{"id":137,"date":"2008-12-11T22:03:47","date_gmt":"2008-12-11T22:03:47","guid":{"rendered":"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?p=137"},"modified":"2008-12-23T21:01:20","modified_gmt":"2008-12-23T21:01:20","slug":"die-kanzlerin-sagt-an-klimazielen-die-gefahrten-sind-nicht-auszuweiden-und-der-rettungsschirm-halt-nicht-was-man-sich-erwartet-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/die-kanzlerin-sagt-an-klimazielen-die-gefahrten-sind-nicht-auszuweiden-und-der-rettungsschirm-halt-nicht-was-man-sich-erwartet-hat\/","title":{"rendered":"Die Kanzlerin s&#228;gt an Klimazielen, die Gef&#228;hrten sind nicht auszuweiden und der Rettungsschirm h&#228;lt nicht, was man sich erwartet hat"},"content":{"rendered":"<p>Wahrhaft merkw&#252;rdige Dinge geschehen heute! Auf der Seite 2 bereits, in einer fetten &#220;berschrift, &#8222;<strong>s&#228;gt<\/strong> die Kanzlerin an jenen <strong>Klimazielen\u2026&#8220;<\/strong> Nun kann man ja an vielem s&#228;gen, und in solchen F&#228;llen zumeist an dem Ast, auf dem man sitzt, aber wie s&#228;gt man an Zielen?<\/p>\n<p>Auch im nebenstehenden Kommentar gibt es wieder schr&#228;ge Formulierungen. So &#8222;w&#252;rde die Kanzlerin <strong>mindestens seltsam neutral<\/strong> auf Frauen wirken.&#8220; Wie wirkt man neutral auf Frauen? Wie seltsam neutral? Und wie <em>mindestens<\/em> seltsam neutral? Und warum muss ich mir solche Fragen stellen?<br \/>\nAber tr&#246;sten wir uns: &#8222;Positionen werden nicht deshalb falsch, weil ihr Inhaber betroffen ist. Auch Westerwelles Position ist nicht deshalb falsch, weil er mit einem Mann zusammenlebt, sondern weil er vielleicht kein hervorragender Au&#223;enminister w&#228;re.&#8220; Also, meine Position ist nicht falsch, weil ich betroffen bin. Und ich bin ziemlich betroffen. Und Westerwelle hat auch Gl&#252;ck: Seine Position ist nur falsch, weil er vielleicht kein hervorragender Au&#223;enminister w&#228;re. Wenn er einer w&#228;re. Da er aber keiner ist, auch nicht vielleicht nicht hervorragend, ist jetzt seine Position \u2026? Das ist mir zu kompliziert!<br \/>\nVielleicht erfahren wir im n&#228;chsten Satz mehr. Tun wir nicht, denn der lautet: &#8222;Als Oppositionsf&#252;hrer profiliert Westerwelle sich derart scharf konturiert gegen die Gro&#223;e Koalition, dass man manchmal den Eindruck hat, er male im n&#228;chsten Moment die Innenw&#228;nde des Bundestages schwarz und wei&#223; an.&#8220; Irgendwie leuchtet mir das nicht ein: Warum sollte er W&#228;nde anmalen, wenn er sich profiliert? Und warum im n&#228;chsten Moment? Zugegeben: Auf irgend eine Weise hat das mit dem scharf konturierten Profilieren etwas mit schwarz und wei&#223; zu tun, aber was? Das erfahren wir nicht.<br \/>\nStattdessen das Folgende: &#8222;Auch eine <strong>wertegebundene<\/strong> Au&#223;enpolitik kann nur dann funktionieren, wenn man Zugang zu den L&#228;ndern beh&#228;lt, denen man Werte vermitteln will.&#8220; Was ist das f&#252;r eine Politik, die da funktionieren soll? Ich hab im Duden nachgeschaut: &#8222;wertegebunden&#8220; existiert nicht. Aber weil hier viel von &#8222;Werten&#8220; die Rede ist, sollte man vermuten, es sei eine Politik, die sich bestimmten <em>Werten verpflichtet<\/em> f&#252;hlt.<br \/>\nDa sind dann die &#8222;mit Geld <strong>unterlegten<\/strong> Beitrittsverhandlungen der EU mit der T&#252;rkei&#8220; schon fast verst&#228;ndlicher.