WAZblog Waz man seinen Lesern eigentlich nicht zumuten sollte …

30. September 2008

Know-how über Kohle am Automat

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:55

Nachdem uns also gestern schon das Image entgegen geschlagen ist, schlägt es heute auf der Politik-Seite zu: „Wahl-Fiasko schlägt Breschen in die CSU-Riege“. Und kaum davon erholt, finden wir auf der Wirtschaftsseite die nächste Über-Headline: „Deutsches Kow-how über Kohle mit führend“. Warum nicht einfach: deutsches Kohle-Know-how? Und schon hätte man wenigstens einmal auf die Universalpräposition verzichten können, die in diesem Zusammenhang nun wirklich keinen Sinn macht: Oder wer hat „Gewusst-Wie“ über?
Über habe ich allerdings Formulierungen wie: „… Abbaugebiet in rund 1000 Meter Tiefe“, die ich im zugehörigen Artikel lesen muss. Auch wenn mich ein Freund einmal die gefragt hat: „Warum stellst du dich eigentlich wegen eines einzelnen Buchstaben, diesem ,n‘, so an?“

Ja, warum eigentlich? Und müsste ich mich nicht noch mehr anstellen, wenn sogar zwei Buchstaben fehlen? Tu ich auch! Gerade bei der dicken Headline im Essener Lokalteil: „Immer mehr Datenklau am Automat“. Au weia, tut das weh! Liebe WAZ, so dekliniert man Automat: der Automat, des Automaten, dem Automaten, den Automaten. Und wo findet also der Datenklau statt? Am Au-to-ma-ten! Hhhhhnnnng!!!

Sozialamut schlägt uns entgegen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:51

Ja, was war jetzt gemeint: Die Sozialarmut oder das Sozialamt? Okay, es erschließt sich ja aus dem Zusammenhang: „Das war das erste Mal, dass ich zum Arbeits- und Sozialamut musste“ erzählt Gildo Horn auf der „Menschen“-Seite. Also nur ein Tippfehler.

Kein Tippfehler ist hingegen im Essener Lokalteil, dass „ihm Essens schlechtes Image immer noch entgegenschlägt“. Warum soll mir da nicht die Amut entgegenschlagen?

27. September 2008

Haarscharf verschont wegen Platzmangel

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:25

„Bislang sind wir immer noch haarscharf von einem Anschlag durch islamistische Terroristen verschont geblieben“, lesen wir heute im Kommentar auf der Titelseite. Dass man haarscharf am Ziel vorbeischießen kann, habe ich durchaus schon gehört, aber wie wird man entsprechend verschont? Vielleicht, indem „unsere ausgezeichneten Ermittler immer einen Schritt schneller sind als die hasserfüllten Islamisten“? Geht auch nicht, denn die Ermittler sollten den hasserfüllten Islamisten lieber einen Schritt voraus sein, oder, wenn sie weniger ausgezeichnet, dafür jedoch zu langsam sind, einen Schritt schneller gehen, um zumindest die Redewendungen haarscharf zu verschonen.

Dafür mögen die hasserfüllten Islamisten dann auch „Kontakt zu alten Personenbeziehungen suchen“, wie uns ein Staatssekretär im nebenstehenden Aufmacher wissen lässt. Wobei ich mich, pingelig wie ich bin, mal wieder frage, was eigentlich alte Personenbeziehungen sind und warum die … äh …, hasserfüllten Islamisten nicht einfach Kontakt zu alten Kumpels suchen. Oder alte Beziehungen wieder auffrischen bzw. aufleben lassen. Aber ich bin ja auch kein Staatssekretär.

Dann noch eine gleichwohl fette wie schmerzhafte Headline auf Seite 3: „Häftling klagte wegen Platzmangel“. Ich weiß ja, dass man heutzutage dem Dativ überall benutzt, weil es immer eine Gelegenheit gibt, ihm anzuwenden. Aber in dem Fall hätte eine Klage wegen Platzmangels bei mir immer noch die besseren Chancen, weil sie nicht so sehr in den Ohren schmerzt.

Schöne Trennungsfehler gibt es heute auch zu besichtigen: auf der Politik-Seite wird im Lukaschenko-Artikel „das kapitalistische Ausland gege- ißelt“ und in der Wirtschaft die „Par- olen“ von Bush, Obama und McCain getrennt.

