WAZblog

31. January 2009

Mein Name ist Hase

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:46

… und ich weiß von nix! Jedenfalls nix von Grammatik. Anders wäre die folgende Headline auf der Rhein-Ruhr-Seite nicht zu erklären: “Karambolage wegen Hase”. Nun muss man in dem Fall glücklicherweise nicht streiten, ob nach “wegen” der Genitiv oder der Dativ steht, zumal es in beiden Fällen “Karambolage wegen Hasen” heißen müsste, aber eines ist klar: Der Nominativ ist in jedem Falle falsch!
Der Artikel hat zwar nur etwa 30 Zeilen, trotzdem gelingt es, auch da noch einen Fehler einzubauen: “Zum Glück verlies er das Fahrzeug sogleich …” Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass er das Fahrzeug nicht verlesen, sondern verlassen hat.
Und auf solche Dinge sollten man doch hin und wieder achten – schon wegen die Leser.

30. January 2009

Kampfkandidatin ein stückweit verloren

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:34

Wie weit ist ein stückweit? Nicht so weit, denn leider gibt es das gar nicht. Was die WAZ aber nicht daran hindert, immer mal wieder darauf zurück zu kommen. Heute zitiert sie auf der “Rhein-Ruhr-Seite” eine türkischstämmige Akademikerin wie folgt: “Sie fühlen sich auch ein stückweit verloren.” Wenn schon, dann wäre es ein Stück weit, allerdings kann ich vom Gebrauch dieser Floskel nur abraten, weil sie nicht nur nichts aussagt, sondern auch noch dämlich ist.

Aber kommen wir doch zur nächsten kreativen Wortneuschöpfung. Fett in der Headline auf der Politikseite: “Die Kampfkandidatin”! Was, bitte schön, ist das? Die Kandidatin für einen Kampf? Aber Frau Schwan, um die es in dem Artikel geht, kandidiert für das höchste Bundesamt, nicht für einen Kampf. Oder soll es vielleicht etwas mit einer “Kampfkandidatur” zu tun haben? Von der spricht man allerdings nur, wenn es innerhalb einer Partei zu heftigen Auseinandersetzungen um ein Amt kommt. Kann also auch nicht sein.
Muss daher offen bleiben. Und warum sollten uns solch profane Dinge stören, denn “meistens bringt Gesine Schwan ihre verblichenen Freunde zu öffentlichen Auftritten mit.” Und wer will angesichts solcher Voodoo-Fähigkeiten kleinliche Sprachkritik üben? Äh … ich!

29. January 2009

Betretene Mienen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:48

Achtung! Nicht die Mienen betreten! Nein, nein, hier handelt es sich nicht um eine falsch geschriebene Warnung in einem Kriegsgebiet. Gemeint, auf der “Rhein-Ruhr”-Seite, sind hier wirklich die „Mienen“ im Sinne von Gesichtsausruck: “Betretene Mienen” verheißt uns schon die Zwischenüberschrift und dann geht es im Text wie folgt weiter: “Mit betretenen Mienen, wortlos, ratlos, in Gedanken schon im Frühjahr, arbeitslos, und manchmal mit Galgenhumor: ‘Da kann ich schön den Garten machen, das ist die richtige Zeit.'” Wenn Sie das übrigens insgesamt schon unverständlich finden, wundert mich das nicht. Denn erstens ist das kein Satz und zweitens sind die Kommata falsch gesetzt, was es zusätzlich erschwert, einen Sinn in dem Geschriebenen zu entdecken.
Doch zurück zu den Mienen. Betretenes Schweigen ist bekannt. Aber Mienen? Wo kommen die her? irgendwer muss da mal betretene Gesichter draus gemacht haben. Und von da ist der Weg zu den Mienen nicht weit. Google weist über 6000 betretene Mienen auf. Ich gebe mich geschlagen.
Auch von der umgangssprachlichen Formulierung ein paar Zeilen davor: “Jetzt in aller Frühe, als grad erst auf ist und alles noch leer, stehen sie beisammen.” Zumindest ist ja nicht vom aufen Geschäft die Rede…
Ein paar Absätze weiter lesen wir von der “Tristesse des Augenblicks, der nicht weichen will”, was auch nicht viel besser ist, weil man nun nicht weiß, ob wirklich der Augenblick nicht weichen will (warum sollte er auch?) oder ob die Tristesse gemeint war.
Und gegen Ende des Artikels tröstet der Oberbürgermeister sich und die Leser mit den Worten: “Auch wenn wir über einen stabilen Besatz an Einzelhändlern verfügen”. Müssen Politiker so reden? Dann wundert mich nicht, dass die Politikverdrossenheit zunimmt. Deutlicher kann man nicht zeigen, dass man auf einem anderen Planeten lebt.
Und nun möchte ich bei Ihnen mal eine betretene Miene sehen, Herr Oberbürgermeister!

