Clement entmannt und Merkel renoviert

Herr Clement! Sie hatten doch schon ein Sprachordnungsverfahren von mir bekommen! Und was muss ich heute auf der WAZ-Titelseite von Ihnen vernehmen? „Ich sollte unter Mitwirkung von Franz Müntefering entmannt werden.“ Mal abgesehen davon, dass einer von uns beiden einen falschen Begriff von „Entmannen“ hat (oder sollten Sie gemeint haben, dass nach der Rüge Ihre Äußerungen nicht mehr so … äh … spritzig sein würden?), ist auch der Satzbau reichlich schräg: Unter Mitwirkung von! Soll das Deutsch sein? Entweder „unter“ oder „mit“ oder „von“, alle drei Präpositionen auf einmal sind ein bisschen viel. Schon „Münteferings Mitwirkung“ hätte da einiges besser gemacht. Bleibt dann immer noch das „Unter“. Und das klingt einfach nicht gut. Aber „mit Mitwirkung“ geht natürlich auch nicht. Vertrackte Geschichte, echt! Vielleicht liegt das daran, dass das Ganze insgesamt Blödsinn ist: Jemanden unter der Mitwirkung von jemandem entmannen.
Es wird auch nicht besser davon, dass es auf der Politik-Seite noch zweimal wiederholt wird. Nein, stattdessen wird es schlimmer. Zumal Sie mit dem Satz zitiert werden, Sie wollten sich nicht „einer eingeschränkten Meinungsfreiheit unterwerfen„. Keine Sorge, das geht nämlich gar nicht: Einer Meinungsfreiheit kann man sich nicht unterwerfen, weder einer eingeschränkten noch einer uneingeschränkten. Ich vermute, Sie wollten Ihre Meinungsfreiheit nicht einschränken lassen oder aber sich nicht irgendwelchen strengen Regeln unterwerfen.
Das alles wäre jetzt genug Material, Ihnen eine weitere Sprachrüge zu erteilen, aber ich fürchte, Sie würden dann am Ende noch aus der deutschen Sprache austreten und das wäre doch – irgendwie wunderbar!

Der Chefredakteur wurde nicht entmannt, trotzdem hat er Probleme mit Beziehungen. Im Kommentar auf Seite 2 fabriziert er zwei geradezu exemplarische Beziehungsfehler: „Grund genug für Tillich, viele Jahre zu verschweigen, wie tief er sich eingelassen hatte. (Absatz) Angela Merkel hat es nicht verschwiegen. Sie war Mitglied der Freien Deutschen Jugend… “ Demnach hat sie nicht verschwiegen, wie tief sich Tillich eingelassen hat.
Im nächsten Absatz wird es dann noch schöner: „Die Akademie-FDJler beschafften Merkel eine provisorische Bude, renovierten sie und besorgten ihr auch noch die Möbel.“ Wenn die FDJler Merkel renoviert haben, wundert einen natürlich gar nichts mehr!

Das hätte jetzt ein schöner Schlusssatz werden können, aber leider steht heute noch viel mehr in der WAZ. Auf der Rhein-Ruhr-Seite übt man Rechtschreibung: Unter der Headline „Zuhause“, steht im Artikel zunächst „zu Hause“ und am Ende wieder „zuhause“. Nach der reformierten Rechtschreibreform ist jetzt zwar beides möglich, aber muss es den unbedingt in einem Text sein, damit man sich dann was aussuchen kann?
Auf derselben Seite noch eine interessante Rechtschreibübung: „… dass sich im-(neue Zeile) Laufnoch eine Patrone befand“ und auf der Rückseite in der Headline ein WAZologismus: „Großer Sehnsuchts-Stau“. Im zugehörigen Artikel eine Formulierung, die man sich wirklich mal (wie Piet Klocke so schön sagt) „auf der Zunge vorstellen“ kann: „Wer den Nervenkitzel gesucht hatte, konnte ihm deshalb in im Wortsinn geordneten Bahnen nachschmecken.“

Auf der „Menschen“-Seite wird eine „Prinzessin sieben Jahre als“ anstatt alt und auf der Politik-Seite (über Clements Entmannung) soll mal wieder „niemand auf die Idee kommen, Frau Merkel sei eine Getriebene“.

Besonders ergiebig ist heute auch der Sportkommentar. Hier ist zunächst die Rede von „hochfliegenden Ansprüchen, die von happigen Millionen-Investitionen unterfüttert wurden…“ Normalerweise werden Mäntel unterfüttert, seit Neuestem wohl auch hochfliegende Ansprüche.
Kurz danach ist die Rede davon, dass „der Uefa-Cup bereits ein kümmerliche Trostpreis“ war.
Gegen Ende des Kommentars finden wir eine total verunglückte Formulierung: „Die Zahl der Kritiker von Trainer Fred Rutten, der offenbar weder mit der Klasse noch mit dem Charisma seines Landsmanns Huub Stevens vergleichbar ist, wächst proportional mit jenen Zweiflern, die Manager Andreas Müller und seine missratene Personalpolitik mit Recht in Frage stellen.“ Puh! Was für ein Satz! Da weiß man gar nicht so recht, wo man anfangen soll. Also: zunächst mal kann man schlecht einen Trainer mit einem Charisma vergleichen (dann schon lieber die berühmten Äpfel mit den Birnen), sodann wächst eine Zahl nicht so leicht mit den Zweiflern (sondern auch eher mit ihrer Anzahl), und gar proportional mit denselben dürfte ihr noch schwerer fallen; und schließlich frage ich mich (aber nur beiläufig), warum die Zweifler die Personalpolitik nicht zu Recht in Frage stellen.
Wenn man jetzt denkt, man hätte damit das Schlimmste hinter sich, hat man den Einfallsreichtum von WAZ-Autoren unterschätzt, denn nun folgt: „Dieses Gebräu an Misshelligkeiten könnte sich zum großen Knall entladen…“
Man möchte hinzufügen: Und wer weiß, wer dadurch entmannt wird!

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