Kommen wir zum Essener Lokalteil. Hier finden wir einen bisher unbekannten Autor, der „das Motiv in die Literatur eingeführt (hat): die menschlichen Abgründe hinter der glatten Fassade wohlanständiger Bürgerlichkeit“. Wenn Sie jetzt denken, es handele sich dabei um den berühmten Henryk Ibsen, dann liegen sie leider falsch. Laut WAZ heißt dieser Autor nämlich „Hendrik Ibsen“, und das muss ein bisher unbekannter Holländer sein …

Ist aber noch nix gegen den „Lupus“, der in Essen zum Wochenende immer mal sein sprachliches Unwesen treibt (geradezu wölfisch): Da hat zunächst „der Rauswurf von Michael Kaufmann … eine gewaltige Welle ausgelöst“. Welle von was? Danach übertrifft die „bundesweite negative Resonanz … alle Erwartungen“. OK, das ist jetzt nicht wirklich falsch, aber schräg, weil man normalerweise positive Erwartungen hat, die dann übertroffen werden. Doch dann gerät der Kommentar wirklich aus der Kurve: „Dass Berthold Beitz sich nun für den Verbleib von Michael Kaufmann ausspricht und Kurt Masur dem Kuratorium der Philharmonie beitreten will, bedeutet eine völlig neue Dimension innerhalb der peinlichen Debatte.“ Das ist doch komplett unverständlich! Was ist die neue Dimension? Und wieso ist sie innerhalb einer Debatte? Doch es wird noch schlimmer, wenn sich „die einst geschlossenen Lager … zu polarisieren (beginnen)“. Welches Lager polarisiert sich und wie muss man sich diese Polarisierung vorstellen? Zumal ja jetzt noch „die Alarmleuchten zu glühen beginnen“. Weil man nämlich „sehenden Auges … die Karre laufen (ließ)“. Nun mag ja die Karre im Dreck stecken, aus dem man sie rausziehen muss. Und ebenso bekannt ist die Redensart, wonach jemand sehenden Auges in sein Unglück rennt, die Kombination aus diesen beiden Sprachbildern führt die Karre aber leider sehenden Auges in den sprachlichen Dreck, aus dem sie keiner mehr rausziehen kann.
Und nun kommt leider auch noch das „Fazit: Kulturpolitik und Aufsichtsrat haben versagt, Kaufmann nicht … disziplinieren zu können.“ Da hat nun leider der Autor bei der doppelten Verneinung versagt, uns nicht richtig informieren zu können, denn sonst hätte er geschrieben, dass die genannten Institutionen dabei versagt haben, Herrn Kaufmann zu disziplinieren.

26. September 2008

Folgen auf die Bestellungen mit weniger als eine Million

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:32

„… das hat Folgen für den Konsum und auf die Bestellungen in Deutschland“ erklärt uns der Kommentar auf der Titelseite die Finanzkrise in den USA. Mag ja sein. Aber warum unterschiedliche Präpositionen beim Konsum einerseits und den Bestellungen andererseits? Zumal „auf“ in beiden Fällen unangebracht ist.
Und auch das Ende des Kommentars ist schräg: „Es bleibt zu hoffen, dass schlussendlich der Kapitalismus sein angelsächsisches Raubtiergesicht verliert und die europäische Art des Wirtschaftens Oberwasser bekommt.“ Wie soll der Kapitalismus irgendein Raubtiergesicht verlieren (egal ob angel- oder sächsisch)? Ja, und dann das Oberwasser. Normalerweise bedeutet diese Redewendung, dass jemand anderen gegenüber eine bessere Position einnehmen kann („jetzt kriegt der Peer wieder Oberwasser“), aber nun soll das einer „Art des Wirtschaftens“ (was ist das denn?) gelingen?

Steinbrück hingegen, so können wir im Hauptartikel auf Seite 1 lesen, „formulierte … schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung“. Warum hat er sie nicht einfach erhoben, wie man das normalerweise mit Vorwürfen macht? Vielleicht, weil nun ein Zinsschaden droht, „den die EDG mit weniger als eine Million Euro beziffert“ und ihm ein Schaden von weniger als einer Million lieber gewesen wäre. Mir auch, und nicht nur grammatikalisch.

