WAZblog

31. December 2008

Rettungsschirm auf Platz 8

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 11:27

Die schlechte Nachricht zuerst: Der “Rettungsschirm” hat es beim “Wort des Jahres” unter die ersten Zehn geschafft und ist immerhin auf Platz 8 gelandet! Wie konnte das nur passieren? Die Gesellschaft für deutsche Sprache begründet das folgendermaßen: “Rettungsschirm ist wie ‘Rettungspaket’ die bildhafte Bezeichnung der staatlichen Finanzhilfen für in der Krise befindliche Banken und Unternehmen.” Das hilft uns aber nicht besonders weiter, wissen wir doch immer noch nicht, wofür dieses Bild stehen soll. Unter einem Rettungspaket kann man sich noch irgend etwas vorstellen, auch unter einem Schutzschirm. Aber diese vermaledeite Mischung aus beidem, die nur dem verwirrten Hirn eines aufgeregten Reporters entsprungen sein kann, funktioniert weder sprach- noch bildlich: Wie rettet ein Rettungsschirm? Die nahe liegende Assoziation ist ein Fallschirm, den man ergreift, wenn man aus einem Flugzeug springen muss, genauso, wie man einen Rettungsring ergreift (oder zu den Rettungsbooten eilt), wenn das Schiff untergeht. Aber die Banken sollen sich ja drunter stellen. Manchmal erwägt man gar, sie darunter zu zwingen. Demzufolge wird er aufgespannt. Manchmal enthält er Milliarden Euro, ist also eine Art Tüte. Und manchmal hat er einen Konstruktionsfehler und versagt. Was ist das also für ein Monster?
Und dass diese sprachliche Entgleisung nun auch noch offiziell Eingang in die deutsche Sprache findet, (um es einmal mit Hanns-Dieter Hüsch zu sagen:) “da kann ich mich kriminal drüber ärgern”. Aber es ist offenbar nicht mehr zu ändern.

Dagegen sind die sprachlichen Entgleisungen in der heutigen WAZ geradezu harmlos. Auf der Sport-Seite “antworten chinesische Freunde auf die Frage nach den Nachwirkungen der Spiele: ‘Ich kenne niemand, der nicht stolz darauf ist …”, und das auch noch “einhellig”. Nun gut, das sind Chinesen, wie sollen die auch wissen, dass sie allenfalls niemanden kennen? (Nur der deutsche Autor hätte es wissen können…)

Auf der Kultur-Seite werden uns die Intendanten im Ruhrgebiet mit den Worten beschrieben: “Auf Gerard Mortier, den intellektuell Leuchtenden, und Jürgen Flimm, den emphatisch Starken, folgt Willy Decker, ein klug leise und sehr tief Fragender.” Und das ist ja nicht falsch, nur reichlich verschwurbelt.

Und im Essener Lokalteil verabschiedet sich der Lokalchef in seiner “Lupus”-Kolumne in den Ruhestand. Er benutzt dabei so schöne Sprachbilder wie dieses: “… Begegnungen sind das Salz für Journalisten in den alltäglichen oft doch hektischen Abläufen.”
Und er mahnt: “Mit Gutsherrenart und einem betonköpfigen ‘Durch-die-Wand-Wollen’ ist kein Erfolg zu verbuchen”.
Schließlich gelingt es ihm sogar noch, die aktuelle wirtschaftliche Situation mit seinen Überlegungen zu verknüpfen: “Die Probleme des Haushalts der Stadt haben nichts mit dem Boom der Wirtschaft zu tun, der immer noch anhält, sich aber aufgrund der Finanzkrise auch in Essen auswirkt – für depressives Lamentieren sollte aber die Zeit zu schade sein.” Finde ich auch, zumal ein Boom eine Hochkonjunktur bedeutet und somit der Rest des Satzes schlicht unverständlich wird. Aber solche Formulierungen waren für mich immer irgendwie … äh … das Salz in … äh … meinen täglichen hektischen Abläufen.
Lupus wird mir fehlen.

