{"id":378,"date":"2009-09-04T19:16:01","date_gmt":"2009-09-04T21:16:01","guid":{"rendered":"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?p=378"},"modified":"2009-09-13T19:00:58","modified_gmt":"2009-09-13T21:00:58","slug":"wenn-die-kanzlerin-den-karren-aus-der-krise-zieht-und-gangstern-das-furchten-gelehrt-wird-ist-das-dicke-ende-nah","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wenn-die-kanzlerin-den-karren-aus-der-krise-zieht-und-gangstern-das-furchten-gelehrt-wird-ist-das-dicke-ende-nah\/","title":{"rendered":"Wenn die Kanzlerin den Karren aus der Krise zieht und den Gangstern das F&#252;rchten gelehrt wird, ist das dicke Ende nah"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben heute ein reichliches Pensum vor uns, da unsere Kanzlerin interviewt wurde, die ja immer f&#252;r kuriose Formulierungen gut ist. Au&#223;erdem scheinen ihr einige Autoren nacheifern zu wollen, und so hat die heutige Ausgabe viel Interessantes zu bieten.<\/p>\n<p>Also wollen wir uns erst gar nicht lange damit aufhalten, dass der th&#252;ringische Ministerpr&#228;sident &#8222;als Getriebener&#8220; aus seinem Amt geht, wie wir im Titelseiten-Kommentar lesen k&#246;nnen. Zumal wir diesen Unsinn bereits <a href=\"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?s=Getriebener\">an anderer Stelle<\/a> ausf&#252;hrlich besprochen haben.<\/p>\n<p>Im Seite-2-Kommentar ist die Rede von einem Urteil, das &#8222;sich liest wie eine schallende Ohrfeige&#8220;.<br \/>\nUnd im Leitartikel darunter erfahren wir: &#8222;Der <strong>Wasserverbrauch<\/strong> derer, die jetzt ihre H&#228;nde<strong> in Unschuld waschen,<\/strong> ist enorm.&#8220;<\/p>\n<p>Der nebenstehende Artikel verwirrt uns mit folgender Aussage: &#8222;Nicht nur die CDU\/FDP-Opposition <strong>zieht in Zweifel,<\/strong> dass Sierau vom Haushaltsloch <strong> nichts gewusst haben will.&#8220;<\/strong> Denn was wollen wir jetzt in Zweifel ziehen? Dass Zierau nichts gewusst <em>hat<\/em> oder dass er <em>gesagt hat,<\/em> nichts davon gewusst zu haben?<\/p>\n<p>Aber all das wollen wir nur der Vollst&#228;ndigkeit halber hier wiedergeben. Denn das erste Highlight folgt auf der Rhein-Ruhr-Seite: &#8222;Vier kleine Ganoven lehrten zwei <strong>gro&#223;en Gangstern<\/strong> das F&#252;rchten.&#8220; Da fragt man sich h&#246;chstens, wer den WAZ-Leuten Deutsch gelernt hat.<\/p>\n<p>Und dann endlich spricht SIE, auf die wir nun schon so lange gewartet haben, die uns schon auf der Titelseite angek&#252;ndigt wurde: Unser Kanzlerin, die gro&#223;e Politikerin, die mit &#252;ber 60 % Zustimmung regiert, die anerkannte Rhetorikerin, das Vorbild der Jugend. Und, wie immer, wenn sie spricht, gelingen ihr klare und treffende Aussagen, Formulierungen von gro&#223;er sprachlichen Sch&#246;nheit, Worte voller Klarheit und Eleganz. Worte wie diese: &#8222;&#8230; kann man von den &#228;u&#223;eren Umst&#228;nden so sagen&#8220; (auf die Frage bzw. Feststellung, dass sie eine abgeschottete Existenz f&#252;hre).<br \/>\nOder diese im n&#228;chsten Absatz: &#8222;Kann man so sagen&#8220;.<br \/>\nAber auch das hier ist nicht schlecht: &#8222;Leider war vor der Krise der<strong> internationale Konsens &#252;ber die Dringlichkeit des Handelns<\/strong> noch nicht da.&#8220; Der Konsens &#252;ber die Dringlichkeit des Handelns! Famos!<br \/>\n&#8222;Der G20-Gipfel in Pittsburgh Ende September wird konkrete weitere <strong>Schritte bringen&#8220;,<\/strong> erkl&#228;rt SIE weiter mit der ihr eigenen L&#228;ssigkeit im Umgang mit dem passenden Verb, die Sie auch bei der n&#228;chsten Frage ins Spiel bringt: &#8222;Dann sollen Banken Staaten nicht l&#228;nger wegen ihrer hohen systemischen Bedeutung <strong>zur Hilfe pressen<\/strong> k&#246;nnen.&#8220;<br \/>\nDen sch&#246;nsten Satz finden wir aber im Interview-Teil zur Atomkraft: &#8222;Das w&#228;re ein Signal f&#252;r die Leistungstr&#228;ger, die den<strong> Karren aus der Krise ziehen.