WAZblog

30. June 2009

Der Virus breitet aus

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:25

Mehr oder weniger Kleinigkeiten heute, aber auch nicht schlecht. Und das beginnt schon auf der Titelseite: “Der Virus breitet nicht nur in England rasant aus.”
Aber was, zumal es ja eigentlich “das Virus” ist?

Im Lokalteil wird die Leiterin eines Berufskollegs mit den Worten zitiert: “Zum Abitur prüfen wir in den Deutsch oder Englisch…”, weitere Fächer werden nicht genannt.

Und auf der Gesellschaftsseite geht es um ein Foto vom verstorbenen King of Pop: “Aufgenommen angeblich nur einem Tag vor Jacksons Tod.”

29. June 2009

Ökopaxe sind brilliant

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:28

“Wie nennt man noch mal jemanden, der verspricht, was er nicht halten kann?” fragt uns der Chefredakteur im Titelseitenkommentar provokant. Hm, keine Ahnung. Ist das ein falscher Versprecher? Oder ein Versprechen-nicht-Halter? Auch doof. Die Lektüre des Artikels hilft da leider auch nicht weiter. Es geht am Schuldenabbau vorbei, an Steuererhöhungen, hin zum “Oder”: “Das Oder aber wird zum Tabu erklärt.” Und schlägt den Bogen (fast) zurück zur ebenso provokanten Schlussfrage: “Wie nennt man noch mal jemanden, der sich versprechen lässt, was nicht zu halten ist?” Weiß ich auch nicht. Wissen Sie’s?
Also: Jemandem wird etwas versprochen. Er weiß, dass das Versprechen gebrochen werden wird. Und anstatt laut zu rufen, was jeder andere tun würde: “He, das lasse ich mir nicht versprechen!” lässt er er sich dann doch etwas versprechen, ohne zu murren. Muss ein merkwürdiger Vogel sein. Und dafür soll es einen speziellen Namen geben?

Vielleicht ist das ein Ökopax? Denn “die einstigen Ökopaxe stellen sich inhaltlich breiter auf …” vermittelt uns der Kommentar auf Seite 2. Ich wusste bis dato nicht einmal, dass es Ökopaxe gibt (gleichwohl scheinen sie dennoch zu existieren, der Duden kennt sie), geschweige denn, dass sie sich breiter aufstellen können – und das auch noch inhaltlich.
Doch es geht noch etwas weniger verständlich: “Der fortgesetzte Linksruck der Linkspartei bis ins realpolitische Nirwana macht Rot-Rot-Grün im Industrieland NRW zunehmend unrealistisch.” Ist das Nirwana schon so gut wie nicht zu beschreiben (außer vielleicht, dass es etwas mit dem “höchsten Glück” zu tun hat), so ist noch weniger vorstellbar, was es mit Realpolitik zu tun haben kann. Und wie nun ausgerechnet ein Linksruck, ein fortgesetzter zumal, dorthin führen kann, werden wir wohl auch nie erfahren. Eigentlich schade!

Dafür erfahren wir Folgendes im nebenstehenden Artikel: “Die Frage steht im Raum, umso mehr als Merkels Machtwort verhallte.” Als ob es nicht schon bedrohlich genug wäre, dass da überhaupt eine Frage im Raum steht, jetzt steht sie sogar noch mehr! Und nur, weil Merkels Machtwort verhallte (was man übrigens auch auf der Titelseite lesen kann). Dabei ist das doch gar nicht so schlimm. Schlimmer wäre gewesen, wenn ihr Ruf verhallt wäre, und, wie die Redensart es vorsieht, ungehört. Einfach so verhallen, das tut schließlich jedes Geräusch.

Auf der Politik-Seite wollen die Grünen “den vom Bundesparteitag beschlossenen ‘Grünen New Deal’ … für NRW herunterbrechen.” Das kann übel ausgehen!
Zuvor forderte der Grünen-Landeschef: “Daran müssen wir anknüpfen und ausbauen!” Klare Worte, überzeugender Stil! Daran wollte ich auch schon immer mal ausbauen.
Und das alles “mit erneuerbare Energien und Gebäudesanierungen.”

“Brilliant!” ist der Sportkommentar überschrieben, und ich könnte mich dem anschließen, wenn auch nur brillant. Vielleicht, indem ich mit meine nicht-erneuerbare Energien daran ausbaue? Nun weiß ich nur nicht mehr, wie man noch mal so jemanden nennt.

27. June 2009

Viel schreiben, ohne etwas mitzuteilen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:44

… ist bestimmt nicht leicht. Das Ergebnis kann man auf der Politik-Seite genießen. Dort findet man solch interessante Formulierungen wie: “Über einen Mangel an Interesse kann sich die Kanzlerin in Washington nicht beklagen, über zu wenig Lametta auch nicht. Der Präsident weicht nur deshalb … in den prunkvollen ‘East Room’ aus, weil schweres Unwetter droht.” Wir erfahren nicht, ob dort ein Weihnachtsbaum stand oder aber viele hochdekorierte Militärs, das muss offen bleiben.
Ein paar Absätze weiter folgt noch Unverständlicheres: “Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein Regierungschef wie Merkel eingeladen wird, vor beiden Kammern des Parlaments zu reden – der Sachzwang für den nächsten Washington-Trip …” Hallo?
Und schließlich: “Ein Blick auf die Zuhörer fängt indes die ganze Tristesse auf …” Allerdings kann ein Blick höchstens etwas einfangen, mit Auffangen dürfte es da einige Probleme geben.
Ansonsten steht aber in dem 5-spaltigen, circa 120-zeiligen und etwa 3600 Zeichen langen Bericht – nichts. Also ein Nicht-Bericht.