30. December 2008

Datenfahrräder zu Lasten des Service, selten

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 17:08

Ein bisschen rätselhaft, nicht wahr? Das dachte ich auch, als ich den folgenden Satz auf der “Ratgeber Computer”-Seite lesen musste: “Zwei der drei Testkunden wurde an der Hotline in Aussicht gestellt, selten.” Da hat vermutlich der Autor die Empfehlung des Chefredakteurs mit der Wein-Nacht zu ernst genommen.
Und wie soll man da noch genügend Ernst für den Genitiv übrig behalten? Also schreibt man (in der Headline und im Text): “Preiskampf geht zu Lasten des Service.” Und hängt sich damit an einen Trend, der den Genitiv bei allen Wörtern ignoriert, die irgendwie auf “s” (bzw. den entsprechenden Laut) enden, was dann zu Lasten des Services geht.
Und all’ das auch noch unter der Überschrift: “Fahrrad auf der Datenautobahn”. Und in der zugehörigen Bildunterschrift heißt es ebenfalls: “Wie Fahrradfahrer auf der Datenautobahn kamen sich die Tester der DSL-Anschlüsse manchmal vor.” Wie muss man sich das nun vorstellen? Vermutlich hatten sie Datenfahrräder…

29. December 2008

Alles fliegt in den Schoß

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 18:06

Auf der “Menschen”-Seite menschelt es heute wieder recht heftig: “Eigentlich heißt er ja Hans, dieser märchenhafte Glückspilz, dem alles in den Schoß fliegt.” Stimmt nicht ganz: Wenn einem etwas in den Schoß fällt, dann bekommt man es, ohne viel Mühe aufzuwenden. Es gibt auch Leute, die sich beim Lernen nicht anstrengen müssen, weil ihnen das alles zur so zufliegt. Dass dem Hans alles in den Schoß fliegt, ist daher eher ein doppelter Wazberger.
“Dieser Glückspilz, von dem hier die Rede ist, heißt Josef und musste für sein Glück hart arbeiten. Manchmal allerdings auch nicht.” Das ist logisch.
“Jupp geht in die Schule, Jupp lernt Schreiner und dann verliebt sich der Jupp. Ja, auch in Mädchen, denn sein Lächeln, seine blonden Haare, die sind so ganz im Stil der Zeit.” Also nach dem Schreinerlernen verliebt sich der Jupp. Sogar in Mädchen. Interessant.
Und dann passiert etwas ganz Komisches: “Jupp kommt in den Genuss der oft zitierten Gnade der späten Geburt und wird nicht als Flieger für den untergehenden Nazi-Wahn verheizt.”
Weil das aber nicht reicht, “… muss Traum Nummer zwei herhalten: Die Lokomotive. Der kleine Jupp wird Lokomotivführer. Fehlanzeige. Kein Glück gehabt, denn der Jupp fährt als Heizer auf einer Dampflok Schutt und Asche des zerbombten Ruhrgebietes durch die Gegend.”
Das ist aber noch längst nicht alles: “Jupp wollte Spaß, wollte Sport und hatte Glück. In zweierlei Hinsicht: Als Boxer wurde er schnell so etwas wie ein Lokalmatador und hat in der ausverkauften Westfalenhalle gegen einen Italiener geboxt und gewonnen. Einmal im Ring und einmal in der Liebe, denn seine Gertrud verliebte sich in diesen smarten Kerl mit dem Hardy-Krüger-Lächeln.” Da hat der Italiener sicher dumm aus der Wäsche geguckt!
Und das hat sicher dazu geführt, dass er “den Schreinerkittel gegen die Krawatte getauscht” hat. Muss aber komisch ausgesehen haben, denn so eine Krawatte taugt nur begrenzt zur Körperbedeckung.
All das macht dem Jupp aber nix aus: “Hat seine Wurzeln nie vergessen. In denen kann er sich jetzt festkrallen und neu anfangen. Die Freunde helfen ihm. Jupp hat Glück. Im Unglück.” Jawoll! In den nie vergessenen Wurzeln festkrallen!
Und nun “wird (er) Medienberater und sein strampeln im Milcheimer hilft. Aus Milch wird Quark, aus Quark wird Butter.” Wir erfahren nicht, wo nun plötzlich der Milcheimer hergekommen ist, in dem der Jupp mit dem Strampeln beginnt, auf jeden Fall kommt er nun in den Quark (und nicht aus den Pötten) und somit ist dann ja auch alles in Butter!