&#8220;<\/strong> Wen st&#246;rt es da, dass man den Karren allenfalls aus dem <em>Dreck<\/em> zieht, wer mag da kleinlich Kritik &#252;ben?<br \/>\n(Au&#223;er mir, nat&#252;rlich.)<br \/>\nAuch wenn wir, wie die Kanzlerin sagt, &#8222;international nicht mehr <strong>mit dem gleichen Gewicht <\/strong>mitreden&#8220;.<br \/>\nDas macht n&#228;mlich nix, denn: &#8222;Ich will zudem die <strong>ergebnisoffene Erkundung<\/strong> von Gorleben als Endlager f&#252;r Atomm&#252;ll <strong>weiterf&#252;hren.<\/strong> Am Ende der Erkundung <strong>muss,<\/strong> unter Einbindung internationaler Experten, <strong>die Eignung entschieden werden.&#8220;<\/strong><br \/>\nDa soll noch einer sagen, Politiker reden unverst&#228;ndlich! Es ist uns doch nun endlich klar, wann eine Eignung entschieden werden kann: Am Ende einer Erkundung, aber nur, wenn diese ergebnisoffen gef&#252;hrt wird. Selbstverst&#228;ndlich unter Einbindung internationaler Experten! Vorher wussten wir nicht einmal, das Eignungen &#252;berhaupt entschieden werden k&#246;nnen! Ob unter Einbindung nationaler oder internationaler Experten oder gar g&#228;nzlich ohne sie.<br \/>\nManchmal hat man den Eindruck, als gingen Politiker davon aus, man m&#252;sse nur bestimmte Stichworte wie &#8222;ergebnisoffen&#8220;, &#8222;Konsens&#8220;, &#8222;Dringlichkeit&#8220; oder &#8222;Einbindung internationaler Experten&#8220; unter Einbindung irgendwelchen sprachlichen Kleisters zusammenf&#252;gen, und schon entstehe beim Wahlvolk der Eindruck von Wissen, Erfahrung und Kompetenz. Und leider scheinen sie damit sogar Recht zu haben.<\/p>\n<p>Mit diesem kleinen Sprachkurs unserer Regierungschefin k&#246;nnte man es f&#252;r heute bewenden lassen, wenn nicht auch auf der Politik-Seite Formulierungen von Merkelschem Format zu lesen w&#228;ren: &#8222;Wenn Mimik und Sprache eines Menschen in schicksalhaften Momenten nicht in Deckung zu bringen sind, ist oft <strong>das dicke Ende nah.<\/strong> So betrachtet, hatte Dieter Althaus sich schon am Montag aus dem Machtspiel genommen, als er gemeinsam und doch allein mit den Ministerpr&#228;sidenten-Kollegen aus dem Saarland und Sachsen an der Seite von Angela Merkel zur Wahlnachlese antrat.&#8220; Versteht das jemand? Das mit der Mimik und den schicksalhaften Momenten, und vor allem das mit dem Machtspiel, gemeinsam und doch allein? Naja, wenigstens ist <em>das Ende nah,<\/em> wie Weltuntergangspropheten zu prophezeien pflegen, auch wenn sie nicht das <em>dicke Ende<\/em> meinen, das gemeinhin noch <em>nach kommt,<\/em> wenn man schon glaubt, das Gr&#246;bste sei bereits &#252;berstanden.<\/p>\n<p>Das scheint nun zumindest f&#252;r die heutige Ausgabe &#252;berstanden, auch wenn hier noch ein dickes Ende nah ist: &#8222;F&#252;r Einenkel <strong>schwebt &#252;ber diesen &#220;berlegungen<\/strong> ein Damoklesschwert&#8220;, steht im &#8222;Magna-Mantra&#8220; von der Wirtschaftsseite. Ein sch&#246;nes Ende! Wenn man einmal davon absieht, das ein <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Damokles-Schwert\">Damoklesschwert<\/a> nicht schwebt, sondern <em>h&#228;ngt,<\/em> und zwar nur gehalten von einem d&#252;nnen Rosshaar, und dass es nicht &#252;ber &#220;berlegungen h&#228;ngt, sondern &#252;ber dem Kopf.<br \/>\nSo liest es sich leider wie eine schallende Ohrfeige, zumindest f&#252;r alle, die gutes Deutsch gelehrt wurde, bevor ihnen die WAZ und die Kanzlerin besseres lernten \u2013 unter Einbindung internationaler Experten, die einen Konsens &#252;ber die Dringlichkeit herstellen, eine ergebnisoffene Erkundung f&#252;hren zu m&#252;ssen, um die Eignung des Karrens zu entscheiden, den sie aus der Krise ziehen wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben heute ein reichliches Pensum vor uns, da unsere Kanzlerin interviewt wurde, die ja immer f&#252;r kuriose Formulierungen gut ist. 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