Die Fassade schmelzt

Manchmal möchte man ja seinen Augen nicht trauen – aber es steht da wirklich, in einer mindestens 60 Punkt großen, fetten Headline, und auch nach Zwinkern und Augenreiben will es nicht verschwinden: „Warum Deutschland Gold schmelzt“ (Mittwoch, 24.10., „Wirtschaft“). Da ist man versucht zu rufen. „Les dat oder sterb doch!“

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Und die Fassade? Die kann glitzern oder glänzen. Seit neuestem lässt man „sich jahrelang von der Fassade eines eitlen Selbstdarstellers blenden“. Naja. Aber Gott sei Dank ist das jetzt vorbei. Weil sie etwa bröckelt, wie das Sprachbild nahelegt? Nein: „Jetzt fällt die Fassade.“ (Samstag, 27.10., Titelseitenkommentar). Aber vielleicht schmelzt sie ja auch.

Das Urteil fiel gegen ein Kreditinstitut

… und da machte es „Bumm!“ und die Bank stürzte ein. Müssen wir also Urteile besser sichern, damit sie nicht mehr gegen Häuser fallen können? Oder sollte man sich vielleicht lieber Sätze wie diese verkneifen: „Erst fiel in Bamberg ein Urteil gegen ein dortiges Kreditinstitut …“(Montag, 8.10.2012, Titelseite)? Und sich daran erinnern, das Urteile zwar gefällt werden, deshalb aber noch lange nicht fallen müssen? Und den Gebrauch von Präpositionen sollte man vielleicht auch noch mal üben …