{"id":248,"date":"2009-04-09T19:19:16","date_gmt":"2009-04-09T21:19:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?p=248"},"modified":"2009-04-13T19:54:22","modified_gmt":"2009-04-13T21:54:22","slug":"die-mehrheit-als-einzelkampfer-der-onkel-als-marienkafer-merkel-als-mensch-und-alle-an-der-bad-bank-dran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/die-mehrheit-als-einzelkampfer-der-onkel-als-marienkafer-merkel-als-mensch-und-alle-an-der-bad-bank-dran\/","title":{"rendered":"Die Mehrheit als Einzelk&#228;mpfer, der Onkel als Marienk&#228;fer, Merkel als Mensch und alle an der Bad Bank dran"},"content":{"rendered":"<p>Heute gibt es eine Doppelausgabe. Vermutlich sind deshalb auch doppelt so viele Fehler drin, man kommt kaum nach. Beginnen wir mit der Titelseite: &#8222;Die Mehrheit der deutschen M&#252;tter und V&#228;ter f&#252;hlt sich heute als Einzelk&#228;mpfer.&#8220; Die Mehrheit als Einzelk&#228;mpfer, das ist in sich schon ein kleines bisschen widerspr&#252;chlich, aber wollen wir wirklich so kleinlich sein und auf einer eleganteren Formulierung bestehen? Ich denke schon.<\/p>\n<p>Ein bisschen eleganter k&#246;nnte es auch auf der Rhein-Ruhr-Seite sein: &#8222;Der erste Trauerfall war ein Marienk&#228;fer. Er fand den Tod im Blumenbeet und seine letzte Ruhe hinter dem Kindergarten, aber richtig tragisch war das alles nicht: Denn die Kinder haben <strong>den K&#228;fer nicht gekannt<\/strong>. &#8218;Wenn man einen kennt, ist es viel schlimmer&#8216;, sagt Maurice.<br \/>\n<strong>Maurice kannte einmal einen, das war sein Onkel \u2026&#8220;<\/strong><br \/>\nDoch bevor wir uns von dem Schock erholen k&#246;nnen, dass der arme Maurice der Neffe eines Marienk&#228;fers ist, m&#252;ssen wir das Folgende zur Kenntnis nehmen: &#8222;Das Grab haben die Kinder selbst angelegt, es war der feierliche Abschluss eines Projekts: &#8218;Kin<strong>der,<\/strong> Tod und Lebensfreude&#8216; haben die Dortmunder Friedhofsg&#228;rtner es genannt, die <strong>wirklich<\/strong> finden, dass diese Drei zusammengeh&#246;ren, sogar m&#252;ssen.&#8220; Komisch, warum muss ich jetzt zuallererst an &#8222;Kinder, Tod und Teufel&#8220; denken? Und warum finden die Dortmunder Friedhofsg&#228;rtner es &#8222;wirklich&#8220;? Und was sind &#8222;diese <strong>D<\/strong>rei&#8220;, gro&#223; geschrieben? Und warum sind es &#252;berhaupt nur drei, da doch schon die Kin<em>der <\/em> mindestens zwei sein m&#252;ssen?<br \/>\nDiese Fragen m&#252;ssen wohl offen bleiben, denn &#8222;&#8218;Wir erkl&#228;ren den Familien, <strong>wie Tod geht&#8216;,<\/strong> sagt Martin Struck, dem sein Beruf den Humor nicht ausgetrieben hat, aber er meint das ganz ernst \u2026&#8220; Hoppla! Was ist jetzt los? Wir erkl&#228;ren, wie Tod geht? Und das meinen wir ernst, obwohl wir Humor haben? Oder wie? Ich w&#252;rde das nicht mal ernst meinen, wenn ich keinen Humor h&#228;tte.<br \/>\nAber dieser Friedhofsg&#228;rtner hat ja auch schon einiges erlebt: &#8222;Struck hat seinen Vater <strong>fr&#252;h verloren und die kalte Hand seines Opas noch anfassen d&#252;rfen,<\/strong> und er hat all diese Kinder <strong>gesehen,<\/strong> mit denen er inzwischen &#252;ber das Sterben geredet hat: so <strong>viele Fragen, aber niemals Tr&#228;nen<\/strong> und gar keine Angst.