28. January 2009

Harte Einschnitte

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 23:06

Das wird ja gern genommen: “Harter Schlag insbesondere für das ohnehin gebeutelte Ruhrgebiet”, beginnt der Artikel, und ich frage mich mich, warum man nicht einen schweren genommen hat.
Vermutlich, weil auch “Insgesamt … von den harten Einschnitten 520 Vollzeit-Arbeitsplätze betroffen” sind. Auch, wenn es vielleicht eher tiefe gewesen wären.

Mit solchen Kleinigkeiten hat man glücklicherweise im Essener Lokalteil gar nichts zu tun, denn “Baumstümpfe sind ein Dorn im Auge”, heißt es da in einer fetten Headline. Und das muss erstmal einer nachmachen!

27. January 2009

Im angeklagten Zeitraum starrt ein Mond-äner Vamp das Gewissen an

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:57

Im Aufmacher auf der Titelseite kommt erneut die beliebte Universalpräposition zum Einsatz: Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde “zeigte sich irritiert über die Diskussion”, und nicht etwa von derselben.

Im nebenstehenden Kommentar zum Urteil im Fall Zumwinkel stellt man sich die Frage, “warum er im angeklagten Zeitraum … zehn Millionen Euro zahlte” und ich frage mich, warum anstatt des Ex-Postchefs ein Zeitraum angeklagt wurde.

Vielleicht, weil der Arme ohnehin unter großem Druck steht, wie wir auf der “Rhein-Ruhr”-Seite erfahren: “Den Blick ins große Publikum im Saal vermied der ehemalige Post-Chef, als würde ihn dort ein schlechtes Gewissen anstarren.” Das kommt öfter vor als man denkt. Da schaut man nichts ahnend ins Publikum, und schon starrt so ein schlechtes Gewissen voll zurück!

Überhaupt, was einem in Gerichtssälen so passieren kann! Darüber klärt uns ein kleiner Hintergrundartikel auf derselben Seite auf, der das Beispiel Al Capone referiert: “Doch der Richter in Chikago ließ die bestochenen Geschworenen auswechseln. Ergebnis: Elf Jahre Gefängnis. Oder Ägypten.” Wie, konnte Capone zwischen Gefängnis und Ägypten wählen? Lesen wir weiter: “Zur Zeit der Pharaonen ließ der Staat Steuerhinterzieher auspeitschen.” Passt aber immer noch nicht so richtig. Nach der Zwischenüberschrift (“Im alten Ägypten”) können wir dann lesen: ” Genutzt hat diese Härte wenig. Al Capone führte sein Imperium vom Knast aus weiter…” Also. War er nun im Knast oder in Ägypten? Wir werden es wohl nie erfahren…

Also blättern wir um. Und finden auf der Welt-Seite eine interessante Beschreibung der neuen Dschungel-Königin Ingrid van Bergen: “Aber es gab Jahre, da erschien sie eher als mond– (neue Zeile) äner Vamp…” Das muss ein Geschöpf sein, das – ähnlich einem Werwolf – nur bei Mondlicht sein Unwesen treibt. Naja, als Vamp – warum nicht?

Es gibt Schlimmeres. Davon lesen wir auf der Wirtschaftsseite: “Gebeutelt durch die Wirtschaftskrise, durch Kreditklemmen, aber auch durch Fehlentscheidungen, hängt Schaeffler-Conti jetzt am Fliegenfänger des Staates und bettelt um materielle Hilfe.” Selbst, wenn man nicht weiß, was ein Fliegenfänger des Staates ist, ist es schon grausam genug, durch Klemmen gebeutelt zu werden.
Da möchte man schon eher das Gewissen anstarren. Oder Ägypten.

26. January 2009

Mit grobem Keil das Profil schärfen und die Ordnung unterpflügen

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 21:03

Im Kommentar auf Seite 2 stellt “die Krise vieles auf den Kopf”. Offenbar auch das Sprachvermögen von Journalisten, denn “die Ordnung gerät mächtig durcheinander, untergepflügt von Krisenbekämpfern.” Diese Krisenbekämpfer! Können die nicht einmal etwas unterpflügen, ohne gleich die Ordnung durcheinander geraten zu lassen?

