{"id":255,"date":"2009-04-20T19:42:35","date_gmt":"2009-04-20T21:42:35","guid":{"rendered":"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?p=255"},"modified":"2009-04-25T21:37:17","modified_gmt":"2009-04-25T23:37:17","slug":"der-wahlkampf-zieht-herauf-ein-vertieftes-europa-wird-gebraucht-und-die-unternehmen-mussen-ausblicke-abgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/der-wahlkampf-zieht-herauf-ein-vertieftes-europa-wird-gebraucht-und-die-unternehmen-mussen-ausblicke-abgeben\/","title":{"rendered":"Der Wahlkampf zieht herauf, ein vertieftes Europa hat Chancen und die Unternehmen m&#252;ssen Ausblicke abgeben"},"content":{"rendered":"<p>Schon der Aufmacher &#252;berrascht uns mit einer interessanten Formulierung: &#8222;Die Vorschl&#228;ge, die am Dienstag  im Landeskabinett beraten werden sollen, sind brisant, nicht nur, weil<strong> der Wahlkampf heraufzieht.&#8220;<\/strong> Was man bisher nur vom <a href=\"http:\/\/fotoalbum.wdr.de\/details.php?image_id=2333&#038;sessionid=6e170862a0668\">Gewitter<\/a> kannte, vermag nun auch eine simple politische Veranstaltung. Man mag mich jetzt gerne wieder der Pingeligkeit zeihen, aber Wahlk&#228;mpfe ziehen nicht herauf. Die k&#252;ndigen sich an, beginnen oder befinden sich meinetwegen sogar im Anzug, wenn man unbedingt an etwas ziehen will.<\/p>\n<p>Die &#8222;intelligente Autobahn&#8220; am Ende des Artikels wollen wir nicht weiter kommentieren und uns lieber der Seite 2 zuwenden, weil hier noch sch&#246;nere Formulierungen zu finden sind. Nicht nur &#8222;SPD und Gr&#252;ne, die <strong>Atom-Ausstiegler \u2026&#8220;<\/strong>, sondern auch so etwas wie das Folgende: &#8222;NRW: Allenfalls Mittelma&#223; bei der Forschung, <strong>sagt Dahrendorfs Kommission ungeschminkt.&#8220;<\/strong> Unerh&#246;rt, das niemand Dahrendorfs Kommission geschminkt hat, wo sie doch vor Kameras treten musste! Nicht, dass sie noch total blass ausgesehen hat, als sie vielleicht <em>die ungeschminkte Wahrheit<\/em> sagen wollte!<br \/>\nEin bisschen drollig ist dagegen der Satz ein paar Zeilen weiter: &#8222;Ganz einfach: Weil embryonale Stammzellen ganz neue Therapiem&#246;glichkeiten er&#246;ffnen k&#246;nnten f&#252;r bislang unheilbare Krankheiten: Parkinson, Alzheimer, <strong>Herz-Klabaster.&#8220;<\/strong> Drollig nicht nur wegen der doppelten Doppelpunkte oder des falschen Bindestrichs, sondern auch wegen dieser furchtbaren Krankheit namens <a href=\"http:\/\/de.answers.yahoo.com\/question\/index?qid=20090206061950AACemjg\">Herzklabaster<\/a>, welche wahlweise Herzklopfen, Herzrhythmusst&#246;rung oder auch Herzinfarkt bedeuten kann. Eine unheilbare Krankheit ist es jedoch in keinem Fall, und man fragt sich, welcher Teufel einen Chefredakteur reitet, damit jener Parkinson, Alzheimer und den \u2013 wenn &#252;berhaupt \u2013 nur umgangssprachlich m&#246;glichen Herzklabaster in einem Atemzug nennt. Wollte er zynisch sein oder besonders witzig? Oder wollte er nur &#252;berpr&#252;fen, ob seine Artikel &#252;berhaupt gelesen werden?<br \/>\nZumindest setzt er noch einen drauf: &#8222;M&#252;sste man den \u2026 Kommissionsbericht in die politische <strong>Ges&#228;&#223;-Geographie von links nach rechts<\/strong> einordnen, man k&#228;me auf: durchweg liberal.&#8220; Ich k&#228;me da eher auf: Arsch?<br \/>\nAber ich bin ja nicht die entscheidende Instanz, wenn ich auch manchmal so tue. Lesen wir also lieber weiter: &#8222;Richtig <strong>gerungen<\/strong> haben sie in der Kommission, wie man h&#246;rt, <strong>&#252;ber<\/strong> die Integrationspolitik \u2026&#8220; Aha, &#252;ber die Politik wird gerungen! Wieder einmal ein kreativer Einsatz der Universalpr&#228;position. Aber warum auch nicht: Wor&#252;ber man streiten kann, kann man doch sicher auch ringen!<br \/>\n&#8222;Ob ein <strong>vertieftes Europa<\/strong> so &#252;berhaupt noch eine Chance h&#228;tte?