&#8220; Und das alles in einem Atemzug! In dem hat er seinen Vater fr&#252;h verloren und dabei die kalte Hand des Opas anfassen d&#252;rfen. Kurz danach hat er Kinder gesehen und viele Fragen gehabt, aber keine Tr&#228;nen und keine Angst, oder habe ich das falsch verstanden? H&#246;lle, Tod und Teufel!<br \/>\nKaum zu glauben, aber &#8222;<strong>auch<\/strong> den Erzieherinnen hat das gefallen: dass ihre Sch&#252;tzlinge begreifen, dass Schmerz manchmal sein muss, aber vergeht, und <strong>auch, <\/strong>dass <strong>Tod nicht toll<\/strong> ist. Es gab da <strong>n&#228;mlich<\/strong> ein paar, sagt Waltraud Piechaczyk, &#8218;die spielten etwas zu oft Totschlagen und Totschie&#223;en&#8216;, aber auch die sind ganz still geworden, als das nun ernst wurde.&#8220; Als <em>was<\/em> nun ernst wurde? Das Totschlagen und Totschie&#223;en? Ging es etwa Onkel Marienk&#228;fer an den Kragen? Oder war hier erneut die kalte Hand des Opas im Spiel?<\/p>\n<p>Auch das werden wir nie erfahren, darum schlagen wir die Politik-Seite auf und lesen die Headline: &#8222;Merkels <strong>Menschwerdung&#8220;.<\/strong> Prompt kommt mir ein Aufsatz von Friedrich Engels in den Sinn: &#8222;Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen&#8220;.<br \/>\nDoch bevor wir jetzt weiter gackern, lesen wir erst einmal: &#8222;Ende Februar <strong>breitete<\/strong> sich in den Medien <strong>die Einsch&#228;tzung aus \u2026&#8220;<\/strong> Wie breitet sich eine Einsch&#228;tzung aus, so wie ein &#214;lteppich?<br \/>\nAber lesen wir weiter: &#8222;Im M&#228;rz konnte man etwas &#252;ber Merkels <strong>Strategie zur pers&#246;nlichen Krisenbew&#228;ltigung<\/strong> lernen: Menschwerdung. Statt gro&#223;e Reden zu halten oder <strong>Machtworte auszuteilen,<\/strong> absolvierte die Kanzlerin vier Wochen lang <strong>jenseits<\/strong> des Tagesgesch&#228;fts ungez&#228;hlte Gespr&#228;che mit Kritikern und viele Termine vor sorgf&#228;ltig ausgew&#228;hltem Publikum.&#8220; Also: Die Menschwerdung (des Affen? Gacker!) ist eine Strategie zur pers&#246;nlichen Krisenbew&#228;ltigung. Anschlie&#223;end werden Machtworte ausgeteilt, die allerdings normalerweise <em>gesprochen<\/em> werden und dann landen wir schon wieder im Jenseits. Warum eigentlich kann man nicht schreiben, dass die Kanzlerin <em>abseits<\/em> vom Tagesgesch&#228;ft Gespr&#228;che f&#252;hrte? Ist das Jenseits so attraktiv geworden, dass man es in jedem dritten WAZ-Artikel bem&#252;hen muss?<br \/>\n&#8222;&#8218;Ich bin dann immer mehr in die Bredouille <strong>gekommen&#8216;,<\/strong> schilderte Merkel&#8220;, was nicht weiter verwundert, da sie eh nicht als besondere rhetorische Leuchte bekannt ist, denn sonst w&#228;re sie in dieselbe <em>geraten.<\/em> Leider redet sie noch weiter: &#8222;Ich habe mich in der Beweisf&#252;hrung immer weiter verstrickt, dass schon alles ein gutes Ende nehmen wird.&#8220; Und ich versuche, mich jetzt nicht in der Beweisf&#252;hrung zu verstricken, dass das eigentlich gar kein Satz ist. Zumindest kein verst&#228;ndlicher.