Darum finden wir das Highlight des heutigen Tages auch nicht in der WAZ, sondern im ZDF, und ich will es den Lesern des WAZblogs nicht vorenthalten. Zum Tode Michael Jacksons bzw. den Reaktionen in den USA sagt ein Korrespondent in der “heute”-Sendung um 19.09 Uhr: “Die Fans warten geduldig, bis sie ihm gedenken können.” Ich glaube, das hätte nicht einmal die WAZ fertig gebracht. Oder wird man bald auch hier ihm oder jemand anderem gedenken? Wundern würde es mir nicht!

26. June 2009

Im weltweiten Internet braucht man nicht versuchen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:43

… das ohne Ohrenschmerzen zu überstehen.
Den interessanten Pleonasmus verdanken wir einem Artikel auf der Politik-Seite: “Im weltweiten Internet soll ab 2010 eine neue Form lokaler Zuordnung von Web-Adressen erlaubt werden.” Oder gibt es auch irgendwo ein Internet, das nicht weltweit ist?

Den Ohrenschmerzen verursachenden Verzicht auf das “zu” steuert die Multimedia-Seite bei, und das auch noch zweimal: “Wer keinen schnellen Rechner mit viel Arbeitsspeicher sein Eigen nannte, brauchte erst gar nicht versuchen, sich Windows Vista zu installieren.”
Und am Ende des Artikels: “Wer seinen Rechner sowohl im Büro als auch Zuhause im Netzwerk nutzt, braucht nicht mehr umständlich das Netzwerk wechseln.” Aua!

25. June 2009

Da kocht der Topf über

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:45

… und zwar im Seite-1-Kommentar: “Ausgerechnet Deutschlands Dressurkönigin Isabell Werth hat den Topf nun überkochen lassen.”
Der Topf kocht über? Kann er genauso wenig, wie der Pott kochen kann, den uns vor Jahren eine übereifrige Agentur verordnet hat. Wasser kann überkochen oder auch Milch. Aber nicht der Topf. In dem befindet sich nur das Zeugs, das überkocht. Vielleicht hat die Dressurkönigin daher einfach nur das Fass überlaufen lassen, das wäre ohne sprachliche Probleme möglich gewesen. Aber wohl nicht innovativ genug für die WAZ, und darum musste der arme Topf herhalten.

24. June 2009

Meinungsgetrieben

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:54

… ist offensichtlich der Kommentar zum “Spickmich.de”-Urteil. Allerdings hat man sich dort zunächst bei der Wortwahl vergriffen: “Wer als Lehrer bei ‘spickmich.de’ hart rangenommen wird, dürfte die Publizitätschancen anonymer Schüler mit Zorn betrachten. Der selbe Lehrer mag es aber nützlich finden …” Publizität bezeichnet das Bekanntsein oder den Bekanntheitsgrad von Leuten, was bei anoymen Verfassern ja definitiv nicht passen will. Darum waren wohl auch eher die Chancen gemeint, etwas zu publizieren. Und die hat auch derselbe Lehrer, von dem die Rede war. “Derselbe” ist ein Demonstrativpronomen und wird zusammengeschrieben.
“Internet-Nutzer sind eben mal Opfer und mal Täter, wenn es um die subjektive, die meinungsgetriebe Seite geht, die im Netz viel Raum einnimmt,” lässt man uns ein paar Zeilen später wissen. Leider erfahren wir nicht, was eine meinungsgetriebene Seite sein soll. Gibt es auch eine gedächtnisgetriebene? Oder eine meinungsgestoppte?

23. June 2009

Der Stoff, aus dem Wut gekocht wird

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:50

… begegnet uns heute im Seite-1-Kommentar: “Vollsperrung erst in die eine, dann in die andere Richtung – das ist der Stoff, aus dem Wut gekocht wird.”
Und ein paar Zeilen tiefer das Wortungetüm: “An-der-A40-Wohner”. Ist das so etwas wie der “Brötchen-über-der-Spüle-Aufschneider”?
Der Artikel endet mit einer merkwürdigen Zeichensetzung, die seit einiger Zeit bei der WAZ vermehrt zu beobachten ist: Den Doppelpunkt an einer falschen Stelle zu platzieren und das dann noch irgendwie bedeutungsvoll daher kommen zu lassen. “Die Katastrophe bei der letzten A40-Vollsperrung … sie blieb: aus.” Eine solche Art des Schreibens, sie bleibt: doof.

