Sich ehrlich machen mit ausgepacktem Damoklesschwert

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Einer der schlimmsten Ausdrücke neuerer Zeit ist: „sich ehrlich machen“. Ich weiß nicht, wer das über uns gebracht hat hat, aber es hängt vermutlich mit einem „Lied“ von Naddel abd el Farrag zusammen, in dem es hieß: „Zieh dich aus, kleine Maus, mach dich nackig“.
Wenn man sich nackig machen kann, warum also nicht auch ehrlich? Das muss sich jemand gedacht haben, als er dann diese Sprechblase platzen ließ, die zum dümmsten Dummdeutsch gehört, das in unserer an Dummdeutsch nicht gerade armen Zeit produziert worden ist.
Und da bekanntlich kein Dummdeutsch blöd genug ist, um nicht von der WAZ schnellstmöglich aufgegriffen zu werden, lesen wir nun: „Köln-Bonn muss sich ehrlich machen“ (Montag, 16.Februar 2015, Tagesthema). So macht sich die WAZ mal wieder lächerlich und wir können uns darüber lustig machen.

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Nach dem Dummdeutsch ein völlig unverständlicher Absatz: „‚Ich hab mich so auf den Karneval gefreut, sagt Tom in seinem Gockel-Kostüm. Sagt es und beißt in seine Möhre – das Bier möchte nicht so recht alle werden“ (ebd., Rhein-Ruhr). Dazu muss man schon einigen Bierkonsum hinter sich haben …

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„Mensch Putin – Porträt über Russlands Präsident“ (Dienstag, 17. Februar 2015, Hören und Sehen). Wenn man schon ein unsinnige Präposition benutzt, sollte man vielleicht wenigstens den Präsidenten deklinieren, oder?

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„… etwa 30 Prozent der Gelder wurde in Wertpapiere angelegt, etwa in ausländische Staatsanleihen“ (ebd., Wirtschaft).

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„Bis zum Mai 1945 wurden Handwerker … mit den Aufräumarbeiten beauftragt und vor allem KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene zur Strafarbeit verpflichtet worden“ (ebd., Lokalteil Essen).

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„‚Wir sind sehr zufrieden‘, sagte Patricia Adamski, Geschäftsführerin des Festkomitee Essener Karneval, der WAZ“ (Mittwoch, 18. Februar, Essener Lokalteil). Das Genitiv-S steht schon auf der Roten Liste!

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„Der Tarifkonflikt zwischen Bahn und GDL war zwar vordergründig in eine Art Winterschlaf gefallen.
Hinter den Kulissen blieb der Druck im Kessel jedoch hoch. Schon in seiner Weihnachtsbotschaft an alle GDL-Mitglieder hatte Gewerkschaftsboss Weselsky die Lokführer mit säbelrasselnder Rhetorik auf einen harten Arbeitskampf 2015 eingeschworen.
Am Mittwoch packte der GDL-Chef das dazu passende Damoklesschwert aus“ (Donnerstag, 19. Februar, Titelseiten-Kommentar). Der Druck hinter den Kulissen führt zu Säbelrasseln mit ausgepacktem Damoklesschwert, ah-ja!

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