27. December 2008

Strapazierfähiger Leidensdruck

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:35

Auf der Titelseite (und später noch einmal auf der Politik-Seite) gibt der Landesfinanzminister eine äußerst bedeutsame Äußerung von sich: “Viele Instrumente, die der Bund zur Belebung der Konjunktur beschließt, müssen zu großen Teilen von den Ländern bezahlt werden. Da ist unser Leidensdruck nur begrenzt strapazierfähig.”
Ich bin sicher, er wollte damit auch etwas äußerst Bedeutsames ausdrücken, die Frage ist nur: Was?
Wenn man versucht, aus dieser Aneinanderreihung mehr oder weniger bedeutungstragender Laute so etwas wie Sinn heraus zu filtern, erhält man Folgendes: Wir leiden. Mehr noch: Wir haben Leidensdruck. Allerdings ist der strapazierfähig. Jedoch nicht unbegrenzt.
Mein Leiden ist, gerade angesichts solcher Sprachkonstruktionen, recht groß. Dadurch verspüre ich einen Leidensdruck. Als der schließlich zu groß wurde, musste ich mich mit diesem Blog outen. Doch kann man diesen Leidensdruck strapazieren? Und wenn, wie? Und was passiert dann?
Ich verheddere mich, tut mir leid. Aber ich wollte ja nur herausfinden, was unser Finanzminister eigentlich Bedeutsames sagen wollte. Ähem, vielleicht das hier: Unser Land leidet schon genug, mehr ist nicht drin. Aber warum erzählt er dann was von strapazierfähigem Leidensdruck? Das werden wir wohl nie herausfinden, fürchte ich.

Auch, was wir heute wieder aus Bangladesh bzw. von der Spendenaktion erfahren, ist schwer verständlich. “Morgens steigt Gisele ihrem eigenen Haus aufs Dach”, steht da, und man weiß nicht, ob es in Kenntnis oder Unkenntnis der Redensart geschrieben wurde, die soviel bedeutet wie: jemanden unter Druck setzen, zurechtweisen. Im ersten Fall wäre es reichlich daneben, im zweiten schlicht beknackt.
Und im nächsten Absatz kommt dann eine Reihung, die mich verwirrt: “650 neue Quadratmeter werden die behinderten Kinder von Recife dann haben, für Physiotherapie, Speisesaal, Unterricht.” Und im Nachbarhaus gibt es Fläche für Radiohören, Toilette, Beten. Oder wie?
Aber die merkwürdigen Verbindungen gibt es auch an anderer Stelle: “Und überhaupt, Gisele: Vor 21 Jahren gab ihre Geburt den Anlass, die Hilfsorganisation zu gründen … Heute ist sie Vize-Präsidentin des Projekts, seine „Vorzeige-Frau” und im Frühjahr eingeladen zum Jubiläum der Kindernothilfe nach Deutschland.” Und ich bin Kritiker und im Winter eingeladen zur Weihnachtsfeier. Das druck ich mir auf die Visitenkarte!
Dafür ist eins “kaum zu glauben, aber in diesen Tagen haben sie im Kindergarten … schon zum zweiten Mal Weihnachten gefeiert.” Wirklich! Denn wir haben in diesen Tagen nur einmal Weihnachten gefeiert. Wie machen die das?
Wahrscheinlich so: “Sie legen hier immer viel Wert auf solche Feste, auch jeder Geburtstag wird mit viel Liebe begangen, und das Pfannkuchenfest.” Das leuchtet ein! Bei uns wird auch jede Party mit Musik begangen, und das Bierzelt! Wenn das Deutsch ist, lebe ich offenbar in einem anderen Land.
Und überhaupt: Ich. Ich habe da noch ein Problem mit der Formulierung im nächsten Absatz: “Das Virus … wird im Gesundheitspass vermerkt, Kindergärten nehmen die Kleinen damit nicht auf, selbst Schulen schließen lieber ihre Tore.” Weil ich davon ausgehe, dass Fabriken, Institutionen u.ä. , die ihre Tore schließen, ihren Betrieb einstellen, dicht machen, ja sogar pleite sind. So zumindest unterstellt es die entsprechende Redensart.
Am Ende des Artikels haben wir dann noch einen Satz, den ich nicht mehr kommentieren möchte: “Die 100 000 Euro sind noch nicht ganz geschafft – aber für das neue Haus, das auch diese halben Kinder, die ungewollt geschwängert wurden, sich so dringend wünschen, brauchen wir noch viel mehr.”
Denn dann könnte ich der WAZ-Autorin aufs Dach steigen und die Tore schließen. Zumal mein Leidensdruck nur begrenzt strapazierfähig ist.

