{"id":151,"date":"2008-12-27T21:35:40","date_gmt":"2008-12-27T21:35:40","guid":{"rendered":"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?p=151"},"modified":"2008-12-27T21:35:40","modified_gmt":"2008-12-27T21:35:40","slug":"strapazierfahiger-leidensdruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/strapazierfahiger-leidensdruck\/","title":{"rendered":"Strapazierf&#228;higer Leidensdruck"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Titelseite (und sp&#228;ter noch einmal auf der Politik-Seite) gibt der Landesfinanzminister eine &#228;u&#223;erst bedeutsame &#196;u&#223;erung von sich: &#8222;Viele Instrumente, die der Bund zur Belebung der Konjunktur beschlie&#223;t, m&#252;ssen zu gro&#223;en Teilen von den L&#228;ndern bezahlt werden. Da ist unser <strong>Leidensdruck nur begrenzt strapazierf&#228;hig.&#8220;<\/strong><br \/>\nIch bin sicher, er wollte damit auch etwas &#228;u&#223;erst Bedeutsames ausdr&#252;cken, die Frage ist nur: <em>Was?<\/em><br \/>\nWenn man versucht, aus dieser Aneinanderreihung mehr oder weniger bedeutungstragender Laute so etwas wie Sinn heraus zu filtern, erh&#228;lt man Folgendes: Wir leiden. Mehr noch: Wir haben Leidensdruck. Allerdings ist der strapazierf&#228;hig. Jedoch nicht unbegrenzt.<br \/>\nMein Leiden ist, gerade angesichts solcher Sprachkonstruktionen, recht gro&#223;. Dadurch versp&#252;re ich einen Leidensdruck. Als der schlie&#223;lich zu gro&#223; wurde, musste ich mich mit diesem Blog outen. Doch kann man diesen Leidensdruck strapazieren? Und wenn, wie? Und was passiert dann?<br \/>\nIch verheddere mich, tut mir leid. Aber ich wollte ja nur herausfinden, was unser Finanzminister eigentlich Bedeutsames sagen wollte. &#196;hem, vielleicht das hier: <em>Unser Land leidet schon genug, mehr ist nicht drin.<\/em> Aber warum erz&#228;hlt er dann was von strapazierf&#228;higem Leidensdruck? Das werden wir wohl nie herausfinden, f&#252;rchte ich.<\/p>\n<p>Auch, was wir heute wieder aus Bangladesh bzw. von der Spendenaktion erfahren, ist schwer verst&#228;ndlich. &#8222;Morgens <strong>steigt<\/strong> Gisele <strong>ihrem eigenen Haus aufs Dach&#8220;,<\/strong> steht da, und man wei&#223; nicht, ob es in Kenntnis oder Unkenntnis der Redensart geschrieben wurde, die soviel bedeutet wie: <em>jemanden unter Druck setzen, zurechtweisen.<\/em> Im ersten Fall w&#228;re es reichlich daneben, im zweiten schlicht beknackt.<br \/>\nUnd im n&#228;chsten Absatz kommt dann eine Reihung, die mich verwirrt: &#8222;650 neue Quadratmeter werden die behinderten Kinder von Recife dann haben, f&#252;r <strong>Physiotherapie, Speisesaal, Unterricht.&#8220;<\/strong> Und im Nachbarhaus gibt es Fl&#228;che f&#252;r <em>Radioh&#246;ren, Toilette, Beten.<\/em> Oder wie?<br \/>\nAber die merkw&#252;rdigen Verbindungen gibt es auch an anderer Stelle: &#8222;<strong>Und &#252;berhaupt, Gisele:<\/strong> Vor 21 Jahren gab ihre Geburt den Anlass, die Hilfsorganisation zu gr&#252;nden \u2026 Heute <strong>ist sie Vize-Pr&#228;sidentin<\/strong> des Projekts, seine \u201eVorzeige-Frau\u201d und<strong> im Fr&#252;hjahr eingeladen<\/strong> zum Jubil&#228;um der Kindernothilfe nach Deutschland.&#8220; Und ich bin <em>Kritiker und im Winter eingeladen<\/em> zur Weihnachtsfeier. Das druck ich mir auf die Visitenkarte!<br \/>\nDaf&#252;r ist eins &#8222;kaum zu glauben, aber in diesen Tagen haben sie im Kindergarten \u2026 schon zum zweiten Mal Weihnachten gefeiert.&#8220; Wirklich! Denn wir haben in diesen Tagen nur einmal Weihnachten gefeiert. Wie machen die das?<br \/>\nWahrscheinlich so: &#8222;Sie legen hier immer viel Wert auf solche Feste, auch jeder Geburtstag wird mit viel Liebe begangen, <strong>und das Pfannkuchenfest.&#8220;<\/strong> Das leuchtet ein! Bei uns wird auch jede Party mit Musik begangen, und das Bierzelt! Wenn das Deutsch ist, lebe ich offenbar in einem anderen Land.<br \/>\n<em>Und &#252;berhaupt: Ich.<\/em> Ich habe da noch ein Problem mit der Formulierung im n&#228;chsten Absatz: &#8222;Das Virus \u2026 wird im Gesundheitspass vermerkt, Kinderg&#228;rten nehmen die Kleinen damit nicht auf, selbst <strong>Schulen schlie&#223;en lieber ihre Tore.&#8220;<\/strong> Weil ich davon ausgehe, dass Fabriken, Institutionen u.&#228;. , die <em>ihre Tore schlie&#223;en,<\/em> ihren Betrieb einstellen, dicht machen, ja sogar pleite sind. So zumindest unterstellt es die entsprechende Redensart.<br \/>\nAm Ende des Artikels haben wir dann noch einen Satz, den ich nicht mehr kommentieren m&#246;chte: &#8222;Die 100 000 Euro sind noch nicht ganz geschafft \u2013 aber f&#252;r das neue Haus, das auch diese <strong>halben Kinder,<\/strong> die <strong>ungewollt geschw&#228;ngert wurden,<\/strong> sich so dringend w&#252;nschen, brauchen wir noch viel mehr.&#8220;<br \/>\nDenn dann k&#246;nnte ich der WAZ-Autorin aufs Dach steigen und die Tore schlie&#223;en. Zumal mein Leidensdruck nur begrenzt strapazierf&#228;hig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Titelseite (und sp&#228;ter noch einmal auf der Politik-Seite) gibt der Landesfinanzminister eine &#228;u&#223;erst bedeutsame &#196;u&#223;erung von sich: &#8222;Viele Instrumente, die der Bund zur Belebung der Konjunktur beschlie&#223;t, m&#252;ssen zu gro&#223;en Teilen von den L&#228;ndern bezahlt werden. 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