{"id":109,"date":"2008-11-11T20:46:32","date_gmt":"2008-11-11T18:46:32","guid":{"rendered":"http:\/\/wazblog.de\/blog\/?p=109"},"modified":"2008-11-16T18:23:20","modified_gmt":"2008-11-16T16:23:20","slug":"das-politische-jahr-wurde-ubermasig-verschattet-drangende-probleme-verschleppt-und-die-krise-spielt-in-die-karten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/das-politische-jahr-wurde-ubermasig-verschattet-drangende-probleme-verschleppt-und-die-krise-spielt-in-die-karten\/","title":{"rendered":"Das politische Jahr wurde &#252;berm&#228;&#223;ig verschattet, dr&#228;ngende Probleme verschleppt, Kinder geh&#246;ren nicht in Armut, die Krise spielt in die Karten, Gem&#252;ter werden gespalten und ein OB belustigt sich &#252;ber Inszenierungen"},"content":{"rendered":"<p>Dass manchmal bestimmte Ereignisse von anderen <em>&#252;ber<\/em>schattet werden, wei&#223; man. Durch den heutigen Kommentar auf Seite 2 jedoch sind wir schlauer, &#8222;weil das qu&#228;lende Schauspiel um Andrea Ypsilanti und Roland Koch, um Wortbruch und Linkspartei, um rechte und linke SPD sowie Abweichler das zu Ende gehende politische Jahr <strong>&#252;berm&#228;&#223;ig verschattet<\/strong> hat.&#8220; Ja, warum wird denn jetzt da nicht &#8222;&#252;ber&#8220; benutzt? Wo wir es doch sonst so gern &#252;berall einbauen. Vielleicht, weil &#8222;verschatten&#8220; dramatischer klingt. Oder auch, weil dann das zweimalige &#8222;&#252;ber&#8220; eben <em>&#252;ber<\/em>z&#228;hlig gewesen w&#228;re (mal abgesehen davon, dass <em>&#252;berm&#228;&#223;ig<\/em> hier auch schon <em>&#252;ber<\/em> war).<br \/>\nDabei hat die Autorin in dieser Hinsicht sonst weniger Skrupel. Z&#228;hlen Sie doch einmal, wie oft im vorletzten Absatz dieses Kommentars das W&#246;rtchen &#8222;um&#8220; benutzt wird: &#8222;Viele treibt in dieser krisenschweren Zeit die Sorge <strong><em>um<\/em><\/strong> den Arbeitsplatz <strong><em>um, <\/em><\/strong>und dabei geht es nicht nur <strong><em>um<\/em><\/strong> das Geld, das nicht mehr zu verdienen w&#228;re, sondern auch <strong><em>um<\/em><\/strong> den Arbeitsplatz selbst. Es geht <strong><em>um<\/em><\/strong> die t&#228;gliche Aufgabe von Menschen ebenso wie <strong><em>um<\/em><\/strong> ihre Aufgehobenheit in einer sozialen Umgebung.&#8220; (Hier ist dar&#252;ber hinaus interessant, dass man zuerst meint, viele <em>treibe die Sorge um,<\/em> w&#228;hrend tats&#228;chlich gesagt wird, es treibt sie die Sorge um \u2026 um)<br \/>\nAber &#8222;wenn man entschlossen davon absieht&#8220;, wie es im Absatz davor hei&#223;t, dann st&#246;rt das wohl nicht weiter. Genauso entschlossen sehe ich jetzt davon ab, &#8222;dass im Jahr der Bundestagswahl ein Barack Obama vom Himmel &#252;ber Berlin steigt&#8220;.<\/p>\n<p>Denn auf derselben Seite geschehen noch andere merkw&#252;rdige Dinge. &#8222;Die USA sind aus der Erstarrung <strong>erwacht. <\/strong>Dr&#228;ngende Probleme wurden <strong>verschleppt<\/strong>&#8222;, steht da recht gro&#223; in der Unterzeile des Aufmachers. Liebe USA, wenn Ihr schon aus der Erstarrung erwacht, anstatt Euch wie alle anderen daraus zu <em>l&#246;sen,<\/em> dann verschleppt wenigstens nicht die Probleme. Wie, habt Ihr gar nicht? Ihr habt nur die <em>L&#246;sung<\/em> verschleppt?<br \/>\nSchlimm genug, &#8222;doch auch da zeigt sich nun, dass die <strong>Panikpakete<\/strong>, die der Kongress mit den Stimmen beider Parteien auf den Weg brachte, allzu hektisch gepackt worden sind.&#8220; Na fein. Jetzt haben wir neben den Rettungsschirmen (und -paketen) auch noch die Panikpakete. Jetzt warte ich noch auf die Panikschirme. Und, wie man selbige auf den Weg bringt, das w&#252;sste ich auch gern.<\/p>\n<p>Auf der Politik-Seite (unter der &#220;berschrift &#8222;Linkspartei will Unruhe stiften&#8220;) haben wir dann die Frau van Dinther, ihres Zeichens Landtagspr&#228;sidentin (hab ich auch nicht gewusst), die auf die Frage, ob es in Deutschland sozial ungerechter geworden sei, &#196;u&#223;erungen von sich gibt, wie: &#8222;Das ist eher gef&#252;hlt so.