24. December 2008

Zu Weihnachten eine fehlerfreie WAZ!

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:13

Pustekuchen! Wie sollte das auch klappen, wenn der Chefredakteur höchtselbst zur Feder greift? Da fragt er im Kommentar auf Seite 2: “Ist Weihnachten, wie der Rest der Welt, in der Krise, mindestens bei Jungen?” Was ist mit den Mädchen, fragt man sich unwillkürlich. Aber er meinte die jungen Leute. Mindestens. Und bei denen ist Weihnachten in der Krise? Mindestens. Was will er uns damit sagen, bzw. fragen?
Eigentlich gar nichts, stattdessen will er uns was ganz anderes mitteilen: “Die These von der Entchristlichung der Weihnacht ist so alt wie falsch … Weihnachten war nie nur eine ganz herausragende Gelegenheit zur Besinnung, feierlichen Einkehr, Spurensuche nach Christlichkeit in dieser Nacht, in der ein ganz besonderes Kind geboren wurde.” Was ist das denn jetzt? Spurensuche ist eine Suche nach Spuren, die jemand oder etwas hinterlassen hat, Suche nach Christlichkeit ist zwar reichlich abstrakt, könnte man aber gerade noch durchgehen lassen, doch die Kombination? Und dann noch in dieser Nacht mit dem ganz besonderen Kind …
Das kann man eigentlich nur lesen (und vor allem schreiben), wenn man das Folgende wörtlich nimmt: “Weihnachten war, für manche gerade deswegen, immer auch ein Fest, und zwar durchaus im rauschenden Sinn des Wortes: als Wein-Nacht.”

Und da ist mir der Chefredakteur um einiges voraus. Komme nach! Prost!

23. December 2008

Lungentranplantation mit drei Kinder

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:15

Der Chefredakteur hat wieder zugeschlagen. Im Kommentar auf Seite 2 philosophiert er über die deutschen Kanzler Adenauer und Schmidt und sondert dabei Sätze ab wie die folgenden: “Cool, weil er wie jugendbewegt rücksichtslos sagt und tut, was er will (öffentlich rauchen). Ein Uralter, der den Jahren trotzt – und seinen Stock bei Auftritten in die Ecke wirft.” Versuchen wir das mal zu interpretieren: Schmidt ist cool, weil er rücksichtslos sagt und tut … Das kann ich noch verstehen. Aber was ist “jugendbewegt” rücksichtslos? Es gibt eine Jugend. Und es gab (und es gibt sie vielleicht noch) eine Jugendbewegung. Darunter verstand (oder versteht) man Jugendliche, die für ihre Rechte eintreten. Aber sind sie deshalb rücksichtslos? Und was ist “wie jugendbewegt” rücksichtslos? Das muss doch eine besondere Art von Rücksichtslosigkeit sein. Nur welche, werden wir nie erfahren.
Nicht viel besser ergeht es uns mit dem in der Ecke geworfenen Stock. Ist das eine Redensart? Ich kenne sie nicht. Man kann seinen Hut in den Ring werfen. Oder die Flinte ins Korn. Ja, sogar Perlen vor die Säue. Aber den Stock in die Ecke? Was soll das bedeuten?
Warum schreibt man sowas? Nur, um uns in Verzweiflung zu stürzen?
Wo wir gerade beim Stürzen sind: “Adenauer musste sich über seine CDU nicht beschweren, Schmidt sich von seiner SPD hingegen stürzen lassen (es half die FDP).”
Das ist mir ganz anders in Erinnerung: Demnach hat damals die FDP die Koalition mit der SPD gebrochen und dann mit der CDU ein konstruktives Misstrauensvotum erwirkt, woraufhin der SPD-Kanzler gestürzt und der neue CDU-Kanzler Kohl gewählt wurde. Dass dabei die SPD in irgendeiner Form mitgeholfen hätte, wäre mir völlig neu. Und das verunsichert mich. Denn ich bin doch, nun ja, irgendwie, quasi und gewissermaßen – Zeitzeuge. Und wenn ich mich jetzt so falsch erinnere und die SPD damals Kohl zum Kanzler wählte (es half die FDP), wir also 13 Jahre lang von einer SPD/CDU/FDP-Koalition unter Kanzler Kohl regiert wurden, dann war ich entweder 13 lange Jahre in einer Parallelwelt mit einer schwarz-gelben Koalition oder … (Schauder!) Was ist mit mir? Bitte helfen Sie mir! Kommentieren Sie diesen Artikel und sagen Sie mir, dass ich nicht schon komplett meschugge bin! Bitte!!

