Harmonie über

„,Berggruen und das Management befinden sich über die Fortsetzung der Karstadt-Strategie in Harmonie miteinander’, so eine Mitteilung des Konzerns“ (Montag, 10.6.2013, Tagesthema). Das ist zwar nicht Original-WAZ, sondern ein Zitat, scheint den WAZ-Redakteuren aber nicht weiter aufzufallen. Vielleicht befinden sie sich über das Verschwurbeln der Sprache auch in Harmonie mit Konzern-Mitteilern.

Auskeilen und im Getriebe knirschen

Es mag ja sein, dass jemand, der in einer Auseinandersetzung kräftig austeilt, auch gegen seine Gegner keilt. Aber muss man da gleich ein neues Wort draus machen? „,Das halte ich für verheerend’, maulte CDU-Mann Reinhard Grindel und keilte gegen die Gegner des Gesetzentwurfs aus“ (Mittwoch, 5.6.2013, Politik).

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„Doch plötzlich knirscht es im Getriebe“ (Dienstag, 4.6.2013, Essener Lokalteil). Und vermutlich ist Sand im Gebälk?

Schöhnheit

Die Schöhnheit der deutschen Sprache hat uns die WAZ ja schon häufiger nahegebracht. Diesmal aber im wörtlichen Sinn und 28-Punkt-Schriftgröße: „Wie Männer sich ins eigene Fleisch schneiden lassen. Der Trend zur Schöhnheitschirurgie“ (Samstag, 1.6.2013, Titelseite Wochenende).

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Auch schön, Pardon, schöhn: „Beim jetzigen Modell werde die Gläubiger-Struktur auf breitere Füße gestellt“ (Dienstag, 28.5.2013, Titelseite Essener Lokalteil). Wenn breitere Schultern mehr tragen können und Sachverhalten vom Kopf auf die Füße gestellt werden, warum sollen uns dann die breiteren Füße stören? Ein Frosch, der Böses dabei denkt!

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Und nun ein schöner Superlativ: „Skype ist nicht das einzige, aber das verbreitetste Programm“ (selbe Ausgabe, Leben). Verbreitet, verbreiteter, am verbreitetsten. Ja, klar!

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Zum Abschluss ein schönes Werkzeug: „Sigi braucht einen Schraubendreher und drei Minuten“ (Mittwoch, 29.5.2013, Rhein-Ruhr). Ich weiß, ich weiß, viele halten das für richtig(er) und selbst der Duden kennt das Wort. Er bezeichnet es aber als „Fachsprache“ und nennt ansonsten den guten alten „Schraubenzieher. Bedeutung: Werkzeug, das aus einem vorne spatelförmig abgeflachten stählernen Stift mit Handgriff besteht und zum Anziehen und Lockern von Schrauben mit geschlitztem Kopf dient.“
Vielleicht sollte man an dieser Stelle einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass man nicht für alle Wörter Ersatz finden muss, deren Bedeutung vielleicht nicht hundertprozentig mit der benannten Tätigkeit zu tun hat. Oder soll man einen Schlüssel als „Schlossaufmacher“, ein Messer als „Schneider“ (weil man damit schneidet und nicht misst) und eine Zange als „Kneifer“ bezeichnen, weil man mit ihr kneifen, aber nicht „zangen“ kann?