Vielleicht sieht deshalb auch im nebenstehenden Artikel “Handlungsbedarf, nun zum groben Keil statt zur Nagelfeile zu greifen, um ihr Profil zu schärfen.” Na klar, auf den groben Klotz gehört ein grober Keil, so sagt zumindest die Redewendung, dass man damit aber nun auch ein Profil schärfen kann, ist eine echte Innovation.

Genauso wie die “Ban-dansagen” gegen die man sich auf der “Rhein-Ruhr”-Seite wehren soll. Oder sind die Bandan-Sagen ein Teil anderer Sagen, z.B. der Nibelungen? Schade, leider stellen sie sich nur als Trennungsfehler heraus, denn gemeint waren Band-ansagen, die von unseriösen Telefonwerbern abgespielt werden.
Glücklicherweise kann man sich dagegen wehren. Nicht gegen die Trennfehler, aber ansonsten “hat der Kunde ein Wiederrufs- und Rückgaberecht…” Dagegen möchte ich nun aber Widerspruch einlegen, weil es sich nunmal um ein Widerrufsrecht handelt.

Welches ich am liebsten auch auf der “Ratgeber Auto”-Seite angewendet haben will. Hier heißt es nämlich in einer fetten Headline: “Am Ende fiel David Bowie aus den Angeln”. Im Artikel selbst erfahren wir dann zwar, dass die Türen eines Autos, genannt “David Bowie”, aus den durchgerosteten Scharnieren fielen, nicht aber, woher die absonderliche Mischung von “aus den Angeln heben” und “aus allen Wolken fallen” stammen könnte.
Vermutlich von der mit dem groben Keil untergepflügten Ordnung.

24. January 2009

Finstere Vermutungen kochen den roten Faden

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 22:32

Oh, wie habe ich das vermisst! Formulierungen wie diese: “Der Präsident räumte ein, dass die rasche Verabschiedung des geplanten Konjunkturpakets den Kongress eine harte Aufgabe sei”. Das macht direkt Appetit auf mehr.

Und schon finden wir Folgendes im Sportkommentar: “Die traurige Nachricht … war kaum auf dem Markt, als finstere Vermutungen die Runde drehten. Der Verdacht des Dopings, der neuerdings immer sehr schnell hochkocht, wenn ein Spitzensportler ‘unter ungeklärten Umständen’ stirbt, webte in vielen Kommentaren den roten Faden wilder Spekulationen.”

Da dreht bei mir sogleich die finstere Vermutung die Runde, dass der rote Faden verloren gegangen ist, weil das den Kongress eine zu harte Aufgabe war. Oder ist das jetzt eine hochgekochte Spekulation?

23. January 2009

In der Schmuddelecke sinken und in den Wunden bohren

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:04

“So tief sind wir gesunken, in der Schmuddelecke der Berufs- und Verbandspolitik”, wird heute auf der Titelseite der Chef der KV Nordrhein zitiert. Wir wollen mal zu seinen Gunsten annehmen, dass er nicht gemeint hat, man sei in der Schmuddelecke abgesunken oder gar, man sei in die Schmuddelecke herabgesunken, aber was hat er dann gemeint? Möglicherweise, dass man so tief gesunken sei, dass man sich nun in der Schmuddelecke befinde. Was aber auch schon die nächste Frage aufwerfen würde: Warum ist die Ecke unten?

Ich fürchte, wir werden das nicht abschließend klären können, genauso wenig, wie die folgende Formulierung des Chefredakteurs im Kommentar auf Seite 2: “Herr Philips ist Chefberater neue Medien von Barack Obama.” Sollte er nicht wenigstens Chefberater für neue Medien sein? Oder wenn es eine Berufsbezeichnung sein sollte, müsste man dann nicht vom Chefberater “Neue Medien” reden? Andernfalls fürchte ich, dass demnächst noch von einem Hilfsberater diverse Sendungen und Berichte die Rede ist. Und das wäre doch ganz furchtbar, oder?

22. January 2009

Donnerstag

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:07

… folgt nach …

21. January 2009

Schwere Pfunde

Filed under: Allgemeines — msteinmen @ 20:01

Im Essener Lokalteil finden wir diese Headline: “Dünne Luft gegen schwere Pfunde”. Das erinnert mich an die alte Scherzfrage: Was ist schwerer, ein Pfund Blei oder ein Pfund Federn? Und warum hat man nicht einfach “Dünne Luft gegen dicke Pfunde” getitelt? Das wäre zwar nicht richtiger, aber immerhin schöner gewesen.

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