Denn man kann ja auch meschugge werden, wenn man täglich die WAZ liest. Und dabei Sätze findet, wie den folgenden auf der Rhein-Ruhr-Seite: “‘Die Welle hat mein Haus gefressen’, sagt Parvin, die Kühe, die Ziegen und allen Reis, den sie gelagert hatte für ihre vier Kinder.” Parvin, die Kühe? Oder hat sie was damit gemacht? Gelagert und all den Reis für ihre vier Kinder. Aber letztendlich war es doch die Welle. Da soll man nicht meschugge werden?
Oder beim nächsten Satz: “Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel steigen und den der Flüsse, die sich wie Rinnsale nach einem großen Regen durch die Landschaft schlängeln.” Rinnsale sind kleinste fließende Gewässer, noch kleiner als Bäche! (In einem Rinnsal rinnt Wasser oder eine Flüssigkeit in einen schmalen Streifen, Wikipedia) Aber es war doch vom steigenden Wasserspiegel die Rede, gar von dramatisch steigendem! Und nun ein Rinnsal! Wer soll das verstehen?
Oder das hier: “Die Bauern graben jetzt Löcher in ihre Reisfelder, um auf dem Aushub ihre Hütten zu bauen; sie werden immer höher.” Die Bauern?
Oder so etwas: “Als der Zyklon das Meer das letzte Mal schickte, hat es ein Loch in den schwachen Deich gerissen, es hat all die ärmlichen Hütten vor ihm verschluckt, sogar das Haus des Imams und Fatema, die Enkeltochter der Lotufa, die auf der Flucht in einem Dornenbusch hängen blieb mit ihrem schönen schwarzen Haar.” Welche Hütten hat das Meer verschluckt? Drei an der Zahl: Die ärmlichen, die des Imams und Fatema. Aber was war jetzt mit Lotufa? War die auch eine Hütte? Oder wer blieb da jetzt mit dem Haar hängen, Fatema oder Lotufa? Wenn Fatema eine Hütte war, konnte sie nicht mit dem Haar hängen bleiben. Aber Lotufa, die ist doch die Oma, und die hatte das schöne schwarze Haar? Ich werd wirklich langsam meschugge!

Vielleicht sollte ich ein Schlückchen Lebertran zu mir nehmen. Doch es gibt ja was Besseres, wie ich auf der “Welt”-Seite lesen darf: “Lungentran”! Hoppla, da hab ich was falsch gelesen: “Michael Jackson ist schwer erkrankt und dringend auf eine Lungentranplantation angewiesen.”

Zum Nachtisch Quark mit Früchte. Nein, das stand nicht in der WAZ, das musste ich früher häufig in der Mensa lesen. Aber die Mädels, die das auf eine Papptafel schrieben, waren ja auch keine Sprachprofis, sondern Hilfskräfte. Und sie wussten es nicht besser (trotzdem taten mir die Ohren weh; ich lese immer laut). Die WAZ würde dergleichen nie veröffentlichen. Sie schreibt (auf der “Menschen”-Seite) über die schwedische Königin: “Nachdem sie die Nation mit drei Kinder beglückte …”

Da könnte ich doch glatt meinen Stock in die Ecke werfen oder wie ein Rinnsal Hütten verschlucken!