&#8220; werden wir gegen Ende des Artikels gefragt, und wir w&#252;rden ja auch gern mit dar&#252;ber nachdenken, wenn wir nur w&#252;ssten, was eigentlich sein soll: ein vertieftes Europa. Die Niederlande und ein bisschen drumherum?<br \/>\nTja, und dann haben wir am Ende noch eine Formulierung, die irgendwie r&#228;tselhaft ist: &#8222;Die <strong>Flexibilit&#228;t, das Mantra<\/strong> der Globalisierer, die allseitige Verf&#252;gbarkeit nicht nur von Kapital, sondern auch von Menschen, wird <strong>glasklar als Zumutung verstanden.<\/strong> Das ist neu. Und erm&#246;glicht auch <strong>globalisierten Existenzen,<\/strong> in, sagen wir, Hattingen oder Herne weiterzuwohnen, <strong>wenn der Weltmarkt mal wieder zuschl&#228;gt.&#8220;<\/strong> Also: Wenn der Weltmarkt mal wieder zuschl&#228;gt: Keine Sorge, denn dann d&#252;rfen globalisierte Existenzen weiter in Hattingen wohnen, weil das Mantra der Globalisierer glasklar als Zumutung verstanden wird.<br \/>\nSo etwas kann man doch eigentlich nur schreiben, wenn man Herzklabaster hat \u2013 oder ungeschminkt &#252;ber den heraufziehenden Wahlkampf ringt. <\/p>\n<p>Wenden wir uns der Rhein-Ruhr-Seite zu. Hier steht im sch&#246;nsten Denglisch: &#8222;Vier Jahre sind seit dem &#220;berfall vergangen. Henriette B. traut sich immer noch nicht, zur Bank zu gehen, um Geld abzuheben. Auf der Stra&#223;e glaubt sie immer wieder, <strong>ein Gesicht, eine Figur zu erinnern.&#8220;<\/strong> Im Englischen ginge das: &#8222;Remember the time&#8220;. Aber im Deutschen ist das Verb reflexiv, deshalb m&#252;sste es hei&#223;en: &#8222;Auf der Stra&#223;e <em>glaubt sie, sich an<\/em> ein Gesicht zu erinnern&#8220;.<br \/>\nIm n&#228;chsten Absatz wurde die Rentnerin &#8222;\u2026 vom Angriff <strong>hinterr&#252;cks v&#246;llig &#252;berrascht&#8220;<\/strong>, was <em>mich<\/em> jetzt ein bisschen &#252;berrascht, wenn auch nicht v&#246;llig hinterr&#252;cks bzw. hinterr&#252;cks v&#246;llig.<br \/>\nAber wie hinterr&#252;cks die &#220;berraschung auch gewesen sein mag: &#8222;Ihre hochbetagte Mutter will eigentlich <strong>kein Aufheben<\/strong> um ihre Person machen.&#8220; Das wiederum kann ich nachvollziehen, weil man normalerweise <em>nicht viel Aufheben<strong>s<\/strong> <\/em> um etwas machen will.<\/p>\n<p>Also bl&#228;ttern wir um und schauen, was die Politik-Seite heute bietet. &#8222;Bj&#246;rn B&#246;hning, Wortf&#252;hrer der SPD-<strong>Linke<\/strong> \u2026&#8220; lesen wir da und fragen uns, warum er nicht Wortf&#252;hrer der SPD-Lin<em>ken<\/em> sein darf.<br \/>\nLiegt es vielleicht daran, dass &#8222;Steinmeier \u2026 nach 20 Minuten die Debatte mit einer Formulierung <strong>abgebunden&#8220;<\/strong> hat? Allerdings m&#252;ssen wir uns jetzt fragen, warum der Kanzlerkandidat die Debatte nicht einfach abge<em>brochen<\/em> hat, wie es jeder andere an seiner Stelle getan h&#228;tte. Zumindest jeder, der sie nicht <em>unter<\/em>bunden h&#228;tte.<br \/>\nWie auch immer \u2013 es wird noch ein bisschen r&#228;tselhafter: &#8222;B&#246;hning nickte brav. Wie der gesamte Entwurf wurde auch dieser Passus einstimmig verabschiedet. <strong>Sie hatten<\/strong> dem Kandidaten allenfalls ein Machtw&#246;rtchen abverlangt.&#8220; Wer war das? Die Einstimmigen oder die B&#246;hnings?<br \/>\nEgal, Steinmeier kriegt das schon hin, &#8222;darum halte er sich <strong>f&#252;r<\/strong> das Amt <strong>&#8218;f&#252;r<\/strong> geeignet&#8217;\u2026&#8220; Genau, denn halten wir uns nicht alle f&#252;r Vieles f&#252;r geeignet? Viele Journalisten ja sogar f&#252;rs Schreiben f&#252;r!