Stars zu verstehen glauben.“ Und vielleicht wäre es selbst mir gelungen, die Gedankengänge der WAZ-Redakteure verstehen zu glauben.

24. Oktober 2008

Koch ist gefährlicher als Lafontaine

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:18

Zumindest für die deutsche Sprache. Wobei er (im Interview auf der Politik-Seite mit der Überschrift: „Gefährlicher ist Lafontaine“) grammatikalisch gar nicht so sehr daneben greift, wohl aber semantisch. Beziehungsweise nicht daneben greift, sondern eigentlich nichts sagt. Zumindest nichts von Bedeutung. O.k., der Mann ist Politiker, was soll man also in dieser Hinsicht von ihm erwarten, höre ich nun etliche Stimmen. Aber kann man nicht selbst von einem Politiker ein Mindestmaß an Inhaltlichem erwarten?
Stattdessen dies: „Zweifellos schürt der gewaltige Umbruch, den wir derzeit erleben, tiefe Verunsicherung.“ Ein Feuer kann man schüren, eine tiefe Verunsicherung jedoch allenfalls erzeugen. Denn wenn man ein Feuer schürt, ist das ein bewusster Prozess, man versucht, es anzufachen. Wie das ein Umbruch tun soll, muss Herrn Kochs Geheimnis bleiben. Nebenbei ist ein Umbruch eine tiefgreifende Veränderung, dass diese dann auch noch gewaltig tiefgreifend sein soll, hört sich vielleicht gut an, sagt aber nichts aus.
Genau so wenig wie der nächste Satz : „Unsere Herausforderung ist, die Krise zu bewältigen, ohne unsere Prinzipien aufzugeben.“ Das impliziert zunächst, dass es schwierig ist, eine Krise zu bewältigen, wenn man Prinzipien hat. Wofür es aber weder Beispiel noch Beleg gibt, zumindest nennt Herr Koch nichts dergleichen. Es impliziert darüber hinaus, dass Herr Koch (bzw. nicht näher bestimmte weitere Personen, die er unter „uns“ bzw. „unsere“ subsumiert) überhaupt Prinzipien hat. Was mit Sicherheit viele bezweifeln werden. Da will ich mich mal raushalten, hätte es aber hilfreich gefunden, wenn er an der Stelle das eine oder andere Prinzip mal wenigstens benannt hätte.
„Ach! Märkte orientieren sich an staatlichen Vorgaben. Es gab schwere unternehmerische Fehler, aber auch der Staat hat versagt.“ Was will er uns nun damit sagen? Inwiefern orientieren sich Märkte an welchen staatlichen Vorgaben? Und zweifellos gab es unternehmerische Fehler, und vermutlich hat auch der Staat mal wieder versagt, aber wann, wo und wie? Da sagt er nix, der Koch, und so bleibt das Ganze eine leere Sprechblase.
Aber nun sagt er was: „Heute können wir mit großem Selbstvertrauen sagen, dass sich die soziale Marktwirtschaft außerordentlich bewährt hat.“ Klingt doch gut, oder? Wir können mit großem Selbstvertrauen sagen. Toll! Dass sich die soziale Marktwirtschaft außerordentlich bewährt hat. Wow! Sie hat sich nicht nur bewährt, sondern gar außerordentlich! Wäre ja kaum zu ertragen gewesen, wenn sie sich nur ordentlich, oder gar nur bewährt hätte!
„Ohne Markt gibt es keinen Wohlstand, aber ein Markt sollte nicht ohne Grenzen sein. Das haben wir der Welt vorgelebt.“ Wie jetzt? Plötzlich muss ein Markt Grenzen haben? Keine grenzenlosen Märkte mehr? Warum das? Und wir haben der Welt vorgelebt, dass es ohne Markt zwar keinen Wohlstand gibt, aber ein Markt Grenzen haben muss? Kann ich mich irgendwie nicht dran erinnern …
Und dann kommt ein Satz, der nicht nur leer ist, sondern völlig unverständlich: „es ist im Inhalt ein Buch, das auf dem Boden der sozialen Marktwirtschaft steht.“ Ich finde es schon schwierig, mir vorzustellen, dass ein Buch auf dem Boden von Irgendwas steht, geschweige denn auf dem Boden der sozialen Marktwirtschaft, von der ich nicht mal wusste, dass sie selbigen hat. Aber es steht da ja nicht alleine oder nur so, sondern im Inhalt. Nein, falsch: Es steht nicht im Inhalt auf dem Boden, es ist im Inhalt ein Buch, das steht. Nee, das gibt auch keinen Sinn. Vielleicht, weil das, was Herr Koch sagt, keinen Sinn hat?