22. December 2008

Erst auf den Magen schlagen, dann um die Ohren hauen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:59

“Bio und Öko ist gut”, erfahren wir in einer Buchbesprechung auf der Seite “Media-Tipps”. O.k., beides ist gut, aber beide zusammen sind gut.
“Daher fühlen sie (die Autoren, d. Verf.) sich befleißigt, ihrem Leser zu erklären, dass ihr Buch keinesfalls eine Abrechnung oder sensationsgierige Entlarvung sei.”
Man kann sich genötigt fühlen, etwas zu tun. Oder sich befleißigen. Z.B. eines besseren Sprach- oder Schreibstils. Hätte das auch der Autor dieses Artikels getan, wäre uns so manches erspart geblieben. Auch die sensationsgierige Entlarvung.
Oder der folgende Satz: “Faktenreich und flott lesbar werden Öko-Freaks und Bio-Essern auf den Magen schlagende Fakten um die Ohren gehauen.” Da fragt man sich, wo die faktenreichen Fakten zuerst hin schlagen, auf den Magen oder um die Ohren…
Es scheint wirklich so zu sein, dass jeder Unsinn, den ein WAZ-Autor schreibt, dankbar von einem anderen aufgegriffen wird: “Maxeiner und Miersch unterfüttern ihre Aussagen durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen.” Warum belegen sie ihren Aussagen nicht einfach? Am 1. Dezember stand dieses unsägliche “Unterfüttern” im Sportkommentar. Es wird nicht besser dadurch, dass man es wiederholt.

20. December 2008

Asymmetrische Gefahren

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 18:19

Tja, was sind “asymmetrische Gefahren”, von denen wir im Kommentar auf Seite 2 lesen müssen? Wohl das Gegenteil von symmetrischen. Aber werden wir dadurch schlauer? Also: Symmetrische Gefahren kommen vermutlich von beiden Seiten, also symmetrisch. Demzufolge die asymmetrischen nur von einer. Und sind sie dann schlimmer? Kann eigentlich nicht sein…
Vielleicht werden wir klüger, wenn wir uns das Ganze mal im Zusammengang anschauen: “Gerade die Piraterie am Golf von Aden … führt deutlich vor Augen, welche asymmetrische Gefahren die Welt bedrohen.” Es wird nicht klarer, denn jetzt müssen wir auch noch die Piraterie damit vermuddeln, die uns das alles vor Augen führt. Und auch noch deutlich. Tut mir leid, aber mir wird hier nichts deutlich. Und erst recht nicht vor Augen geführt.
Dabei schien ein paar Zeilen zuvor alles noch so einfach, denn “gegen den Einsatz … lassen sich im Grundsatz keine Argumente einwenden.” Obwohl ich hier auch wieder meckern muss. Denn (mal abgesehen vom “im Grundsatz”:) wenn man Argumente hat, dann lassen sie sich auch einwenden. Nur wenn man keine hat, kann man nichts einwenden. Also ist es entweder so, dass sich nichts einwenden lässt oder aber, dass sich keine Argumente finden lassen.
Und all das “strapaziert das Selbstverständnis vieler Deutscher in schwer erträglicher Weise”. Das ist schlimm! Warum konnte es nicht in leicht erträglicher Weise strapaziert werden?

Auf der Wirtschaftsseite haben wir’s wieder mit den Schirmen: “Über 50 Milliarden in WestLB-Schirm”, heißt es in einer Headline. Ein völlig neuer Artikel in der Produktpalette, dieser WestLB-Schirm, weil hier sogar Milliarden hineinpassen! Andererseits scheint er nur eine Weiterentwicklung zu sein, denn er ist “der zweite Risikoschirm für die WestLB”. Und damit “ähnlich wie beim ersten Rettungsschirm”, wie wir ein paar Zeilen später erfahren.
Bin echt gespannt, welche Schirme im Rahmen der Finanzkrise noch erfunden werden. Bisher hatten wir zunächst den Sicherheitsschirm, aus dem wurde der Rettungsschirm (nebst Banken-Rettungsschirm und WestLB-Schirm), nun gibt es schon den Risikoschirm, nur die von mir vorgeschlagenen Panik– und Klimaschirme hat noch keiner erfunden.
Dafür erfährt man aber endlich, wozu diese Dinger gut sind: “So sagte Andreas Pinkwart (FDP), die Abschirmung dieser Papiere sei Sache des … Bundes”. Allerdings ging es bei dieser Äußerung darum, bestimmte Papiere abzusichern, abschirmen ist leider wieder etwas ganz anderes: Personen z.B. kann man abschirmen, damit keiner an sie herankommt. Wer wollte also Papiere abschirmen? (Außer einem Pinkwart, vielleicht.)