25. September 2008

Verbiegungswerkzeuge …

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:34

… scheint es tatsächlich zu geben. Wir finden sie unter der Überschrift „Bittere Klagen über Spott und dümmliche Arroganz“ auf der Seite 2. Zumindest ist die Autorin so verliebt in das Bild vom Verbiegen, dass sie sich nicht scheut, auch unsere Sprache entsprechend zu behandeln: „In Berlin scheinen Werkzeuge erfunden worden zu sein, die nur dem Zweck dienen, einen einzigen Mann zu verbiegen.“ Soweit, so äh. „Vermutlich hätte sogar jeder Halbverrückte ihm abgeraten, andauernd verschlungene Andeutungen über Intrigen und die Berliner Verbiegungsindustrie zu veröffentlichen.“ Soweit, so hä? Und danach wird nicht mehr verbogen, nur noch unsere Sprache: „Vor zwei Tagen sah Beck unter den Verdächtigen, die dem Spiegel die Information gegeben haben sollen, Frank Walter Steinmeier habe dem Vorsitzenden die Kanzlerkandidatur entwinden müssen, noch Hinweise auf Gerhard Schröder.“ Doppel Hä.
Auf jeden Fall kann ich mir jetzt endlich was unter „Verbiegungswerkzeugen“ vorstellen.

24. September 2008

Selbstherrlichkeit wird einberaumt

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:28

Im Kommentar auf Seite 2, nachdem die „Zerrüttung der Sozialdemokratie bis auf die unterste Ebene ausstrahlt“, gab sich der Dortmunder OB „zu sehr seiner Selbstherrlichkeit hin“. Hingabe. Selbstherrlichkeit. Aber zu sehr. Naja.

Dann gibt es die „eilig einberaumte Pressekonferenz“ auf der Rhein-Ruhr-Seite. Entschuldigung: Aber entweder wird so eine Konferenz anberaumt oder einberufen, ansonsten muss ich mich meiner Selbstherrlichkeit hingeben.

23. September 2008

Nach langen psychischen Kämpfen gerät das Gleichgewicht ins Trudeln, weshalb der Weg keinen glücklichen Ort findet und die Tassen im Schrank bleiben müssen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 18:45

Heute hat die WAZ gleich zu Beginn (Kommentar auf Seite 2) eine merkwürdige Empfehlung für uns: „Der wahrscheinlich beste Rat an jeden Einzelnen lautet daher: Leute, lasst die Tassen im Schrank.“ Hier fällt zunächst auf, dass jeder Einzelne mit „Leute“ (also Plural) angeredet wird, aber das ist nicht das Einzige, was uns verstört. Denn vermutlich wollte man uns so etwas empfehlen wie: „die Kirche im Dorf lassen“, oder so. Denn das ist der Ausdruck der Wahl, wenn man empfehlen will, die Dinge in Ruhe und mit Überlegung anzugehen. Warum da jetzt Tassen draus wurden, kann man nicht wirklich nachvollziehen (denn wenn einer nicht alle davon im Schrank hat, ist damit ja eher sein Geisteszustand gemeint). Vielleicht, weil der Schreiber nicht alle Nadeln an der Tanne lassen konnte?

Auf der Seite Rhein-Ruhr hat ein des sexuellen Missbrauchs angeklagter Pfarrer „14 Jahre lang … mit der Lüge gelebt, einen zwölf Jahre alten Jungen sexuell schwer missbraucht zu haben“. So schlimm das alles auch immer sein mag – wenn man’s genau nimmt (und ich tue das leider immer), dann hat er mit der Tatsache des Missbrauchs gelebt und vermutlich mit der Lüge, den frommen Pfarrer geben zu müssen, oder?