Versuchen wir’s mal damit: „Aber ohne das staatliche Eingreifen wäre eine ganze Industrie gefährdet.“ Welche denn? Die Autoindustrie? Die Schwerindustrie? Die gesamte Industrie? Oder wer? Oder gar warum? Sagt er nicht.
Dafür sagt er uns, wer gefährlich ist, der Lafontaine nämlich: „weil seine Politik dauerhaft Wohlstand in Deutschland vernichten würde.“ Nun liegt es ja in der Natur der Dinge, dass, wenn etwas vernichtet wird, dies auch dauerhaft geschieht. Irgendwie ist das ja das Wesen der Vernichtung, oder? Aber wie der Lafontaine das macht, bzw. seine Politik, dass sagt uns der Koch nicht. Stattdessen sagt er: „Wir müssen die Linkspartei sehr, sehr ernst nehmen.“ Gut, nehmen wir. Und nun soll wohl so etwas folgen wie eine Begründung: „Gerade in einer so unübersichtlichen Zeit, in der viele Menschen Angst davor haben, dass sie gefährdet sind in ihrer sozialen Situation.“ Also: Normalerweise müssen wir (wer ist „wir“, die CDU, die Politiker, die Gesellschaft, oder – um mit Otto zu reden – „vier alle“?) die Linkspartei schon ernst nehmen, aber nun erst recht. Weil wir nämlich eine unübersichtliche Zeit haben. Ich will jetzt nicht fragen, was eine übersichtliche Zeit ist, sondern mich mehr mit dem Rest des Satzes beschäftigen, in dem viele Menschen Angst davor haben, dass sie gefährdet sind. Und zwar in ihrer sozialen Situation. So sehr ich auch über diese Formulierungen nachdenke, ich kann ihnen keinen Sinn entlocken. Denn entweder hat man Angst davor, dass man gefährdet sein könnte. Oder man erkennt, dass man bereits gefährdet ist. Und die Situation, die soziale zumal, fragt sich überhaupt, wie man in ihr gefährdet sein kann.
Aber vielleicht werden wir mit dem nächsten Satz schlauer: „Lafontaine, Gysi und ihr Präsidentschaftskandidat Sodann sind Rattenfänger, die versuchen, schlecht informierte Menschen durch vereinfachende und verkürzende Parolen in die Irre zu führen.“ Klappt leider nicht. Schon beim Rattenfänger beginnt das Durcheinander: Das war ja jemand, der die Ratten, welche die Stadt Hameln überschwemmten und kahl fraßen, in der Weser ertränkt und so die Stadt von diesen Schädlingen befreit hat. Jetzt haben wir laut Koch drei Rattenfänger. Und die Schädlinge, die alles kahl fressen, also die Ratten, sind die schlecht informierten Menschen? Das kann er doch nicht gemeint haben! Nein, so etwas würde ein Politiker wie Koch doch nie tun: Menschen, und seien sie noch so schlecht informiert, mit Ratten gleich zu setzen!
(Vielleicht hat er sich ja auch nur vertan, und meinte Bauernfänger? Das würde insgesamt besser passen. Aber kann ein Politiker vom Schlage Koch derartig sprachlich daneben greifen? Ich fürchte, ja: Ratten hin – Bauern her …)
Nein, nein, außerdem versuchen das ja die Rattenfänger auch nur, und zwar, indem sie „durch vereinfachende und verkürzende Parolen in die Irre … führen“. Zwar habe ich selten von Parolen gehört, die nicht verkürzend oder vereinfachend waren (ich vermute sogar fast, es ist ihr Wesen), aber Gottseidank führen die nicht in die Weser, sondern nur in die Irre! Da können die Ratten – Pardon! die schlecht informierten Menschen – ja aufatmen.