19. December 2008

Jede Menge Schirme

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 14:09

“Neue Milliarden für WestLB-Risikoschirm” verkündet eine Headline auf der Titelseite. Und im Wirtschaftsteil noch fetter: “Neuer Risikoschirm für WestLB”. In der Unterzeile wird er dann noch genauer beschrieben: “Der Chef der angeschlagenen Landesbank hält einen Risikoschirm II für alternativlos”. Auch im laufenden Text ist noch mehrfach vom “zweiten Risikoschirm” die Rede. Das ist erstaunlich, denn ich kannte nicht mal den ersten. Ich kann mir auch nicht vorstellen, was das jetzt wieder für ein merkwürdiges Teil sein soll: Ist es ein Schirm, bei dem ein Risiko besteht, ob er sich öffnet oder nicht? (Das kenne ich von meinem Automatik-Regenschirm, der öffnet sich manchmal und manchmal nicht, das ist in der Tat ein Risiko: Manchmal stehe ich im Regen.)
Allerdings sieht der WestLB-Chef darin “eine grundsätzliche Lösung … eines Konstruktionsfehlers des Rettungsschirms der Bundesregierung”. Schon jener ist ja nicht ganz einfach vorstellbar (ich habe mich bereits einige Male damit auseinander setzen müssen), und wie man da noch einen Konstruktionsfehler einbauen kann, bleibt unklar. Noch schwerer verständlich ist allerdings, wieso der Risikoschirm die grundsätzliche Lösung eines Fehlers darstellt (zumal Fehler nicht gelöst, sondern allenfalls berichtigt werden – sie sind da anders als Probleme, welche man durchaus lösen kann).
Wo war ich stehen geblieben? Ach, ja: “In dieser Situation versage der Rettungsschirm …”, er öffnet sich also nicht, und so steht man im Regen. Oder man fällt auf den Boden, wenn er doch eher so eine Art Fallschirm sein sollte. Insofern also ist der Rettungsschirm bereits ein Schirm mit einem enormen Risiko, wird aber dennoch durch einen Extra-Risikoschirm abgelöst.

Wenn dann allerdings im Interview auf der Folgeseite die Frage gestellt wird: “Hat der staatliche Banken-Rettungsschirm versagt?” frage ich mich wirklich, wann die Inflation der Musspritzen denn mal ein Ende nimmt.

18. December 2008

Verlorener Rufer hat ein Persilschein

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 16:04

Wie verliert man eigentlich einen Rufer? Ganz einfach: “… wer selbst auf die Absurdität hinwies … , war ein verlorener Rufer in der Wüste.” Nun handelt die besagte Redensart zwar lediglich vom Rufer in der Wüste, aber seit wann muss sich eine Autor Deutschlands größter Regionalzeitung um solche Kleinigkeiten kümmern? Und wenn der Rufer allein nicht einsam genug ist, dann machen wir eben einen verlorenen daraus.

Im Artikel daneben setzt man sich großzügig über solche Kleinigkeiten wie Grammatik und Deklination hinweg: “… andererseits lehnen die Funktionäre, etwa der NPD, deren offenen Gewaltausbrüche ab.”
Und gegen Ende des Artikels steht der Satz: “Dies würde dann für die NPD ‘ein Persilschein’ bedeuten.” Ja, der Akkusativ ist eben nicht jedermanns Sache. Und so könnte es einen Anschein bedeuten, dass man bei der WAZ ebenfalls Probleme damit hat.

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