<br \/>\nM&#246;glicherweise ist das alles aber auch nur Bestandteil ihrer &#8222;<strong>Charm<\/strong>offensive&#8220;, wie in der Bildunterschrift zu lesen ist.<br \/>\nUnd die h&#228;ngt vermutlich mit Folgendem zusammen: &#8222;Gerade die Angriffe der SPD bringen einen Wesenskern von Merkels <strong>Selbstverteidigungsstrategie<\/strong> zum Vorschein. <strong>Sie wehrt sich nicht.&#8220;<\/strong> Da muss man erst mal drauf kommen!<\/p>\n<p>Und auch diese Headline auf der Wirtschaftsseite ist einen Tusch wert: &#8222;Bund mit Hochdruck <strong>an Bad Bank dran&#8220;!<\/strong> Und jetzt sind Sie dran. Aber an was und mit welchem Druck?<\/p>\n<p>Auf der Sport(titel-)seite erfahren wir, &#8222;dass mit Lucio, <strong>van<\/strong> Daniel <strong>van<\/strong> Buyten, Miroslav Klose und dem noch kurzfristig ausgefallenen Philipp Lahm vier wichtige Spieler fehlten\u2026&#8220;.<br \/>\nUnd wem diese merkw&#252;rdige Doppelung noch nicht ausreicht, der wird im n&#228;chsten Absatz belohnt, denn &#8222;ein paar Stunden vor Anpfiff hatte Klinsmann noch versucht, <strong>einen letzten Reizpunkt zu setzen,<\/strong> als er sich f&#252;r Hans-J&#246;rg Butt im Tor entschied und nicht f&#252;r den <strong>etatm&#228;&#223;igen<\/strong> Stammkeeper Michael Rensing&#8220;.<br \/>\nDa wir weder wissen, was ein Reizpunkt ist, noch, wie er gesetzt wird, noch, was ein etatm&#228;&#223;iger Keeper ist, sollte uns auch das Folgende nicht &#252;berraschen: &#8222;Das Spiel <strong>im vor<\/strong> 93 210 Zuschauern <strong>im<\/strong> Nou Camp hatte begonnen \u2026&#8220;<br \/>\nUnd &#8222;dass es kurz darauf nicht schon 3:0 stand f&#252;r Barcelona (Komma fehlt!) hatten die Bayern in erster Linie Schiedsrichter Howard Webb zu verdanken\u2026 &#8220; und kann uns nun auch nicht mehr aufregen. Was ist schon ein fehlendes Komma angesichts einer Schiedsrichter-Fehlentscheidung? <\/p>\n<p>Wenden wir uns daher lieber dem nebenstehenden Kommentar zu, der uns berichtet, &#8222;dass Franz Beckenbauer trotz des Ruheverdikts der F&#252;hrungs-Weggef&#228;hrten bereits den <strong>S&#228;bel in der Hand h&#228;lt&#8220;,<\/strong> anstatt mit ihm zu <em>rasseln,<\/em> wie man es von diesem Sprachbild erwartet. Doch vielleicht will er ja mit dem S&#228;bel Onkel Marienk&#228;fer auflauern und ihm so erkl&#228;ren, wie Tod geht und nicht toll ist? Ich f&#252;rchte nur, dass er dadurch in die Bredouille kommt, seine Menschwerdung verpasst, w&#228;hrend er die kalte Hand des Opas ergreift und dadurch einen letzten Reizpunkt setzt. Und das w&#228;re doch schade, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute gibt es eine Doppelausgabe. Vermutlich sind deshalb auch doppelt so viele Fehler drin, man kommt kaum nach. Beginnen wir mit der Titelseite: &#8222;Die Mehrheit der deutschen M&#252;tter und V&#228;ter f&#252;hlt sich heute als Einzelk&#228;mpfer.&#8220; Die Mehrheit als Einzelk&#228;mpfer, das ist in sich schon ein kleines bisschen widerspr&#252;chlich, aber wollen wir wirklich so kleinlich sein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-248","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=248"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}