Oder doch nicht, denn „Seriöse Politik hat es schwer gegen solche gnadenlosen Populisten.“ Dass diese Populisten auch immer gleich so gnadenlos sein müssen! Wenn sie ein bisschen gnädiger wären, die Populisten, wie leicht hätte es dann die seriöse Politik!
Stattdessen kommt es noch schlimmer: „Insofern ist die Linkspartei eine Gefahr für die Zukunft Deutschlands.“ Vor allem für die deutsche Sprache, denn zunächst fragen wir uns: Inwiefern insofern? Insofern, als die Politik es schwer hat? Und dann noch eine Gefahr für die Zukunft. Heißt das, dass sie eine Gefahr darstellt, mit der wir es erst in der in Zukunft zu tun haben werden? Nein, das kann er nicht gemeint haben, dazu ist er in der Gegenwart zu aufgeregt. Also muss er gemeint haben, dass die Zukunft Deutschlands u.U. nicht eintreten kann, weil sie gefährdet ist? Aber das ist doch kompletter Blödsinn, und so etwas wird ein Politiker, ein Alphatier vom Schlage eines Koch nie im Leben gesagt haben wollen. Aber was hat er dann gesagt, wenn es nicht wieder eine leere Sprechblase sein soll?
„Aber wir müssen die Auseinandersetzung mit ihr offensiv führen.“ Jetzt hätte er auch sagen können: „Wir müssen uns offensiv mit ihr auseinandersetzen.“ Nur wäre das wohl nicht so ober-wichtig daher gekommen. Auseinandersetzen ist eines Politikers nicht würdig. Eine Auseinandersetzung zu führen, und zwar offensiv, schon eher!
Leider ist das Interview noch nicht zu Ende. Und in der Online-Ausgabe sagt Herr Koch dann auch noch: „Jenseits der Tatsache, dass ich natürlich hoffe, dass Horst Köhler mit einem guten Ergebnis wiedergewählt wird, ist es skandalös, dass die Linkspartei einen Herrn Sodann mit seinen Sprüchen gegen zwei respektable Persönlichkeiten wie Bundespräsident Köhler und Frau Schwan stellt.“ Warum enthält man solche klugen Äußerungen den WAZ-Lesern vor? Formulierungen wie: „Jenseits der Tatsache“ sind doch reine Lyrik! Und Tatsache ist, dass Herr Koch hofft, bzw. natürlich hofft (andere verhüten höchstens mal natürlich). Das muss doch mal gesagt werden! Und dass es jenseits dieser Tatsache überhaupt noch was gibt, muss uns zu denken geben. Nämlich einen Skandal. Der darin besteht, dass eine Partei ihr Recht wahrnimmt, einen Kandidaten aufzustellen.
Als rein sprachorientierter Beobachter einer großen Tageszeitung versage ich mir an dieser Stelle jegliche Kommentare zum Demokratieverständnis eines hessischen CDU-Politikers und beschäftige mich lieber mit seiner nächsten Äußerung: „Wir sollten maßvoll Impulse geben, um ein allzu scharfes Absacken der Konjunktur zu vermeiden.“ Auch diese findet sich nur in der Online-Ausgabe, vermutlich, weil sich selbst bei der WAZ niemand etwas unter einem scharfen Absacken vorstellen kann. Wie wäre es mit einem harten (wird auch immer wieder gerne genommen)? Bloß kein kräftiges oder starkes, bitte, das wäre geradezu mutlos!
Und wo führt sowas hin? „Steinmeier hat bislang nicht den Mut, das Spiel von Frau Ypsilanti zu beenden. Dann wird er dafür mit seiner Partei bitter bezahlen.“ Wann dann? Und wie bezahlt man bitter? Das müssen wir dringend wissen, denn „ich hoffe, dass am Ende nicht auch Deutschland dafür bezahlen wird.“ Und gar noch mit sauer verdientem Geld. Ich weiß nicht, warum, aber hier kommt mir ein Vers von Erich Kästner in der Sinn, den er in seiner Schildbürger-Nacherzählung einem Bürgermeisterkandidaten in den Mund legt: „Ich bin ein Bürger und kein Bauer, und mache mir das Leben bitter!“ Und ein anderer reimt daraufhin: „Ich bin ein Bürger und kein Ritter, und mache mir das Leben sauer!“ Bittersehr!