Der schönste Artikel des heutigen Tages steht indes auf der Menschen-Seite. Im Artikel über Romy Schneider, „die heute 70 Jahre alt würde“, wobei ich besser gefunden hätte, wenn sie heute 70 Jahre alt werden würde (Konjunktiv-Passiv ist ja fast völlig ausgestorben heutzutage), also jedenfalls starb die arme Romy „nach langen psychischen Kämpfen“. Will man diese noch tolerieren, so lässt aber total verwundern, „dass irgend etwas in ihrem Leben hätte passieren müssen, das ihr das Gleichgewicht, das von frühester Zeit an ins Trudeln geriet, wieder zurückgegeben hätte.“ Entweder ist sie aus dem Gleichgewicht geraten oder ins Trudeln gekommen; ansonsten ist der Satz ins Trudeln geraten, ein Gleichgewicht vermag das nicht.
Und so vermag sich auch nicht „der Wunsch nach Komplettheit zu erfüllen“, selbst wenn sie die Fähigkeit hatte, „ihr Geheimnis zu mischen“ und „und all die Sissi-Vergötterer… von ihr als Täter für diese schlimmen Ich-Krisen festgemacht“ wurden. Da hat die Schreiberin nun wirklich ein sprachliches Geheimnis gemischt und wird von mir als Täterin für schlimme Schreib-Krisen ausgemacht, äh, nein, festgemacht, weil da leider kompletter Unsinn raus gekommen ist.
Und „Warum Romys Weg keinen glücklichen Ort finden konnte“, wie am Ende des Artikels gefragt wird, wundert mich auch nicht: Wege können keine Orte finden, höchstens zu selbigen führen. Das zumindest finde ich.

22. September 2008

An Etikettenschwindel erkranken

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:00

Auf der Seite Rhein-Ruhr „krankt“ der Plan der Kölner Rechtsextremisten „an Etikettenschwindel“, und anschließend wird einer von denen „,Totalversagen der Kölner Polizeiführung‘ … am Sonntag auf der Pro-Köln-Internetseite proklamieren“. Bin ich zu pingelig, wenn ich finde, dass beide Formulierungen daneben sind, weil a) nichts an Etikettenschwindel kranken kann und b) „Proklamieren“ für feierliche Erklärungen vorbehalten ist?

20. September 2008

Mit gefletschtem Lächeln

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 13:24

Ein Hund, der seine Gegner einschüchtern will, fletscht die Zähne. Und was macht Müntefering? „Müntefering, der noch vor seiner Wahl zum Vorsitzenden die Parteizentrale umorganisiert, wird mit gefletschtem Lächeln Anhänger mobilisieren“, steht im Kommentar auf Seite 2. Hm, der fletscht also sein Lächeln. Wie macht man das? Wie mobilisiert man so seine Anhänger, wenn man sie nicht einschüchtern will? Und was soll das eigentlich bedeuten?
Im folgenden Absatz dann eine überraschende grammatikalische Konstruktion: „… der bisherige Plan der Union, die Wähler mit einer Roten-Socken-Kampagne gegen SPD und Linkspartei aufzubringen …“ (klingt irgendwie ein bisschen wie die „Semmeln-Knödeln“ von Karl Valentin) Ja, wenn es eine rote Socken-Kampagne wäre! Dann könnte man natürlich von einer roten (Socken-)Kampagne sprechen. Da es sich aber um eine Rote-Socken-Kampagne handelt, muss man auch von einer „Rote-Socken-Kampagne“ reden, am besten auch in Anführungsstrichen. Ansonsten muss ich die roten Socken fletschen …

19. September 2008

Konjunktiv ist Glückssache

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:04

… und zwar selbst bei einem Ex-Minister: „Es wäre ein Riesenfehler von Grünen und Umweltbewegung, wenn sie an diesem Punkt unrealistisch sind“, lässt sich der Grüne Joschka Fischer auf der Politik-Seite in der WAZ vernehmen. Nun ist ja Konjunktiv heutzutage schon fast verpönt und gilt allenfalls als verstaubtes sprachliches Relikt aus dem letzten Jahrhundert, möchte man meinen. Es wäre aber kein Riesenfehler vom Ex-Minister gewesen, wenn er Folgendes von sich gäbe (nicht gibt): „Es wäre ein Riesenfehler von Grünen und Umweltbewegung, wenn sie an diesem Punkt unrealistisch wären.“

Das könnte uns (oder auch den Grünen) dann zu denken geben. Und nicht etwa „zu Denken“, wie die WAZ im Kommentar auf Seite 2 schreibt.

Und zum Abschluss noch eine schöne Formulierung im Wirtschaftskommentar: „Ein Problem der KfW sind auch die viel zu vielen Politikerköpfe, die in der Bank rumwurschteln“. Das finde ich allerdings auch. Rumwurschtelnde Köpfe sahen schon immer doof aus.

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