22. June 2009

Nicht wirklich frenetisch

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:05

“Nicht wirklich” ist ja nicht wirklich richtiges Deutsch. “Not really” heißt es eher im Englischen und meint dort so etwas wie “eigentlich nicht”. Und da die WAZ bekanntermaßen jede sprachliche (Un-)Sitte mitmacht, könne wir heute auf der Seite 2 lesen, dass beim Linken-Parteitag Oskar Lafontaine “nicht wirklich frenetisch gefeiert” wird. Wobei allerdings die Rückübersetzung, wonach er eigentlich nicht frenetisch gefeiert wird, ein mindestens genauso großer Blödsinn ist. Denn kann ein Beifall zwar frenetisch, aber eigentlich nicht frenetisch sein? Nicht wirklich.

20. June 2009

Ungeschminkte Warnung bei Polizist

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:19

Grundsätzlich ist gegen einen etwas blumigen Sprachstil wenig einzuwenden. Es kann aber auch ein bisschen zu blumig werden. Wie heute im Seite-2-Kommentar: “Die Botschaft kam nicht über die Rampe”. Worüber kam die nicht? Über die Rampe? Welche Rampe? Hm, muss eine neue Redensart sein. Eine sehr neue.
Es geht genauso blumig weiter: „Zwar liegt bis zum Inkrafttreten viel politisches Buckelpflaster vor uns.“ Diese Redensart ist noch neuer. Was ist politisches Buckelpflaster, von dem viel vor uns liegt?
Egal, denn „die Aussichten stehen gut, dass im Oktober die neuerliche Volksabstimmung in Irland glückt und der Karren damit endlich durchs Ziel rumpelt.“ Man hat schon von Karren gehört, die aus dem Dreck gezogen wurden, aber selten sind sie anschließend ins Ziel gerumpelt. Muss wohl an dem politischen Buckelpflaster liegen.
Hauptsache, „die EU bekommt also durch terminliche Fügung die Chance, Schwung für einen echten Neustart mitzunehmen.“ Find ich auch. Da nehmen wir den Schwung mit, dann müssen wir ihn nicht holen.
Am Ende haben wir es dann noch mit folgenden Typen zu tun: „Ein übersteuerter französischer Präsident, eine untersteuerte Bundeskanzlerin, der von beiden wieder bestellte, (Komma überflüssig) umstrittene Kommissionschef Barroso, exzentrische Nationalpotentaten Marke Belusconi.“ Wie, bitte schön, muss man sich über- bzw. untersteuerte Politiker vorstellen? Ist das finanzpolitisch zu sehen oder sind die Herrschaften einfach nur überdreht? Bzw. wäre die Kanzlerin dann ja unterdreht. Geht auch nicht. Ja, was dann?

Immerhin haben wir auf der Rhein-Ruhr-Seite in einer kleinen Überschrift „Mexico-Grippe bei Polizist in Köln“. Bei wem? Etwa bei dem Polizisten? Wer wird denn so kleinlich sein? Ich hier.

Fast so kleinlich wie Ayatolla Chamenei, der laut Politikseite das Wahlergebnis bestätigte, “um dann überzugehen in eine ungeschminkte Warnung.“ Diese Ayatollas können ja Dinge, die kein Mensch sonst hinkriegt. Sie gehen über, zum Beispiel. Und dann auch noch in ungeschminkte Warnung! Wo wir doch höchstens ungeschminkte Wahrheiten kennen. Warnung hin, Wahrheit her, wer wird da so kleinlich sein?

19. June 2009

Gegen etwas siegen, für alles wappnen, auf die Trommel hauen und bei Tische sitzen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 19:54

Komisch, sonst nehmen sie so gern “über”. Und wenn es mal angebracht wäre, dann benutzen sie “gegen”. So heute im Seite-2-Kommentar: “Es siegte die praktische Vernunft gegen die Sorge, dass einen Hintertür für die Sterbehilfe geöffnet wird.”

Mit den Präpositionen geht es heute ohnehin ein bisschen durcheinander: “Beschäftigte und Kunden des Traditionshauses müssen sich für alles wappnen”, so steht es im Wirtschaftskommentar, dabei wäre hier nun wieder die Präposition von der Seite 2 angebracht gewesen, denn man wappnet sich gegen etwas.

So würde man sich auch bestimmt gern gegen bestimmte Formulierungen wappnen, denn nach dem Umblättern “haut Verdi auf die Trommel.” Wirklich schade, dass Verdi nicht auf die Pauke haut oder die Öffentlichkeit aus dem Schlaf trommelt, denn dann wären die Redensarten wieder einigermaßen sortiert.
Egal, Hauptsache: laut, denkt da der durchschnittliche WAZ-Redakteur und schreibt weiter: “Damit sitzt ein Mann mit grünem Parteibuch als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsgremiums bei Tische …” Bei Tische sitzen hat etwas mit Essen zu tun, denn sonst würde man einfach mit am Tisch sitzen; und das Ganze hatten wir schon einmal, was mich in der Auffassung bestärkt, dass WAZ-Autoren gern von einander abschreiben.

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