Eigentlich reicht es ja für heute, aber auf derselben Seite im Artikel über die Liberalen steht noch ein Satz, zu dem ich mir einen Kommentar nicht verkneifen kann: „Der 68-jährige zeichnete die Zukunft Deutschlands schwarz.“
Man kann für die Zukunft schwarz sehen, vielleicht auch ein düsteres Bild von der Zukunft malen, aber dieselbe schwarz zeichnen … Warum muss man so etwas lesen? Manchmal fühle ich mich sooo müde!

23. Oktober 2008

Über die Bühne laufen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:30

Auf Seite 2 wundert sich Ralph Giordano, „dass es so glatt über die Bühne gelaufen ist“. Mich wundert das auch, denn entweder läuft etwas glatt oder es geht über die Bühne.

22. Oktober 2008

Unbillen einer fehlgeleiteten Führung

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:28

Heute auf der Kulturseite: „Der Krieg … wird im Kino und in Romanen bevorzugt als Geschichte aufrechter Wehrmachtsoffiziere und -soldaten erzählt, die den Unbillen einer fehlgeleiteten Führung tapfer trotzen.“
Das Problem dabei ist nur, dass es keine „Unbillen“ gibt, denen man trotzen kann – ob tapfer oder ängstlich. Man kann Unbill erleiden, dann wird man ungerecht behandelt. Oder man kann den Unbilden z.B. des Wetters trotzen, also Unannehmlichkeiten, die schlechtes Wetter so mit sich bringt. Wem also können die armen Wehrmachtsoffiziere nun noch trotzen, zumal ihre Führung ja auch noch fehlgeleitet ist, vielleicht vom fehlgeleiteten Führer?
„Und dann erscheint dieses Buch,“ heißt es sofort im nächsten Satz, „in dem eine Frau ihre Tagebuchnotizen aus der Zeit der unmittelbaren Nachkriegsmonate im sowjetisch besetzten Berlin der Öffentlichkeit preisgibt.“ Lieber wär’s mir gewesen, sie hätte Geheimnisse preis– oder sonstige Dinge wie z.B. Tagebuchnotizen der Öffentlichkeit übergeben, aber man kann ja nicht alles haben.
Vielleicht war es deshalb „für Erfolgsproduzent Günter Rohrbach ein Unding …“ Für mich ist es eher ein Unding, dass es nicht für den Erfolgsproduzenten ein Unding war, obwohl diese Art von unflektierwilliger Bezeichnung (wenn ich das mal so ausdrücken darf) wie ein Lauffeuer um sich greift, so sehr ich diesen Unbillen auch trotzen möchte: „Für Präsident Bush“, „gegen Gehirnchirurg Dr. Aufschneider“ oder ganz schlimm: „mit Kollege Mustermann“. Brrr!
Dass es auch anders geht, finden wir überraschenderweise drei Absätze später: „Nach ersten körperlichen Übergriffen durch Soldaten sucht sie den Kontakt zum Offizierskorps und findet in dem Obersten Andrej einen Beschützer“. Dabei hätte ich den Kontakt zu Oberst Andrej erwartet. Die WAZ kann mich doch immer wieder überraschen!
Allerdings meistens mit arg unkonventionellen Formulierungen wie dieser hier: „,Anonyma‘ keilt eine in ähnliche Kerbe …“ bei der ich auch meckern würde, wenn der Satzbau in Ordnung wäre. Oder passt hier ein grober Keil in eine Kerbe anstatt auf den groben Klotz?
Da ist dann ja fast tröstlich, wenn man lesen kann: „Nina Hoss spielt diese Journalistin und Fotografin mit entschlossenem Blick und lässt keinen Zweifel, dass sie allen Lagen trotzen wird, die da noch kommen werden.“
Wir wollen nun nicht oberpingelig werden und fragen, ob Nina Hoss mit entschlossenem Blick spielt oder ob die Fotografin einen entschlossenem Blick hat, da wir nun endlich etwas haben, dem getrost getrotzt werden kann, wenn es schon nicht die Unbillen sind: alle Lagen, die da noch kommen werden.

21. Oktober 2008

Über zu als wie ob

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:59

Komisch. Da benutzen sie laufend „über“, ob es nun passt oder nicht, aber wenn man es wirklich benutzen sollte, dann heißt es z.B.: „Gegen Debatte zu Managergehältern“, wie heute auf der Titelseite. Aber Debatten führt man nun wirklich über etwas, zu etwas kann und sollte man Stellung nehmen oder besser schweigen.

Immer noch besser wie Müll reden. Tut das weh in den Ohren? Wenn Sie WAZ-Autor sind, dann bleiben Sie jetzt aber schmerzfrei. Und fabrizieren Sublines wie diese hier auf der Wirtschaftsseite: „Die meisten Führungskräfte haben prozentual keine höheren Einkommenssteigerungen wie Normalverdiener“. Aua!

Das wäre jetzt so’n richtig schöner Schluss für meinen heutigen Eintrag gewesen, aber leider gab es dazu auch noch einen Artikel, in dem z.B. steht: „Zudem können die Chefs von DAX-Firmen in guten Zeit deutlich mehr verdienen …“ und in dem auch schon mal gern auf ein Komma verzichtet wird, wie hier: „Liegt der Umsatz unter einer Million Euro (Komma fehlt!!) sind für den Geschäftsführer …“ oder hier: „In der Wirtschaft sieht man das anders und bezweifelt ob eine Begrenzung praktikabel ist und den betroffenen Banken eher schadet als hilft“.
Und diesem Satz fehlt nicht nur das Komma nach „ob“, sondern auch der Sinn. Denn erstens muss man hier bezweifeln, dass eine Begrenzung praktikabel ist und zweitens fehlt dem zweiten Teil des Satzes der Bezug. Da steht nämlich, genau genommen (und ich nehme hier ja alles immer verflucht genau!): „In der Wirtschaft bezweifelt man, ob den betroffenen Banken eher schadet als hilft“. Und da man das (abgesehen vom schrägen Satzbau) ja gar nicht bezweifeln kann, sondern sich höchstens eine entsprechende Frage stellt, ist das alles so daneben, dass ich bezweifeln muss, ob der Artikel lesbar ist und der deutschen Sprache eher schadet als hilft.

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