<br \/>\nAber auch der amtierende Au&#223;enminister hat es nicht leicht: &#8222;Frank-Walter Steinmeier suchte das Gespr&#228;ch &#252;ber Tibet und Menschenrechte hinter verschlossenen T&#252;ren.&#8220; Vielleicht h&#228;tte er es gefunden, wenn er es hinter offenen T&#252;ren oder geschlossenen Fenstern gesucht h&#228;tte.<br \/>\nEin paar Zeilen sp&#228;ter erfahren wir, was wichtiger ist als wichtig: &#8222;zwei weltwichtige Regierungen&#8220;.<br \/>\nUnd am Ende es Kommentars erfahren wir endlich, warum Guido W&#228;nde anmalt: &#8222;Allerdings steht auch ein Oppositionsf&#252;hrer in der Pflicht, B&#252;rgern graue Positionen dort zu erkl&#228;ren, wo Schwarz und Wei&#223; eine gef&#228;hrliche Illusion sind.&#8220; Das neue R&#228;tsel ist jetzt nur, was <em>graue<\/em> Positionen sind.<\/p>\n<p>Kommen wir zur &#8222;Rhein-Ruhr&#8220;-Seite und damit zum &#8222;Rinnstein der Gesellschaft&#8220;, wie uns die Headline in mindestens 60 Punkt verk&#252;ndet. Was das allerdings sein soll, erfahren wir nicht, stattdessen ist im Artikel von den &#8222;Absteigen im Rinnstein der <strong>Haupstadt<\/strong>&#8222;, was aber auch nicht verst&#228;ndlicher ist, zumal es wenigstens die Haup<strong><em>t<\/em><\/strong>stadt sein sollte. Wo und inwiefern man dort im Rinnstein Absteigen findet, wird leider nicht weiter ausgef&#252;hrt, sondern das Folgende: &#8222;wo die wohnen, die noch &#228;rmer sind als die Armen und noch &#228;rmer dran.&#8220;<br \/>\nUm so etwas zu schreiben, muss man ja total arm dran sein, sozusagen Arm ab (haha!).<br \/>\nEs geht aber noch schlimmer weiter: &#8222;Das hier sei &#8217;schlimmer als alles&#8216;, hie&#223; es eben noch, aber was ist nun schlimmer: eine armselige H&#252;tte oder gar keine?&#8220; Ich glaube, am schlimmsten ist dieser Sprachstil, der Sprache zerhackt, zerst&#252;ckelt und dann die Einzelteile zu neuen Sprachgebilden recycelt.<br \/>\nUnd nun folgen Zeilen sinnfreien Gefasels, und ich kann nun wirklich nicht mehr auf alles eingehen: &#8222;Die Stra&#223;en der St&#228;dte sind verstopft, die Fl&#252;sse nicht minder, beide mit <strong>Gef&#228;hrten,<\/strong> die nicht einmal mehr <strong>auszuweiden<\/strong> w&#228;ren auf dem <strong>Schrott,<\/strong> und <strong>dann:<\/strong> &#252;berall Leute, &#252;berall L&#228;rm. Schon jetzt besch&#228;ftigen sich die Gerichte zu 80 Prozent mit Streitigkeiten um Grund und Boden. Um Grund, der feucht ist, salzig und wenig Ernte bringt. <strong>Um<\/strong> ein St&#252;ck trockenen Lehms oder eine Pf&#252;tze, &#252;ber denen der saure Geruch verrottenden Abfalls liegt. <strong>&#220;ber<\/strong> Flecken wie dem, auf dem Parveen wohnt, die Feuerholz verkauft, Ashma, die 17-J&#228;hrige, die ihrem Vater hilft, einem Scherenmacher, und Piyara, die stolz ist auf ihr &#8218;Transportunternehmen&#8216;: Sie besitzt einen br&#252;chigen Handkarren.&#8220; Entschuldigung, hier stimmt einfach nichts mehr: Weder die Semantik, noch der Satzbau, noch die Aussage; hier geht alles komplett schief.<br \/>\nIch w&#252;rde mich jetzt noch gern &#252;ber die Gef&#228;hrten aufregen, die nicht auszuweiden w&#228;ren, aber eigentlich bin ich nur noch m&#252;de\u2026<br \/>\nAber es gibt noch mehr Unsinn: &#8222;Sie geben sich gegenseitig winzige Kredite, f&#252;r Mehl, um daraus Kuchen zu verkaufen\u2026&#8220; Aus Mehl Kuchen verkaufen!