<\/p>\n<p>Doch kommen wir nun endlich zur Wirtschaftsseite, denn hier &#8220; \u2026 m&#252;ssen die Unternehmen wieder <strong>Ausblicke abgeben&#8220;<\/strong>, wie uns eine Unterzeile verr&#228;t. Und das auch noch &#8222;mit Blick auf die <strong>geknickte Forscherehre&#8220;<\/strong>, die uns sogar noch in einer Zwischen&#252;berschrift angek&#252;ndigt wird. Nur: Wie knickt man eine Ehre? Man kann sie jemandem erweisen oder jemanden bei ihr packen, man kann sie sogar abschneiden. Aber knicken? Da gibt es h&#246;chstens Leute, die geknickt schauen. Vielleicht, weil sie in ihrer Ehre <em>gekr&#228;nkt <\/em>wurden. Ansonsten kann man sich diesen Ausdruck knicken.<br \/>\n&#220;berschrieben ist dieser Artikel mit &#8222;Prognosen m&#252;ssen sein&#8220; und als ich das sah, habe ich mich direkt gefragt, wann ich denn von den ersten &#8222;Prognosen &#252;ber&#8220; lesen muss. Vielleicht schon im ersten Absatz? Weit gefehlt! Hier hei&#223;t es noch ganz richtig: &#8222;Die staatlich finanzierten Wirtschaftsforscher verweigerten eine Prognose <strong>f&#252;r<\/strong> die Entwicklung im kommenden Jahr.&#8220; Aber im zweiten Absatz, hier hei&#223;t es: &#8222;Auch sie sind in diesem Jahr sehr vorsichtig mit Prognosen <strong>&#252;ber<\/strong> den voraussichtlichen Gesch&#228;ftserfolg.&#8220; Und schon hat sich die Universalpr&#228;position mal wieder durchgesetzt.<br \/>\nMacht ja nichts, es gibt Schlimmeres. Im folgenden Absatz steht zu lesen: &#8222;Ihr Gesch&#228;ftserfolg ist auch in <strong>schlechten Zeiten unsicheren Zeiten<\/strong> sehr gut planbar.&#8220; Ist das eine neue Soap bei RTL? Also sowas wie GZSZ, jetzt aber SZUZ?<br \/>\nAber das kann eh nicht jeder gucken; so sind &#8222;die Dax-Gesellschaften \u2026 verpflichtet, einen <strong>Ausblick<\/strong> auf das laufende Gesch&#228;ftsjahr<strong> zu werfen.&#8220;<\/strong> Dabei h&#228;tte es gereicht, einen <em>Blick<\/em> zu werfen, auf der anderen Seite h&#228;tte man sich einen Ausblick <em>gestatten<\/em> k&#246;nnen.<br \/>\nAber vielleicht war das &#8222;angesichts der Krise und der unerwartet starken <strong>R&#252;ckg&#228;nge<\/strong> bei Nachfrage und Ums&#228;tzen \u2026&#8220; ein bisschen viel verlangt, zumal mir ein einfacher R&#252;ckgang, der ohnehin keinen Plural kennt, gereicht h&#228;tte.<br \/>\n&#8222;Dennoch ist der Verzicht auf Prognosen f&#252;r Investoren nicht dauerhaft <strong>annehmbar&#8220;,<\/strong> hei&#223;t es weiter, was irgendwie einleuchtend ist, da es richtigerweise <em>&#8222;hin<\/em>nehmbar&#8220; hei&#223;en m&#252;sste.<br \/>\nUnd nun geht der Artikel langsam auf sein wohlverdientes Ende zu, aber vorher m&#252;ssen wir noch Folgendes lesen: &#8222;Die Ausgabe von Zielen f&#252;r das laufende Gesch&#228;ftjahr geh&#246;rt wie Quartalsberichte oder Ad-Hoc-Meldungen zum Grundinstrumentarium, mit <strong>der<\/strong> Privatanleger Qualit&#228;t und Aussichten ihres Investments &#252;berpr&#252;fen k&#246;nnen.&#8220; Ja, wenn es denn die Ausgabe von Zielen gewesen w&#228;re, mit der Privatanleger ihre Aussichten &#252;berpr&#252;fen, dann w&#228;re &#8222;der&#8220; richtig gewesen. W&#228;re! Aber leider handelt es sich eindeutig um das Instrumentarium, mit <em>dem<\/em> die Anleger pr&#252;fen k&#246;nnen.<br \/>\nUnd das sollten sie auch tun, denn &#8222;die Aktien der Firmen, die ihre Ziele verfehlen, fallen <strong>wie Steine vom B&#246;rsenhimmel.&#8220;<\/strong> Das ist &#252;berraschend, bislang sah man allenfalls <em>Sterne<\/em> vom Himmel fallen. Die sind zwar phonetisch &#228;hnlich, aber letztendlich doch recht anders. Hauptsache, sie knicken keine Journalistenehre, w&#228;hrend man einen Ausblick darauf wirft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon der Aufmacher &#252;berrascht uns mit einer interessanten Formulierung: &#8222;Die Vorschl&#228;ge, die am Dienstag im Landeskabinett beraten werden sollen, sind brisant, nicht nur, weil der Wahlkampf heraufzieht.&#8220; Was man bisher nur vom Gewitter kannte, vermag nun auch eine simple politische Veranstaltung. 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