{"id":59,"date":"2008-09-18T21:17:42","date_gmt":"2008-09-18T19:17:42","guid":{"rendered":"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?p=59"},"modified":"2008-09-26T20:00:30","modified_gmt":"2008-09-26T18:00:30","slug":"brutaliserende-aktionen-toben-auf-dem-hohepunkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/brutaliserende-aktionen-toben-auf-dem-hohepunkt\/","title":{"rendered":"Brutaliserende Aktionen toben auf dem H&#246;hepunkt"},"content":{"rendered":"<p>Die WAZ gibt immer dann am meisten her, wenn sich ihre Autoren emp&#246;ren und ihre Leser mit in ihre Emp&#246;rung hineinziehen und hineinschreiben wollen. Da reichen dann normale Sprachbilder nicht aus, da werden neue Adjektive erfunden oder so verst&#228;rkt, dass sie nahezu unverst&#228;ndlich werden. So auch heute im Bericht zum Film &#8222;der Bader-Meinhoff-Komplex&#8220; auf der Kultur-Seite.<\/p>\n<p>D.h., eigentlich f&#228;ngt es schon auf der Titelseite an. Unter einem Szenenfoto verungl&#252;ckt schon das erste Adjektiv, &#8222;die <strong>eiskalte<\/strong> Mordlust&#8220;. Es gibt eiskalte M&#246;rder und eiskalt ausgef&#252;hrte Morde, aber eiskalte Lust? Wenn die Mordlust schon unbedingt durch ein Adjektiv aufgewertet werden muss, um die Emp&#246;rung zu verst&#228;rken, wie w&#228;r&#8217;s denn dann mit &#8222;rein&#8220;? Denn wenn die Lust kalt wird, sollte man sich eher Gedanken um seine Libido machen.<\/p>\n<p>Auch der Kommentar auf Seite 2 &#252;berschl&#228;gt sich vor Mordlust: Der Terror &#8222;\u2026 hat unter dem verlogenen Anspruch, eine gerechte Welt zu schaffen, skrupellos Leid und Trauer <strong>ges&#228;t.<\/strong>&#8220; Mal abgesehen davon, dass man sich fragt, wie ein <strong>Anspruch<\/strong> verlogen sein kann, ist der Rest des Satzes auch wieder reichlich neben der Spur. Denn wie man Leid und Trauer s&#228;t, und dann auch noch skrupellos und unter einem Anspruch, muss mir der Autor mal vormachen.<br \/>\nEinige Zeilen sp&#228;ter wird dann die RAF &#8222;als Mordlustbande&#8220; entmystifizert. Von Banden hat man schon geh&#246;rt, von Mordbanden auch, aber von Mord<strong>lust<\/strong>banden?<br \/>\nDas ist dann ein eher <a href=\"http:\/\/de.answers.yahoo.com\/question\/index?qid=20070513043032AAs6bYY\">kruder<\/a> Ausdruck, und so etwas gibt es auch tats&#228;chlich, nicht aber die &#8222;kruden Sympathiesanten&#8220;, von denen am Ende des Kommentars die Rede ist.<\/p>\n<p>Die eigentlichen Highlights zum Thema finden wir dann aber auf der Kultur-Seite in besagtem Bericht. Hier erfahren wir z.B., dass in den 60er Jahren &#8222;die Studentenunruhen auf dem H&#246;hepunkt tobten&#8220;. Wie toben Unruhen? Und dann noch auf dem H&#246;hepunkt? Dass sich die Unruhen nur auf dem H&#246;hepunkt <strong>befanden,<\/strong> war dem Autor offenbar nicht heftig genug, also lie&#223; er sie toben. Und mich gleich mit.<br \/>\nDa schrecken mich dann die &#8222;B&#252;rger<strong><em>s<\/em><\/strong>kinder&#8220; im n&#228;chsten Absatz kaum noch, vermutlich sind sie die Abk&#246;mmlinge des B&#252;rgersmanns. Aber dass &#8222;sich die Aktionen der Terroristen von Mal zu Mal brutali<strong><em>seren<\/em><\/strong>&#8222;, st&#246;rt mich schon wieder mehr, und nicht nur wegen des fehlenden &#8222;i&#8220;. H&#228;tte es nicht gereicht, dass sie immer brutaler wurden?<br \/>\nEs folgt der neue deutsche Genitiv, der ohne Flexion auskommt: &#8222;Entf&#252;hrung von Arbeitgeberpr&#228;sident Schleyer&#8220;. Warum ist es so schwer, die &#8222;Entf&#252;hrung des Arbeitgeberpr&#228;sidenten Schleyer&#8220; zu schreiben? Danach eine falsche Trennung: &#8222;Pist-ole&#8220;, eine sch&#246;ne Wortkombination: &#8222;als sie als&#8220; und zwei Schwurbels&#228;tze, wenn erstens &#8222;Regisseur Edel dem Ziel, den RAF-Mythos als hohl und alle Wahrheit verzerrend zu demaskieren, tats&#228;chlich nahe&#8220; kommt und wenn es zweitens &#8222;wiederholt \u2026 wirkt \u2026 , als seien er und Regisseur Edel verkl&#228;renden Anwandlungen erlegen.&#8220; Das wirkt dann wiederholt, als sei der Autor verschreibenden Anwandlungen erlegen.<br \/>\nWorauf ein interessanter Superlativ folgt: &#8222;Den <strong>hartherzigsten<\/strong> RAF-Gegner muss es erweichen \u2026&#8220; Hartherzig, hartherziger, am hartherzigsten. Oder: hartherzig, h&#228;rterherzig, amh&#228;rtestenherzig? Geht auch nicht. Wirklich herzig. Nee, am herzigsten.<br \/>\nIn der Folge lassen wir dann &#8222;Assoziationen aufkeimen <em>mit<\/em> Christus am Kreuz&#8220;, oder &#8222;manches grausam bildhaft greifbar&#8220; machen, &#8222;was romantisierende Erinnerungen an das W&#252;ten der RAF unterschlagen&#8220;, aber ohne etwas zu werden, &#8222;das das Leid der RAF-Opfer aufhellen hilft&#8220;.<br \/>\nAber immerhin wird &#8222;das menschenverachtende Wesen des RAF-Terrorismus am <em>entw&#252;rdigenden<\/em> Martyrium von Schleyer erfahrbar&#8220;. Ja, ja, die Adjektive. Ist ein Martyrium nicht schlimm genug, muss es auch noch entw&#252;rdigend sein. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die WAZ gibt immer dann am meisten her, wenn sich ihre Autoren emp&#246;ren und ihre Leser mit in ihre Emp&#246;rung hineinziehen und hineinschreiben wollen. Da reichen dann normale Sprachbilder nicht aus, da werden neue Adjektive erfunden oder so verst&#228;rkt, dass sie nahezu unverst&#228;ndlich werden. 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