<br \/>\nUnd dann wieder zeilenweise Gefasel: &#8222;Gerade sitzen die Frauen wieder zusammen und diskutieren: &#8218;Unsere Br&#252;der haben immer das bessere Essen gekriegt.&#8216; \u2013 &#8218;M&#228;dchen bringen einer Familie nichts ein.&#8216; Es ist viel, dass sie das sagen k&#246;nnen: Vor wenigen Monaten noch h&#228;tten sie es nicht einmal <strong>zu denken gewusst.<\/strong> Und jetzt erleben sie, dass die paar gesparten Taka, &#252;ber die sie penibel Buch f&#252;hren in rosa Kassenheftchen, die Familie ern&#228;hren.&#8220; Das ist doch kein Deutsch, das ist schlicht unertr&#228;glich! Und das Schlimmste: Bei der WAZ scheint man zu glauben, dass man so eine Reportage schreiben muss! (Egon Erwin w&#252;rde sich im Grabe umdrehen!)<\/p>\n<p>Und nun muss ich mich auch noch mit dem Rettungsschirm besch&#228;ftigen. Den finden wir heute mal wieder auf der Wirtschafts-Seite. &#8222;Rettet den Rettungsschirm&#8220;, hei&#223;t da die Headline &#252;ber dem Kommentar, und ich vermag mich dieser Forderung ganz und gar nicht anzuschlie&#223;en. Denn eigentlich gibt es dieses Ding gar nicht. Der Duden zumindest kennt es nicht und ich w&#252;sste auch nicht, jemals so etwas gesehen zu haben. Es tritt ja auch erst seit der Finanzkrise auf, und seitdem vermehrt. Allerdings gab es urspr&#252;nglich einen Schutz<em>schirm<\/em> und ein <em>Rettungs<\/em>paket \u2013 und ich vermute, dass irgendein aufgeregter Reporter daraus einen <em>Rettungsschirm<\/em> gebastelt hat. Nur: Warum alle das ohne &#220;berlegung nachplappern, ist mir unerkl&#228;rlich. Nun gut, die WAZ ist halt f&#252;r jeden Bl&#246;dsinn zu haben, selbst f&#252;r die folgende Aussage: &#8222;Ganz offensichtlich h&#228;lt das vor sechs Wochen allseits gefeierte Rettungspaket nicht, was man <strong>sich<\/strong> erwartet hat.&#8220; Vielleicht wollte der Autor urspr&#252;nglich schreiben: &#8222;\u2026 was man sich darunter <em>vorgestellt<\/em> hat&#8220; und ist im letzten Moment auf &#8222;erwartet&#8220; umgestiegen, wir werden es nie erfahren\u2026<\/p>\n<p>Zum Abschluss noch ein paar Politiker-Zitate von der Politik-Seite, um die WAZ-Autoren ein bisschen zu entlasten. Alle drei aus einem Artikel. Zuerst die SPD. Sie spricht von einer &#8222;faustdicken <strong>Panne&#8220;,<\/strong> w&#228;hrend man h&#246;chstens die faustdicke <em>L&#252;ge<\/em> kennt. Sodann die Gr&#252;nen, die nicht verstehen, &#8222;dass ein Richter keine Klarheit <strong>&#252;ber<\/strong> Fristen hat&#8220;. Ich verstehe daran vor allem den Gebrauch der Pr&#228;position &#8222;&#252;ber&#8220; und die merkw&#252;rdige Satzkonstruktion nicht. Und schlie&#223;lich die CDU, bzw. ihre Justizministerin, die meint, es sei nichts passiert, &#8222;was auch nur entfernt an einen Skandal <strong>erinnern<\/strong> k&#246;nnte&#8220;. An welchen Skandal sollen wir uns da erinnern?<br \/>\nSolange die Politiker soviel Unsinn reden, muss man bei der WAZ nicht f&#252;rchten, dass &#8222;Deutsch als Sprache&#8220; ins Grundgesetz geschrieben werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahrhaft merkw&#252;rdige Dinge geschehen heute! Auf der Seite 2 bereits, in einer fetten &#220;berschrift, &#8222;s&#228;gt die Kanzlerin an jenen Klimazielen\u2026&#8220; Nun kann man ja an vielem s&#228;gen, und in solchen F&#228;llen zumeist an dem Ast, auf dem man sitzt, aber wie s&#228;gt man an Zielen? Auch im nebenstehenden Kommentar gibt es wieder schr&#228;ge Formulierungen. 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