&#8220; Ist das Deutsch? Gef&#252;hlt eher nicht.<br \/>\nUnd kurz danach bemerkt sie: &#8222;Kinder geh&#246;ren nicht in Armut.&#8220; Ich bin ja fast dankbar, dass sie nicht gesagt hat: &#8222;Kinder geh&#246;ren nicht in Armut hin&#8220;. Denn das h&#228;tte mich all zu sehr an den sch&#246;nen Vers erinnert: &#8222;Alkohol und Nikotin geh&#246;rt nicht nach der Schule hin&#8220;.<\/p>\n<p>Kommen wir zur Wirtschaft. Hier &#8222;fragt (man) sich, wie viele Jahre die Wirklichkeit noch braucht, um die Rituale zu entzaubern. Oder braucht es einen Streik, sie aufzufrischen?&#8220; Vor allem frage ich mich, wie Rituale &#252;berhaupt entzaubert werden k&#246;nnen, wie die Wirklichkeit das erledigen soll und wie ein Streik sie auffrischen k&#246;nnte.<br \/>\nUnd nicht zuletzt frage ich mich, &#8222;wie sehr sie (die IG Metall) in der Defensive steht.&#8220; Ich wusste n&#228;mlich bisher noch gar nicht, dass man in da drin auch stehen kann \u2026<br \/>\nEin paar Zeilen weiter folgt dann etwas, wof&#252;r ich noch keinen richtigen Begriff habe: Das Zusammenziehen von zwei Redewendungen oder Ausdr&#252;cken zu einem. Ein sprachliches Ph&#228;nomen, das die WAZ hegt und pflegt, so dass man es den &#8222;doppelten WAZberger&#8220; nennen k&#246;nnte. &#8222;Den Arbeitgebern spielt die Krise in die Karten&#8220;. Redewendung 1: Jemand <em>guckt<\/em> jemandem in die <em>Karten<\/em>. Redewendung 2: Jemand (oder etwas) <em>spielt<\/em> jemandem <em>in die H&#228;nde.<\/em> Waz-Double: Man spielt in die Karten. Toll, nicht wahr?<\/p>\n<p>Auf der Sportseite &#8222;hat sich mittlerweile ein explosives Gemisch aus frustrierten Fanseelen und einem gekr&#228;nkten Pr&#228;sidenten auf Liebesentzug gebildet, das die Wedau fl&#228;chendeckend zum Pulverfass macht.&#8220; He, das ist mal was! Ein Gemisch aus Seelen und Pr&#228;sidenten wird zum Pulverfass. Und auch noch fl&#228;chendeckend!<\/p>\n<p>Sensationelle Erkenntnis auf der Seite WAZ-Extra: &#8222;Tsunamis gab es schon in der Antike&#8220;. Und ich dachte immer, sie w&#228;ren eine Folge des CO2-Aussto&#223;es oder der Atomkraftwerke!<\/p>\n<p>Auf der Essener Lokalseite ein kleiner Skandal: &#8222;Der Start des neuen Essener &#8218;Ring des Nibelungen&#8216; spaltet die Gem&#252;ter.&#8220; Das h&#228;tte jetzt ein weiterer sch&#246;ner WAZberger werden k&#246;nnen, wenn sich wenigstens die Geister spalten k&#246;nnten. Leider k&#246;nnen die sich aber nur an irgendwas <em>scheiden,<\/em> w&#228;hrend sich die <em>Gem&#252;ter erhitzen.<\/em><br \/>\nAu&#223;erdem hat da der Essener Oberb&#252;rgermeister auch noch ein W&#246;rtchen mitzureden: &#8222;Ich <strong>belustige<\/strong> mich eher <strong>&#252;ber<\/strong> solche Inszenierungen \u2026&#8220; Allerdings kann man sich h&#246;chstens <em>&#252;ber<\/em> solche Inszenierungen <em>lustig machen<\/em> oder <em> belustigt sein<\/em>, und dann am besten ohne Pr&#228;position, zumindest aber nicht schon wieder &#8222;&#252;ber&#8220;! Sonst ist die deutsche Sprache &#252;berm&#228;&#223;ig verschattet, wenn nicht gar verschleppt und ich muss mich gar &#252;ber das Ganze belustigen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass manchmal bestimmte Ereignisse von anderen &#252;berschattet werden, wei&#223; man. Durch den heutigen Kommentar auf Seite 2 jedoch sind wir schlauer, &#8222;weil das qu&#228;lende Schauspiel um Andrea Ypsilanti und Roland Koch, um Wortbruch und Linkspartei, um rechte und linke SPD sowie Abweichler das zu Ende gehende politische Jahr &#252;berm&#228;&#223;ig verschattet hat.&#8220; Ja, warum wird denn [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-109","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wazblog.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}